Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

„Pharaonennachtschwalbe, Schmarotzerraubmöwe, Orangenbandschnäppertyrann, Veilchenkopfelfe“ − so melodisch, kunstvoll und prächtig die Namen, so schlicht die Vögel, die sich dahinter verbergen. Offenbar vom Reiz solch kurioser Vogelnamen inspiriert, erzählt Marjana Gaponenko die eigentlich unspektakuläre Geschichte vom letzten Aufbruch im Leben des 96-jährigen ukrainischen Ornithologen und Eigenbrötlers Luka Lewadski in einer raffinierten Sprache, die begeistert, amüsiert und dem Helden auf seiner letzten Reise ein treuer Gefährte ist.

Kiev, 70er Jahre. Ruinen, Abrissbagger und eine Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung. Während ihre Heimatstadt im sowjetischen Stil neu erbaut wird, erlebt Julia ihren ersten Wodkarausch, unterhält sich nachts im Bett mit den Führern des Weltproletariats und verheiratet ihre Klassenkameradin in einer geheimen Geisterbeschwörung mit einem verstorbenen französischen Schauspieler.

Dass ein literarisches Werk Hass, Verachtung und Gewaltandrohung hervorrufen und einen anerkannten Autor zum ‚Volksverräter’ stempeln kann, hat der aserbaidschanische Schriftsteller, Dichter und Übersetzer, Akram Ajlisli, nach der Veröffentlichung seines Romans "Kamennye sny" (dt: Steinerne Träume) am eigenen Leib erlebt. Welches Tabuthema verbirgt sich hinter diesem unscheinbaren Titel?

Das Fleisch der Literatur sind die Worte. Jedes Buch besteht zunächst in einer Ansammlung von schönen, besonderen oder auf besondere Weise angeordneten Wörtern. Bei Olga Martynova finden wir zum Beispiel: "Pappelwolle", "Einfallsarmut", "Isabellafarbe". Es sind lyrische Worte, die selbst schon aus Metaphern gebaut sind. Martynovas Vorliebe für solche Worte entspricht dem Eindruck, dass ihre Prosa unerschrocken an die Präzisionskraft von Metaphern glaubt.