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Killerkommando im Rollstuhl

Posted on 3. April 2017 by novinki

Querschnittsgelähmt? Egal! In Kills On Wheels sitzt der Auftragskiller im Rollstuhl. Der Film des ungarischen Regisseurs Attila Till ist kurios, spannend und lustig zugleich – und kommt zum Glück ohne Mitleid aus.
Tiszta_szivvel
Damit hätte die Verbrecherbande nicht gerechnet: Der Mafiaboss schickt den Rollstuhlfahrer Rupaszov (Szabolcs Thuróczy), um eine Botschaft zu überbringen. Vier Gangster gegen einen Rollstuhlfahrer. Da ist klar, wer stärker ist – könnte man zumindest meinen. Um seine Überlegenheit zu demonstrieren, rammt einer der Gangster Rupaszov ein Messer in den Oberschenkel. Doch Rupaszov schaut nur gelangweilt auf sein Bein. Er ist schließlich von der Hüfte abwärts gelähmt und spürt nichts. Die Szene endet damit, dass Rupaszov alle vier erschießt. Job erledigt für den Auftragskiller, der dann die Knarre in seinen Schoß legt und davonrollt.

Das ist die kuriose Geschichte des Films Kills On Wheels: Rupaszov, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist und deshalb nicht mehr als Feuerwehrmann arbeiten kann, wird Auftragskiller und arbeitet für den Mafiaboss Radoš. Als die Aufgaben kniffliger werden, bekommt er Hilfe von Zolika (Zoltán Fenyvesi) und Barba (Adám Fekete). Die beiden gehandicapten jungen Männer sind Zimmergenossen in einer Pflegeeinrichtung und wollen nicht im Heim dahinvegetieren. Zolika braucht außerdem Geld für eine Operation, will aber nicht den von seiner Mutter getrennten Vater danach fragen. Rupaszov ist der Gangster, der die beiden ins Verbrechen zieht: gerade frisch aus dem Knast. Dort wird er zu Beginn des Films gezeigt, wie er im Rollstuhl Klimmzüge macht. Direkt nach seiner Entlassung ist er schon in Mafiakreisen unterwegs.

Harmlose Rollstuhlfahrer?

Doch der Rollstuhl macht Rupaszov zu einem sympathischen Gangster. Durch die Behinderung ist er nämlich nicht hilflos, wie man vorurteilsbelastet vielleicht meinen könnte. Er weiß die Behinderung sogar einzusetzen. So begeht Rupaszov mit der Hilfe von Zolika und Barba einen Auftragsmord am helllichten Tag. Denn wer würde schon die harmlosen Rollstuhlfahrer verdächtigen, die einfach nur Tauben gefüttert haben?

Als Zuschauer traut man sich gar nicht, wegen der Behinderungen Mitleid mit den Hauptfiguren zu haben. Und das ist auch gut so. Denn trotz allem, was sie durchmachen müssen, sind es starke Persönlichkeiten, die nicht aufgeben. Rupaszov hat seinen Lebenswillen nicht verloren und glaubt daran, dass er eines Tages wieder gehen kann. Mit diesem Enthusiasmus steckt er Zolika und Barba an. Er ist eben ein Killer mit Herz. Passenderweise heißt der Film im ungarischen Original „Von ganzem Herzen“ (Tiszta szívvel).

Helden wie im echten Leben

Die Kamera nimmt gerne humorvoll die Perspektive der Rollstuhlfahrer ein. So schaut der Zuschauer den gegenüberstehenden Verbrechern nicht zuerst ins Gesicht, sondern in den Schritt, denn das ist schließlich Rupaszovs Augenhöhe, wenn er im Rollstuhl sitzt.

Kills On Wheels ist manchmal gewaltgeladen, überzeugt aber an anderen Stellen durch schwarzen Humor: eine Mischung aus Coming-of-Age-, Actionfilm und Komödie. Gelungen sind auch die Comic-Elemente, die immer wieder auftauchen. Denn Zolika und Barba zeichnen in der Pflegeeinrichtung an einem gemeinsamen Comic. Dass die beiden Schauspieler Zoltán Fenyvesi und Adám Fekete auch im echten Leben körperlich behindert sind, macht die Figuren im Film umso authentischer.

Attila Tills Kills On Wheels hat zuletzt beim Filmfestival in Cottbus den Preis der Ökumenischen Jury bekommen. Es ist nur verständlich, dass der kurios-witzige Actionfilm für Ungarn ins Rennen um den Auslands-Oscar geht.

von Janina Semenova

Till, Attila: Tiszta szívvel (Kills On Wheels). Ungarn, 2016, 105 Min.

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Killerkommando im Rollstuhl – novinki
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Kil­ler­kom­mando im Rollstuhl

Quer­schnitts­ge­lähmt? Egal! In Kills On Wheels sitzt der Auf­trags­killer im Roll­stuhl. Der Film des unga­ri­schen Regis­seurs Attila Till ist kurios, span­nend und lustig zugleich – und kommt zum Glück ohne Mit­leid aus.
Tiszta_szivvel
Damit hätte die Ver­bre­cher­bande nicht gerechnet: Der Mafia­boss schickt den Roll­stuhl­fahrer Rupaszov (Szabolcs Thuróczy), um eine Bot­schaft zu über­bringen. Vier Gangster gegen einen Roll­stuhl­fahrer. Da ist klar, wer stärker ist – könnte man zumin­dest meinen. Um seine Über­le­gen­heit zu demons­trieren, rammt einer der Gangster Rupaszov ein Messer in den Ober­schenkel. Doch Rupaszov schaut nur gelang­weilt auf sein Bein. Er ist schließ­lich von der Hüfte abwärts gelähmt und spürt nichts. Die Szene endet damit, dass Rupaszov alle vier erschießt. Job erle­digt für den Auf­trags­killer, der dann die Knarre in seinen Schoß legt und davonrollt.

Das ist die kuriose Geschichte des Films Kills On Wheels: Rupaszov, der nach einem Unfall quer­schnitts­ge­lähmt ist und des­halb nicht mehr als Feu­er­wehr­mann arbeiten kann, wird Auf­trags­killer und arbeitet für den Mafia­boss Radoš. Als die Auf­gaben kniff­liger werden, bekommt er Hilfe von Zolika (Zoltán Feny­vesi) und Barba (Adám Fekete). Die beiden gehan­di­capten jungen Männer sind Zim­mer­ge­nossen in einer Pfle­ge­ein­rich­tung und wollen nicht im Heim dahin­ve­ge­tieren. Zolika braucht außerdem Geld für eine Ope­ra­tion, will aber nicht den von seiner Mutter getrennten Vater danach fragen. Rupaszov ist der Gangster, der die beiden ins Ver­bre­chen zieht: gerade frisch aus dem Knast. Dort wird er zu Beginn des Films gezeigt, wie er im Roll­stuhl Klimm­züge macht. Direkt nach seiner Ent­las­sung ist er schon in Mafia­kreisen unterwegs.

Harm­lose Rollstuhlfahrer?

Doch der Roll­stuhl macht Rupaszov zu einem sym­pa­thi­schen Gangster. Durch die Behin­de­rung ist er näm­lich nicht hilflos, wie man vor­ur­teils­be­lastet viel­leicht meinen könnte. Er weiß die Behin­de­rung sogar ein­zu­setzen. So begeht Rupaszov mit der Hilfe von Zolika und Barba einen Auf­trags­mord am hell­lichten Tag. Denn wer würde schon die harm­losen Roll­stuhl­fahrer ver­däch­tigen, die ein­fach nur Tauben gefüt­tert haben?

Als Zuschauer traut man sich gar nicht, wegen der Behin­de­rungen Mit­leid mit den Haupt­fi­guren zu haben. Und das ist auch gut so. Denn trotz allem, was sie durch­ma­chen müssen, sind es starke Per­sön­lich­keiten, die nicht auf­geben. Rupaszov hat seinen Lebens­willen nicht ver­loren und glaubt daran, dass er eines Tages wieder gehen kann. Mit diesem Enthu­si­asmus steckt er Zolika und Barba an. Er ist eben ein Killer mit Herz. Pas­sen­der­weise heißt der Film im unga­ri­schen Ori­ginal „Von ganzem Herzen“ (Tiszta szívvel).

Helden wie im echten Leben

Die Kamera nimmt gerne humor­voll die Per­spek­tive der Roll­stuhl­fahrer ein. So schaut der Zuschauer den gegen­über­ste­henden Ver­bre­chern nicht zuerst ins Gesicht, son­dern in den Schritt, denn das ist schließ­lich Rupas­zovs Augen­höhe, wenn er im Roll­stuhl sitzt.

Kills On Wheels ist manchmal gewalt­ge­laden, über­zeugt aber an anderen Stellen durch schwarzen Humor: eine Mischung aus Coming-of-Age‑, Action­film und Komödie. Gelungen sind auch die Comic-Ele­mente, die immer wieder auf­tau­chen. Denn Zolika und Barba zeichnen in der Pfle­ge­ein­rich­tung an einem gemein­samen Comic. Dass die beiden Schau­spieler Zoltán Feny­vesi und Adám Fekete auch im echten Leben kör­per­lich behin­dert sind, macht die Figuren im Film umso authentischer.

Attila Tills Kills On Wheels hat zuletzt beim Film­fes­tival in Cottbus den Preis der Öku­me­ni­schen Jury bekommen. Es ist nur ver­ständ­lich, dass der kurios-wit­zige Action­film für Ungarn ins Rennen um den Aus­lands-Oscar geht.

von Janina Semenova

Till, Attila: Tiszta szívvel (Kills On Wheels). Ungarn, 2016, 105 Min.

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