Die unendliche Schwermut eines Desillusionierten

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8. April 2016 von Olga Herdt
gegengelesen

August 1991. Der Eiserne Feliks schlägt dumpf auf dem Asphalt auf; die UdSSR zerbröckelt in ihre einzelnen Buchstaben. Berauscht vom Wind of Change legen die Menschen ihre Trümmer auf dem Friedhof der Geschichte ab. Doch dass die Toten nicht immer bereit sind zu ruhen, weiß Sergej Lebedev kunstvoll in seinem neuen Roman Menschen im August (Ljudi avgusta) zu zeigen.

Keine einfache Partie, aber angenehm unbequem. Aleksandar Hemons Buch meiner Leben

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7. April 2016 von Anne-Christin Grunwald
gegengelesen

Aleksandar Hemons erstes autobiografisches Werk ist eine spannende Partie. Eine, bei der nach dem Schlusspfiff die Halbzeitpause kommt und die auf mehreren Plätzen zugleich gespielt wird. In kurzen Episoden erzählt er von Fußball und Schach, Sarajevo und Chicago, Unbequemem und manchmal Unerträglichem – oder enttarnt ganz nebenbei die westliche Selbstgefälligkeit unter dem Deckmäntelchen multikultureller Öffnung.

Standardisierte Fälschung oder Tiflis am Abgrund des Gefaketen

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19. März 2016 von Irine Beridze
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Zaza Burchuladze bekam in Georgien schon früh den Ruf des geschickten Provokateurs. Sein exzentrisches Auftreten in den Medien und seine direkten Invektiven gegen die orthodoxe Kirche haben nicht nur die Verkaufszahlen seiner Bücher rasch nach oben getrieben, sondern auch seine letztliche Flucht aus Georgien bedingt. Sein Buch Adibas (georgische Erstveröffentlichung 2009) liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Arkadij Babčenko: Ein Tag wie ein Leben. Krieg, Vaterland & Co.

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7. März 2016 von Jürgen Wald
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Arkadij Babčenko verzichtet auf Beschönigungen. Er wählt drastische Worte, nennt den Krieg einen Schwanzvergleich und betont, dass er keine positiven Seiten hat. Wer Ein Tag wie ein Leben gelesen hat, wird dem kompromisslos zustimmen müssen.

Es herrscht Krieg. Andrej Kurkovs Ukrainisches Tagebuch

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4. Mai 2015 von Natalie Ost
gegengelesen

Wie oft hat man im letzten Jahr in den Medien gehört, dass der Konflikt in der Ukraine mit einem Sprachproblem zwischen ethnischen Russen und Ukrainern zusammenhängt. Andrej Kurkov, einer der bekanntesten ukrainischen Autoren, der die meisten seiner Bücher auf Russisch verfasst hat, zeigt in seinem Ukrainischen Tagebuch eindrücklich, dass es auf dem Majdan um etwas ganz anderes ging.