Bittersüßes – über Leben und Tod

Was ist so komisch an einer sterbenden Mutter, einem kranken Vater und deren Töchtern, die sich dauernd streiten? Wer sich unter Kinga Dębskas Tragikomödie Moje córki krowy (Meine doofen Töchter, 2015) ein düsteres Familiendrama vorstellt, wird positiv überrascht sein.
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Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Marta (Agata Kulesza) und Kasia (Gabriela Muskała), die nicht unterschiedlicher sein könnten: Die ältere Marta, eine berühmte Fernsehserienschauspielerin, ist geschieden und alleinerziehende Mutter. Die jüngere Kasia ist Lehrerin mit pubertierendem Sohn und arbeitslosem Mann. Die erste ist abgehärtet und selbstständig. Die zweite braucht mehr Unterstützung und ist stärker auf andere Personen angewiesen. Marta wirkt cooler und distanzierter, Kasia wiederum kümmert sich mehr um alle und alles.

Die Intensität ihrer Beziehung reicht von Hass über Rivalität und Überlegenheit bis hin zu Solidarität, gegenseitiger Hilfe und Fürsorge, die sie mit kleinen Gesten ausdrücken. Die Schwestern streiten im Auto über Männer. Dann essen sie zu Mittag in familiärer Atmosphäre, um sich zum Schluss gegenseitig vorzuwerfen, die jeweils andere sei alkoholabhängig. Beide versuchen, den Vater unter Kontrolle zu bringen, der sogar noch im Krankenhaus nach Wodka sucht.

Mein Gott, was raucht ihr denn?!“

Eine Szene im Krankenhaus: Der Vater geht die Treppe hinunter auf dem Weg zum Krankenbett seiner Frau. Plötzlich stürzt er, bleibt bewusstlos liegen. Die ältere Tochter Marta schreit nach einem Arzt. Diagnose: Krebs! Eine andere Szene im Familiengarten: Der kranke Vater mit einer Bandage um den Kopf und die ältere Tochter sitzen nachts auf der Bank. Beide kichern und lachen. Sie teilen sich einen Joint. Die jüngere Tochter Kasia fragt entsetzt, was die beiden da rauchen. Als Antwort kommt nur ein Lachen. Die Darstellung des Umgangs mit Krankheit und Tod wirkt durch Ironie und Sarkasmus teilweise skurril. Die Unaufdringlichkeit und der Humor der Erzählweise lassen kein Mitleid zu. Bei allem Befremden über manche Reaktionen der Figuren kann man aber mit ihnen mitfühlen.

Man muss sich auf jede Sekunde des Lebens freuen“

Eine Stärke des Films liegt in seiner Realitätsnähe. Man sieht hier kein süßliches Bild einer immer glücklichen Idealfamilie. Sie kann ebenso zu einer Quelle des Leidens, der Konflikte und der Rivalität werden. Die SchauspielerInnen spielen ihre Rollen mit einer Leichtigkeit, die die ZuschauerInnen in ihren Bann zieht. Der Film überzeugt zugleich durch sein gutes Drehbuch – mit einer schwierigen Geschichte, die mit Frische und Humor erzählt wird. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Meine doofen Töchter einen Publikums-, Journalisten- sowie Kinonetzwerkpreis und zahlreiche weitere Nominierungen auf dem Festival der Polnischen Spielfilme 2015 in Gdynia erhielt.

von Olga Pokrzywniak

Dębska, Kinga: Moje córki krowy (Meine doofen Töchter). Polen, 2015, 88 Min.

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