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Socialist Zombie Massacre

Posted on 3. April 2017 by novinki

Socialistický Zombi Mord (2014) war als Horrorfilm der einzige Vertreter seines Genres beim Filmfestival Cottbus 2016. Schon im Vorfeld wurde er als besonderer Genrefilm angepriesen. Die Neugierde war also groß. Wie der brechend volle Raum der Kammerbühne bewies, zog es viele Zuschauer_innen zu dem slowakischen low-budget Zombiefilm, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Sozialismus in Zeiten der Krise

socialisticky_zombie_mordEine chemische Substanz, die einst in der Kriegsführung eingesetzt wurde und lange unter Verschluss war, wird bei einer militärischen Übung in einer sozialistischen Schule verwendet. Wie gefährlich das Gas wirklich ist, ahnen die Beteiligten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Handlung des Films spielt sich hauptsächlich am folgenden Tag in der Schule ab. Jene Schüler_innen, die mit dem Gas in direkten Kontakt kamen, verwandeln sich in mordlustige Schatten ihrer selbst. Der Hausmeister, der die einst im Krieg überwundene Gefahr kennt, schließt die Infizierten ein, um sie zu isolieren. Immer mehr Menschen werden von den Infizierten gebissen und die, die sich nicht gegenseitig töten, will der Hausmeister umbringen. Es gibt kein Entkommen.

Sex sells

So weit klingt diese Handlung nicht untypisch für einen Horrorfilm. Was den Film so besonders macht, ist sein unbezwinglicher Sinn für Humor. Einige Elemente des Genres werden so überzogen, dass man nicht anders kann, als darüber zu lachen – etwa über die extreme Sexualisierung der Protagonistinnen. Sei es die viel zu kleine Regenjacke, die die Hauptfigur ewig lange versucht, an ihren Brüsten zu schließen, und die dann doch aufplatzt. Sei es das Mädchen, das um ihr Leben rennt und sich – kurz bevor sie von den blutrünstigen Zombies erwischt wird – noch über einen Tresen retten kann, wobei ihr die Zombies die Bluse vom Leib reißen, sodass sie in den weiteren Szenen nur im BH zu sehen ist. Es ist so offensichtlich zu viel, dass es unglaublich komisch wirkt.

Dennoch haben es die Filmemacher_innen nicht versäumt, Spannung aufzubauen und für Überraschungen zu sorgen. Dies geschieht durch originelle Ideen wie die Kettensäge, mit der sich die Mädchen verteidigen. Der einzige Haken: Die Kettensäge muss immer an Strom angeschlossen sein. So zittern sich die Mädchen von Steckdose zu Steckdose und die Zuschauer_innen fiebern mit. Dabei wirken die Schauspieler_innen überraschend authentisch, so zum Beispiel in den Kampfszenen. Das liegt auch daran, dass der trashige Film mit kleinem Budget hauptsächlich unter Freund_innen und über mehrere Jahre gedreht wurde.

Was würde Lenin sagen?

Klar, das Rad haben die Macher_innen dieses Films nicht neu erfunden, aber es ist ihnen doch gelungen, einen witzigen Film zu produzieren. Die Regiearbeit des skurrilen Films teilten sich Rastislav Blažek, Peter Čermák und Zuzana Paulini. Die kreative Dynamik, die durch die untypische Konstellation der Drehbuchautoren und der Maskenbildnerin entsteht, ist spürbar. Schon alleine die Idee, einen Zombiefilm, der seinen Ursprung ja eher im US-amerikanischen Film hat, mitten in der Hochphase des Sozialismus zu situieren, ist einzigartig. Der Geist des Sozialismus ist in einigen Details zu spüren, so zum Beispiel in der Inneneinrichtung der Schule. Als Büsten und auf Postern tauchen immer wieder Helden und Vertreter der kommunistischen Idee auf. In der Handlung werden auch vermeintlich historische Bezüge hergestellt: Das Gas, durch das die Schüler_innen infiziert werden, wurde 1968 beim sowjetischen Einmarsch in der Tschechoslowakei als Waffe eingesetzt, wie die Zuschauer_innen in einer Rückblende zu Beginn des Films erfahren. Nimmt man die Handlung etwas genauer unter die Lupe, so wird man auch einige inhaltliche Ungereimtheiten finden. Diese verzeiht man dem Film wegen der guten Unterhaltung aber gerne. Socialistický Zombie Mord ist ein Werk, das mit vielen Klischees des Genres spielt und diese gnadenlos überspitzt. Man merkt, dass die Dreharbeiten mindestens genauso viel Spaß gemacht haben müssen wie das Anschauen des Films.

von Franziska Korte

Blažek, Rastislav; Čermák, Peter; Paulini, Zuzana: Socialistický Zombi Mord (Socialist Zombie Massacre). Slowakei, 2014, 94 Min.

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Socialist Zombie Massacre – novinki
Redak­tion „novinki“

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Socia­list Zombie Massacre

Socia­listický Zombi Mord (2014) war als Hor­ror­film der ein­zige Ver­treter seines Genres beim Film­fes­tival Cottbus 2016. Schon im Vor­feld wurde er als beson­derer Gen­re­film ange­priesen. Die Neu­gierde war also groß. Wie der bre­chend volle Raum der Kammerbühne bewies, zog es viele Zuschauer_innen zu dem slo­wa­ki­schen low-budget Zom­bie­film, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Sozia­lismus in Zeiten der Krise

socialisticky_zombie_mordEine che­mi­sche Sub­stanz, die einst in der Kriegsführung ein­ge­setzt wurde und lange unter Ver­schluss war, wird bei einer mili­tä­ri­schen Übung in einer sozia­lis­ti­schen Schule ver­wendet. Wie gefähr­lich das Gas wirk­lich ist, ahnen die Betei­ligten zu diesem Zeit­punkt noch nicht. Die Hand­lung des Films spielt sich haupt­säch­lich am fol­genden Tag in der Schule ab. Jene Schüler_innen, die mit dem Gas in direkten Kon­takt kamen, ver­wan­deln sich in mord­lus­tige Schatten ihrer selbst. Der Haus­meister, der die einst im Krieg überwundene Gefahr kennt, schließt die Infi­zierten ein, um sie zu iso­lieren. Immer mehr Men­schen werden von den Infi­zierten gebissen und die, die sich nicht gegen­seitig töten, will der Haus­meister umbringen. Es gibt kein Entkommen.

Sex sells

So weit klingt diese Hand­lung nicht unty­pisch für einen Hor­ror­film. Was den Film so beson­ders macht, ist sein unbe­zwing­li­cher Sinn für Humor. Einige Ele­mente des Genres werden so überzogen, dass man nicht anders kann, als darüber zu lachen – etwa über die extreme Sexua­li­sie­rung der Prot­ago­nis­tinnen. Sei es die viel zu kleine Regen­jacke, die die Haupt­figur ewig lange ver­sucht, an ihren Brüsten zu schließen, und die dann doch auf­platzt. Sei es das Mäd­chen, das um ihr Leben rennt und sich – kurz bevor sie von den blutrünstigen Zom­bies erwischt wird – noch über einen Tresen retten kann, wobei ihr die Zom­bies die Bluse vom Leib reißen, sodass sie in den wei­teren Szenen nur im BH zu sehen ist. Es ist so offen­sicht­lich zu viel, dass es unglaub­lich komisch wirkt.

Den­noch haben es die Filmemacher_innen nicht ver­säumt, Span­nung auf­zu­bauen und für Über­ra­schungen zu sorgen. Dies geschieht durch ori­gi­nelle Ideen wie die Ket­ten­säge, mit der sich die Mäd­chen ver­tei­digen. Der ein­zige Haken: Die Ket­ten­säge muss immer an Strom ange­schlossen sein. So zit­tern sich die Mäd­chen von Steck­dose zu Steck­dose und die Zuschauer_innen fie­bern mit. Dabei wirken die Schauspieler_innen überraschend authen­tisch, so zum Bei­spiel in den Kampf­szenen. Das liegt auch daran, dass der tra­shige Film mit kleinem Budget haupt­säch­lich unter Freund_innen und über meh­rere Jahre gedreht wurde.

Was würde Lenin sagen?

Klar, das Rad haben die Macher_innen dieses Films nicht neu erfunden, aber es ist ihnen doch gelungen, einen wit­zigen Film zu pro­du­zieren. Die Regie­ar­beit des skur­rilen Films teilten sich Rast­islav Blažek, Peter Čermák und Zuzana Pau­lini. Die krea­tive Dynamik, die durch die unty­pi­sche Kon­stel­la­tion der Dreh­buch­au­toren und der Mas­ken­bild­nerin ent­steht, ist spürbar. Schon alleine die Idee, einen Zom­bie­film, der seinen Ursprung ja eher im US-ame­ri­ka­ni­schen Film hat, mitten in der Hoch­phase des Sozia­lismus zu situ­ieren, ist ein­zig­artig. Der Geist des Sozia­lismus ist in einigen Details zu spüren, so zum Bei­spiel in der Innen­ein­rich­tung der Schule. Als Büsten und auf Pos­tern tau­chen immer wieder Helden und Ver­treter der kom­mu­nis­ti­schen Idee auf. In der Hand­lung werden auch ver­meint­lich his­to­ri­sche Bezüge her­ge­stellt: Das Gas, durch das die Schüler_innen infi­ziert werden, wurde 1968 beim sowje­ti­schen Ein­marsch in der Tsche­cho­slo­wakei als Waffe ein­ge­setzt, wie die Zuschauer_innen in einer Rückblende zu Beginn des Films erfahren. Nimmt man die Hand­lung etwas genauer unter die Lupe, so wird man auch einige inhalt­liche Unge­reimt­heiten finden. Diese ver­zeiht man dem Film wegen der guten Unter­hal­tung aber gerne. Socia­listický Zombie Mord ist ein Werk, das mit vielen Kli­schees des Genres spielt und diese gna­denlos überspitzt. Man merkt, dass die Dreh­ar­beiten min­des­tens genauso viel Spaß gemacht haben müssen wie das Anschauen des Films.

von Fran­ziska Korte

Blažek, Rast­islav; Čermák, Peter; Pau­lini, Zuzana: Socia­listický Zombi Mord (Socia­list Zombie Mas­sacre). Slo­wakei, 2014, 94 Min.

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