Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Durch die russische Literatur fegen immer wieder Schneestürme, die Protagonisten und Buchstaben durcheinanderwirbeln. Vladimir Sorokin lässt in seinem 2010 erschienenen "Metel‘" dieses Natur- und Literaturphänomen wieder aufleben und dichtet es unverhohlen fantastisch um. Novinki hat mit Sorokin ein Gespräch über Schnee, Schneestürme und Schneesturmtexte geführt, zu dem Sylvia Sasse eine Einleitung verfasst hat.

Russland ist ohne Schnee und Schneestürme undenkbar: der lange Winter, riesige weisse Flächen, Schneestürme und viele verschiedene Schneesturmwörter: метель, буран, вьюга, пурга, снежная буря unterscheiden die Stärke des Sturmes und die Richtungen der Verwirbelung. Die russische Literatur hat den Schnee und den Schneesturm nicht nur beschrieben, sondern ganze Schneesturmnarrative und -metaphoriken entwickelt, die sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert haben. In der russischen Romantik, bei Petr Vjazemskij und Aleksandr

Elena Gorokhova, die mit dem autobiografischen Roman "Goodbye Leningrad" ("A Mountain of Crumbs") ihr Debüt vorgelegt hat, begriff schon als Kind, was die sowjetische Gesellschaft zusammenhält: Im Gleichschritt mit dem Kollektiv gehen, um keinen Preis ausscheren. Doch mindestens genauso entscheidend, wenn nicht gar noch entscheidender war ein anderes Element: die Kunst des Lügens.