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Aus dem Traum in die Welt

Posted on 20. November 2020 by Jakob Wunderwald
Im Zuge der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus kündigte das gesamte Ensemble des Minsker Janka-Kupala-Nationaltheaters. Eine Neuinszenierung von Janka Kupalas Tutejšyja schien verloren. Nun hatte sie doch noch Premiere – auf YouTube.

Neuinszenierung von Janka Kupalas Tutejšyja

Im Zuge der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus kündigte das gesamte Ensemble des Minsker Janka-Kupala-Nationaltheaters. Eine Neuinszenierung von Janka Kupalas Tutejšyja schien verloren. Nun hatte sie doch noch Premiere – auf YouTube.

 

Eine katholische Kirche zur Linken, eine orthodoxe zur Rechten, dazwischen ein dritter, unentschlossener Bau. Zwei schwarze Engel treten hervor und entrollen eine rote Stoffbahn, einen Fluss aus Blut. Sie treten zurück, zwei weiße Engel nehmen ihren Platz ein. Zu beiden Seiten des Blutflusses entfalten sie je eine weitere, weiße Stoffbahn, treten zur Seite, heben die Hände – die drei Bahnen werden mechanisch nach oben gezogen, und aus dem Blutfluss wird die gehisste Flagge des unabhängigen Belarus, der Be-Tsche-Be, weiß-rot-weiß.

 

Mit diesem Bild schloss die Premierenaufführung von Janka Kupalas Tutejšyja am nach dem Autor des Stückes benannten Nationaltheater in Minsk 1990, und mit ihm schließt auch die Neuinszenierung des Stückes durch das ehemalige Ensemble ebendieses Theaters. Die Rückkehr des Stückes nach Minsk 1990, nachdem es fast 65 Jahre von den Hauptstadtbühnen verbannt gewesen war, gilt als ebenso skandalös wie sensationell, proklamierte sie doch noch unter der Sowjetmacht die Idee eines unabhängigen Nationalstaats Belarus. Die Inszenierung lief mit Unterbrechungen bis 2010 auf der Bühne des Kupalaŭski; diesen Herbst, im September 2020, hätte nach 30 Jahren eine vielerwartete Neuinszenierung unter der Regie von Mikalaj Pinigin – der auch 1990 schon Regie geführt hatte – auf die Bühne kommen sollen. Doch dann kam der Sommer der Proteste nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen vom 9. August, die Unterstützung der Proteste durch die Mitglieder des Nationaltheaters, die Entlassung des Intendanten Pavel Latuška und seine erzwungene Flucht ins Ausland und schließlich die Kündigung eines Großteils der Kupalcy aus Solidarität mit ihrem Intendanten. Im hundertsten Jahr seines Bestehens hörte das wichtigste belarussische Theater praktisch auf zu existieren und die Premiere der Neuinszenierung von Tutejšyja erschien zumindest fraglich.

 

Janka Kupalas Tutejšyja – zu Deutsch am ehesten Die Hiesigen – ist in vielerlei Hinsicht ein quintessenzielles Belarus-Drama. In ihm fand die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aktive belarussische Nationalbewegung ihren klarsten künstlerisch-kritischen Ausdruck. Die Spannung zwischen zwei konträren, aber gleichermaßen scheiternden Protagonisten bestimmt die Handlung: Der kleine Beamte Mikita Znosak, der sich in den Bürgerkriegsjahren 1918 bis 1920 jeder neuen Macht, die Minsk einnimmt – den Polen, den Deutschen, den Weißen, den Roten – als deren treuster Untertan andient, steht den romantisch-naiven Überzeugungen des Lehrers Janka Zdol’nik gegenüber, der zwar von seiner belarussischen Identität überzeugt ist, aber bei deren Realisierung immer an den Fremdmächten scheitert. Das 1926 uraufgeführte und wenig später verbotene Stück positioniert Belarus als einen Raum zwischen Mächten im Osten (Russland) und Westen (Polen und Deutschland), an die es zwar nie vollends assimilierbar ist, denen es aber immer unterworfen bleibt. Das Schicksal Janka Kupalas spiegelt das Problem: Nachdem er nur durch einen öffentlichen Selbstmordversuch 1930 der stalinistischen Repressionsmaschine entkommen war, verbrachte er die Zeit bis zu seinem Tode 1942 mit dem Schreiben von Lobpreisungen auf den stalinistischen Sowjetstaat. Der einstmals große Dichter verschwand hinter einer Maske, die der Schriftsteller Alhierd Bacharevič später „Kajan Lupaka“ taufte. Kupala, der Dichter, der nicht (mehr) ist, wurde zum Nationaldichter einer Nation, die es nicht gibt. Und nun schließlich eine Neuinszenierung des Stücks über die Nation, die doch Premiere feiern durfte - an einem Theater, das nicht mehr existiert.

 

Die Kupalaŭcy, das Ensemble des Kupala-Theaters, waren nach ihrer Kündigung nicht untätig geblieben – während sich die Proteste fortsetzten, wurde weiter geprobt, um die Aufführung, die auf Plakatwänden im Zentrum von Minsk noch immer angekündigt wurde, doch noch zu realisieren. Die Premiere sollte am 12. Oktober auf YouTube stattfinden, ein für eine Theateraufführung ungesehener Hype ging ihr voraus. Wie würde das Stück die Vorgänge der letzten Wochen reflektieren?

 

Regisseur Pinigin rollt Kupalas Stoff mithilfe eines zentralen – und sehr zurückhaltenden – inszenatorischen Kniffs neu auf. Auf Basis ebendieses Stoffes wird auf der Bühne ein Film gedreht, immer wieder unterbricht ein „Regisseur“ die Vorgänge. An entscheidenden Stellen wird dadurch Minsk als historischer Raum in das Bühnengeschehen eingeführt – wenn im Stück selbst Straßen und Plätze des Minsk der frühen Zwanziger angesprochen werden, werden Bilder des historischen, im zweiten Weltkrieg zerstörten Minsk eingespielt, dazu spätere Umbenennungen der Orte angeführt. Ein historisches Kontinuum entsteht.

 

Außerhalb der kleinen Unterbrechungen ist der Umgang mit dem zugrunde liegenden Textmaterial sehr respektvoll – „akademisch“ sozusagen, entsprechend dem institutionellen Selbstverständnis des Theaters. Der tragikomische Charakter der Figuren wird betont, jedoch nicht karikaturistisch überzeichnet. Ein komisches Element bilden schon bei Kupala zwei in jedem der vier Akte auftauchende Forscher, ein „westlicher“, polnischsprachiger, und ein „östlicher“, russischsprachiger, die den unapologetischen Belarussen Janka begutachten sollen und dabei in exakt gleichem Wortlaut in den jeweiligen Sprachen zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen, mit dem sie ihn der jeweils eigenen Nation einverleiben wollen: der eine erkennt in ihm klar einen Russen, der andere einen Polen. Die Wissenschaft dient dem Imperium, der Beschaute (selbst ein Lehrer, ein Akademiker) hat in ihr keine eigene Sprache.

 

In Pinigins Inszenierung von 1990 wurden die beiden imperialen Wissenschaftler zu Priestern, der eine katholisch, der andere orthodox, womit auf das zwischen den Fremdmächten zerriebene multikonfessionelle Belarus der Vergangenheit angespielt und gleichzeitig die religiöse Trennlinie aufgezeigt wird, die sich quer durch Belarus in den nächsten Jahren unter dem Schutt des Realsozialismus herausschälen sollte. In der Neuinszenierung holt Pinigin nun die mediale Situation während der Proteste auf die Bühne. Die beiden sind vom Ausland dirigierte Korrespondenten. In der Genealogie der Inszenierungen reihen sich hier also neben Wissenschaft und Kirche die Medien als das in der heutigen Situation wirkmächtigste Herrschaftsinstrument ein.

 

Zum Schluss werden, anders als bei Kupala, alle von den Roten erschossen. Um dennoch Kupala das letzte Wort zu geben, darf der Lehrer Janka noch dem Publikum die Zeilen von Kupalas Gedicht „O tak – ja praletar“ von 1924 entgegenschleudern, in denen der Proletarier, der Sklave von gestern, berichtet, wie er sich heute die ganze Welt unterworfen hat, nur eines nicht überwinden kann: seine nächtlichen Träume von Belarus. Dann der Schnitt zur Aufführung von 1990. Und dann, bevor der „Vorhang fällt“, haken sich die Mitglieder des Ensembles unter, es entsteht eine jener Menschenketten, wie man sie aus den ersten Tagen des Protests kennt. Darauf will das Stück hinaus: aus der positiven Negativbestimmung, dem Traum von einst, soll in der Aktion, in der Menschenkette, ein echtes Positives werden. Die Geschichte soll erlöst werden – darauf hofft dieser Theaterabend. Und wohl auch die 100.000 Menschen, die allein innerhalb der ersten 24 Stunden die Aufzeichnung angesehen haben, und die fast 200.000, die inzwischen noch dazugekommen sind.

 

Weiterführende Links

Neuinszenierung Tutejšyja: https://youtu.be/V6WXIOOyEw4

Inszenierung der Tutejšyja von 1990: https://youtu.be/c45LMs-l-m0

Aus dem Traum in die Welt – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Aus dem Traum in die Welt

Neu­in­sze­nie­rung von Janka Kupalas Tute­jšyja

Im Zuge der Pro­teste nach den Prä­si­dent­schafts­wahlen in Belarus kün­digte das gesamte Ensemble des Minsker Janka-Kupala-Natio­nal­thea­ters. Eine Neu­in­sze­nie­rung von Janka Kupalas Tute­jšyja schien ver­loren. Nun hatte sie doch noch Pre­miere – auf YouTube.

 

Eine katho­li­sche Kirche zur Linken, eine ortho­doxe zur Rechten, dazwi­schen ein dritter, unent­schlos­sener Bau. Zwei schwarze Engel treten hervor und ent­rollen eine rote Stoff­bahn, einen Fluss aus Blut. Sie treten zurück, zwei weiße Engel nehmen ihren Platz ein. Zu beiden Seiten des Blut­flusses ent­falten sie je eine wei­tere, weiße Stoff­bahn, treten zur Seite, heben die Hände – die drei Bahnen werden mecha­nisch nach oben gezogen, und aus dem Blut­fluss wird die gehisste Flagge des unab­hän­gigen Belarus, der Be-Tsche-Be, weiß-rot-weiß.

 

Mit diesem Bild schloss die Pre­mie­ren­auf­füh­rung von Janka Kupalas Tute­jšyja am nach dem Autor des Stü­ckes benannten Natio­nal­theater in Minsk 1990, und mit ihm schließt auch die Neu­in­sze­nie­rung des Stü­ckes durch das ehe­ma­lige Ensemble eben­dieses Thea­ters. Die Rück­kehr des Stü­ckes nach Minsk 1990, nachdem es fast 65 Jahre von den Haupt­stadt­bühnen ver­bannt gewesen war, gilt als ebenso skan­dalös wie sen­sa­tio­nell, pro­kla­mierte sie doch noch unter der Sowjet­macht die Idee eines unab­hän­gigen Natio­nal­staats Belarus. Die Insze­nie­rung lief mit Unter­bre­chungen bis 2010 auf der Bühne des Kupa­laŭski; diesen Herbst, im Sep­tember 2020, hätte nach 30 Jahren eine vie­ler­war­tete Neu­in­sze­nie­rung unter der Regie von Mikalaj Pinigin – der auch 1990 schon Regie geführt hatte – auf die Bühne kommen sollen. Doch dann kam der Sommer der Pro­teste nach den gefälschten Prä­si­dent­schafts­wahlen vom 9. August, die Unter­stüt­zung der Pro­teste durch die Mit­glieder des Natio­nal­thea­ters, die Ent­las­sung des Inten­danten Pavel Latuška und seine erzwun­gene Flucht ins Aus­land und schließ­lich die Kün­di­gung eines Groß­teils der Kupalcy aus Soli­da­rität mit ihrem Inten­danten. Im hun­dertsten Jahr seines Bestehens hörte das wich­tigste bela­rus­si­sche Theater prak­tisch auf zu exis­tieren und die Pre­miere der Neu­in­sze­nie­rung von Tute­jšyja erschien zumin­dest fraglich.

 

Janka Kupalas Tute­jšyja – zu Deutsch am ehesten Die Hie­sigen – ist in vie­lerlei Hin­sicht ein quint­essen­zi­elles Belarus-Drama. In ihm fand die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts aktive bela­rus­si­sche Natio­nal­be­we­gung ihren klarsten künst­le­risch-kri­ti­schen Aus­druck. Die Span­nung zwi­schen zwei kon­trären, aber glei­cher­maßen schei­ternden Prot­ago­nisten bestimmt die Hand­lung: Der kleine Beamte Mikita Znosak, der sich in den Bür­ger­kriegs­jahren 1918 bis 1920 jeder neuen Macht, die Minsk ein­nimmt – den Polen, den Deut­schen, den Weißen, den Roten – als deren treuster Untertan andient, steht den roman­tisch-naiven Über­zeu­gungen des Leh­rers Janka Zdol’nik gegen­über, der zwar von seiner bela­rus­si­schen Iden­tität über­zeugt ist, aber bei deren Rea­li­sie­rung immer an den Fremd­mächten schei­tert. Das 1926 urauf­ge­führte und wenig später ver­bo­tene Stück posi­tio­niert Belarus als einen Raum zwi­schen Mächten im Osten (Russ­land) und Westen (Polen und Deutsch­land), an die es zwar nie voll­ends assi­mi­lierbar ist, denen es aber immer unter­worfen bleibt. Das Schicksal Janka Kupalas spie­gelt das Pro­blem: Nachdem er nur durch einen öffent­li­chen Selbst­mord­ver­such 1930 der sta­li­nis­ti­schen Repres­si­ons­ma­schine ent­kommen war, ver­brachte er die Zeit bis zu seinem Tode 1942 mit dem Schreiben von Lob­prei­sungen auf den sta­li­nis­ti­schen Sowjet­staat. Der einst­mals große Dichter ver­schwand hinter einer Maske, die der Schrift­steller Alhierd Bach­arevič später „Kajan Lupaka“ taufte. Kupala, der Dichter, der nicht (mehr) ist, wurde zum Natio­nal­dichter einer Nation, die es nicht gibt. Und nun schließ­lich eine Neu­in­sze­nie­rung des Stücks über die Nation, die doch Pre­miere feiern durfte – an einem Theater, das nicht mehr existiert.

 

Die Kupa­laŭcy, das Ensemble des Kupala-Thea­ters, waren nach ihrer Kün­di­gung nicht untätig geblieben – wäh­rend sich die Pro­teste fort­setzten, wurde weiter geprobt, um die Auf­füh­rung, die auf Pla­kat­wänden im Zen­trum von Minsk noch immer ange­kün­digt wurde, doch noch zu rea­li­sieren. Die Pre­miere sollte am 12. Oktober auf You­Tube statt­finden, ein für eine Thea­ter­auf­füh­rung unge­se­hener Hype ging ihr voraus. Wie würde das Stück die Vor­gänge der letzten Wochen reflektieren?

 

Regis­seur Pinigin rollt Kupalas Stoff mit­hilfe eines zen­tralen – und sehr zurück­hal­tenden – insze­na­to­ri­schen Kniffs neu auf. Auf Basis eben­dieses Stoffes wird auf der Bühne ein Film gedreht, immer wieder unter­bricht ein „Regis­seur“ die Vor­gänge. An ent­schei­denden Stellen wird dadurch Minsk als his­to­ri­scher Raum in das Büh­nen­ge­schehen ein­ge­führt – wenn im Stück selbst Straßen und Plätze des Minsk der frühen Zwan­ziger ange­spro­chen werden, werden Bilder des his­to­ri­schen, im zweiten Welt­krieg zer­störten Minsk ein­ge­spielt, dazu spä­tere Umbe­nen­nungen der Orte ange­führt. Ein his­to­ri­sches Kon­ti­nuum entsteht.

 

Außer­halb der kleinen Unter­bre­chungen ist der Umgang mit dem zugrunde lie­genden Text­ma­te­rial sehr respekt­voll – „aka­de­misch“ sozu­sagen, ent­spre­chend dem insti­tu­tio­nellen Selbst­ver­ständnis des Thea­ters. Der tra­gi­ko­mi­sche Cha­rakter der Figuren wird betont, jedoch nicht kari­ka­tu­ris­tisch über­zeichnet. Ein komi­sches Ele­ment bilden schon bei Kupala zwei in jedem der vier Akte auf­tau­chende For­scher, ein „west­li­cher“, pol­nisch­spra­chiger, und ein „öst­li­cher“, rus­sisch­spra­chiger, die den unapo­lo­ge­ti­schen Bela­russen Janka begut­achten sollen und dabei in exakt glei­chem Wort­laut in den jewei­ligen Spra­chen zu ent­ge­gen­ge­setzten Ergeb­nissen kommen, mit dem sie ihn der jeweils eigenen Nation ein­ver­leiben wollen: der eine erkennt in ihm klar einen Russen, der andere einen Polen. Die Wis­sen­schaft dient dem Impe­rium, der Beschaute (selbst ein Lehrer, ein Aka­de­miker) hat in ihr keine eigene Sprache.

 

In Pini­gins Insze­nie­rung von 1990 wurden die beiden impe­rialen Wis­sen­schaftler zu Pries­tern, der eine katho­lisch, der andere orthodox, womit auf das zwi­schen den Fremd­mächten zer­rie­bene mul­ti­kon­fes­sio­nelle Belarus der Ver­gan­gen­heit ange­spielt und gleich­zeitig die reli­giöse Trenn­linie auf­ge­zeigt wird, die sich quer durch Belarus in den nächsten Jahren unter dem Schutt des Real­so­zia­lismus her­aus­schälen sollte. In der Neu­in­sze­nie­rung holt Pinigin nun die mediale Situa­tion wäh­rend der Pro­teste auf die Bühne. Die beiden sind vom Aus­land diri­gierte Kor­re­spon­denten. In der Genea­logie der Insze­nie­rungen reihen sich hier also neben Wis­sen­schaft und Kirche die Medien als das in der heu­tigen Situa­tion wirk­mäch­tigste Herr­schafts­in­stru­ment ein.

 

Zum Schluss werden, anders als bei Kupala, alle von den Roten erschossen. Um den­noch Kupala das letzte Wort zu geben, darf der Lehrer Janka noch dem Publikum die Zeilen von Kupalas Gedicht „O tak – ja pra­letar“ von 1924 ent­ge­gen­schleu­dern, in denen der Pro­le­ta­rier, der Sklave von ges­tern, berichtet, wie er sich heute die ganze Welt unter­worfen hat, nur eines nicht über­winden kann: seine nächt­li­chen Träume von Belarus. Dann der Schnitt zur Auf­füh­rung von 1990. Und dann, bevor der „Vor­hang fällt“, haken sich die Mit­glieder des Ensem­bles unter, es ent­steht eine jener Men­schen­ketten, wie man sie aus den ersten Tagen des Pro­tests kennt. Darauf will das Stück hinaus: aus der posi­tiven Nega­tiv­be­stim­mung, dem Traum von einst, soll in der Aktion, in der Men­schen­kette, ein echtes Posi­tives werden. Die Geschichte soll erlöst werden – darauf hofft dieser Thea­ter­abend. Und wohl auch die 100.000 Men­schen, die allein inner­halb der ersten 24 Stunden die Auf­zeich­nung ange­sehen haben, und die fast 200.000, die inzwi­schen noch dazu­ge­kommen sind.

 

Wei­ter­füh­rende Links

Neu­in­sze­nie­rung Tute­jšyja: https://youtu.be/V6WXIOOyEw4

Insze­nie­rung der Tute­jšyja von 1990: https://youtu.be/c45LMs-l-m0