Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Socia­list Zombie Massacre

Socia­listický Zombi Mord (2014) war als Hor­ror­film der ein­zige Ver­treter seines Genres beim Film­fes­tival Cottbus 2016. Schon im Vor­feld wurde er als beson­derer Gen­re­film ange­priesen. Die Neu­gierde war also groß. Wie der bre­chend volle Raum der Kammerbühne bewies, zog es viele Zuschauer_innen zu dem slo­wa­ki­schen low-budget Zom­bie­film, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Sozia­lismus in Zeiten der Krise

socialisticky_zombie_mordEine che­mi­sche Sub­stanz, die einst in der Kriegsführung ein­ge­setzt wurde und lange unter Ver­schluss war, wird bei einer mili­tä­ri­schen Übung in einer sozia­lis­ti­schen Schule ver­wendet. Wie gefähr­lich das Gas wirk­lich ist, ahnen die Betei­ligten zu diesem Zeit­punkt noch nicht. Die Hand­lung des Films spielt sich haupt­säch­lich am fol­genden Tag in der Schule ab. Jene Schüler_innen, die mit dem Gas in direkten Kon­takt kamen, ver­wan­deln sich in mord­lus­tige Schatten ihrer selbst. Der Haus­meister, der die einst im Krieg überwundene Gefahr kennt, schließt die Infi­zierten ein, um sie zu iso­lieren. Immer mehr Men­schen werden von den Infi­zierten gebissen und die, die sich nicht gegen­seitig töten, will der Haus­meister umbringen. Es gibt kein Entkommen.

Sex sells

So weit klingt diese Hand­lung nicht unty­pisch für einen Hor­ror­film. Was den Film so beson­ders macht, ist sein unbe­zwing­li­cher Sinn für Humor. Einige Ele­mente des Genres werden so überzogen, dass man nicht anders kann, als darüber zu lachen – etwa über die extreme Sexua­li­sie­rung der Prot­ago­nis­tinnen. Sei es die viel zu kleine Regen­jacke, die die Haupt­figur ewig lange ver­sucht, an ihren Brüsten zu schließen, und die dann doch auf­platzt. Sei es das Mäd­chen, das um ihr Leben rennt und sich – kurz bevor sie von den blutrünstigen Zom­bies erwischt wird – noch über einen Tresen retten kann, wobei ihr die Zom­bies die Bluse vom Leib reißen, sodass sie in den wei­teren Szenen nur im BH zu sehen ist. Es ist so offen­sicht­lich zu viel, dass es unglaub­lich komisch wirkt.

Den­noch haben es die Filmemacher_innen nicht ver­säumt, Span­nung auf­zu­bauen und für Über­ra­schungen zu sorgen. Dies geschieht durch ori­gi­nelle Ideen wie die Ket­ten­säge, mit der sich die Mäd­chen ver­tei­digen. Der ein­zige Haken: Die Ket­ten­säge muss immer an Strom ange­schlossen sein. So zit­tern sich die Mäd­chen von Steck­dose zu Steck­dose und die Zuschauer_innen fie­bern mit. Dabei wirken die Schauspieler_innen überraschend authen­tisch, so zum Bei­spiel in den Kampf­szenen. Das liegt auch daran, dass der tra­shige Film mit kleinem Budget haupt­säch­lich unter Freund_innen und über meh­rere Jahre gedreht wurde.

Was würde Lenin sagen?

Klar, das Rad haben die Macher_innen dieses Films nicht neu erfunden, aber es ist ihnen doch gelungen, einen wit­zigen Film zu pro­du­zieren. Die Regie­ar­beit des skur­rilen Films teilten sich Rast­islav Blažek, Peter Čermák und Zuzana Pau­lini. Die krea­tive Dynamik, die durch die unty­pi­sche Kon­stel­la­tion der Dreh­buch­au­toren und der Mas­ken­bild­nerin ent­steht, ist spürbar. Schon alleine die Idee, einen Zom­bie­film, der seinen Ursprung ja eher im US-ame­ri­ka­ni­schen Film hat, mitten in der Hoch­phase des Sozia­lismus zu situ­ieren, ist ein­zig­artig. Der Geist des Sozia­lismus ist in einigen Details zu spüren, so zum Bei­spiel in der Innen­ein­rich­tung der Schule. Als Büsten und auf Pos­tern tau­chen immer wieder Helden und Ver­treter der kom­mu­nis­ti­schen Idee auf. In der Hand­lung werden auch ver­meint­lich his­to­ri­sche Bezüge her­ge­stellt: Das Gas, durch das die Schüler_innen infi­ziert werden, wurde 1968 beim sowje­ti­schen Ein­marsch in der Tsche­cho­slo­wakei als Waffe ein­ge­setzt, wie die Zuschauer_innen in einer Rückblende zu Beginn des Films erfahren. Nimmt man die Hand­lung etwas genauer unter die Lupe, so wird man auch einige inhalt­liche Unge­reimt­heiten finden. Diese ver­zeiht man dem Film wegen der guten Unter­hal­tung aber gerne. Socia­listický Zombie Mord ist ein Werk, das mit vielen Kli­schees des Genres spielt und diese gna­denlos überspitzt. Man merkt, dass die Dreh­ar­beiten min­des­tens genauso viel Spaß gemacht haben müssen wie das Anschauen des Films.

von Fran­ziska Korte

Blažek, Rast­islav; Čermák, Peter; Pau­lini, Zuzana: Socia­listický Zombi Mord (Socia­list Zombie Mas­sacre). Slo­wakei, 2014, 94 Min.

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