Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Hoffe nicht und verzweifle nicht. Im Prinzip hängt nichts von dir selber ab. Hoffnung und Verzweiflung sind ein und dasselbe, nur von verschiedenen Seiten betrachtet. Deshalb ist die anhaltende Angespanntheit der beste Zustand, in dem man sich befinden kann. Mit seiner "Napet šou"(dt.: „Angespannte Show“) macht sich der serbische Hip-Hop-Schriftsteller Marko Šelić aka Marčelo bereit für das, was kommt.

Erinnern oder Vergessen? Pointiert und unverblümt schreibt Filip David in "Kuća sećanja i zaborava" ("Das Haus des Erinnerns und des Vergessens") über den Holocaust in Serbien und dessen Folgen bis in die Gegenwart – und nimmt damit ein Thema in den Blick, über das man in Serbien nur ungern spricht. Übersetzt wurde der Roman von Johannes Eigner, dem amtierenden österreichischen Botschafter in Serbien.

Es war einmal ein kleiner Lazik, der ging hinaus in die weite Welt und schlängelte sich so mir nichts, dir nichts unbeschadet durch die Scherben ihrer zerberstenden Fassaden. Il'ja Ėrenburgs lange Zeit in Vergessenheit geratener Roman "Burnaja žizn' Lazika Rojtšvaneca" ("Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz") ist 2016 schelmisch wie sein Protagonist ohne jegliche Erlaubnis der Parteigenossen von den Toten auferstanden.

Sascha Potjomkin und Anna Iwanowna – die Namen der beiden Hauptfiguren von Boris Schumatskys neuem Buch lassen einen Historienroman über das russische Zarenreich im 18. Jahrhundert vermuten. Stattdessen ist "Die Trotzigen" die Geschichte einer flüchtigen, kleinen Liebe, einer winzigen Ost-West-Annäherung inmitten spätsowjetischer Umwälzungen.

Mit "Superheldinnen" hat Barbi Marković einen hoffnungslosen und zugleich optimistischen Roman abgeliefert. Er besticht mit Witz und dezidierten Pop-Qualitäten. Was es mit der Gegenüberstellung von Tauben und dem Pleitegeier auf sich hat, offenbart sich zum Ende des Romans und ließe sich mit dem Kalauer „ist das Glas halb leer oder halb voll?“ umschreiben. Oder anders gesagt: Als Rezensent sollte ich nicht spoilern und tue es doch!

Erträumte Parallelwelten, die Angst vor der Leere des Lebens und absurd-groteske Daseinsbewältigungen tun sich als Riss im Alltag auf, wenn bissige Hunde aus ihrem kreativen Schlaf geweckt werden. Erlösung sucht man dabei in Dorota Masłowskas neuestem Werk vergeblich. Man kann nur ein zynisch-resigniertes Lachen von sich geben und hoffen, dass es nicht im Halse stecken bleibt.

Aleksandar Hemons erstes autobiografisches Werk ist eine spannende Partie. Eine, bei der nach dem Schlusspfiff die Halbzeitpause kommt und die auf mehreren Plätzen zugleich gespielt wird. In kurzen Episoden erzählt er von Fußball und Schach, Sarajevo und Chicago, Unbequemem und manchmal Unerträglichem – oder enttarnt ganz nebenbei die westliche Selbstgefälligkeit unter dem Deckmäntelchen multikultureller Öffnung.