Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Zaza Burchuladze bekam in Georgien schon früh den Ruf des geschickten Provokateurs. Sein exzentrisches Auftreten in den Medien und seine direkten Invektiven gegen die orthodoxe Kirche haben nicht nur die Verkaufszahlen seiner Bücher rasch nach oben getrieben, sondern auch seine letztliche Flucht aus Georgien bedingt. Sein Buch "Adibas" (georgische Erstveröffentlichung 2009) liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Wie oft hat man im letzten Jahr in den Medien gehört, dass der Konflikt in der Ukraine mit einem Sprachproblem zwischen ethnischen Russen und Ukrainern zusammenhängt. Andrej Kurkov, einer der bekanntesten ukrainischen Autoren, der die meisten seiner Bücher auf Russisch verfasst hat, zeigt in seinem "Ukrainischen Tagebuch" eindrücklich, dass es auf dem Majdan um etwas ganz anderes ging.

Fragt man Opiat-Abhängige, wie sie den Rauschzustand nach dem Konsum der Droge erleben, erhält man meist schwer greifbare und wirre Antworten. "Morphin" ist ein solches Opiat. Der auch auf Deutsch erschienene Roman des polnischen Autors Szczepan Twardoch steht dem namengebenden Suchtmittel in Sachen Rauschhaftigkeit in nichts nach. Von der ersten bis zur letzten Seite wird der Leser hineingesogen ins Warschau des Jahres 1939, in eine Welt voll kalten Ekels, schonungsloser

Es bedarf Konzentration und einer ruhigen Hand. Ein fester geübter Schlag mit dem Hammer und der Tellur-Nagel gleitet in den zuvor sauber rasierten und desinfizierten Schädel. Danach ist man entweder tot oder wandelt auf langersehnten Pfaden der Glückseligkeit. Wie man sich vor allem Letzteres vorzustellen hat und wie unser Leben in Zukunft aussehen könnte, verrät Vladimir Sorokin in seinem neuesten Roman "Tellurija".

Die Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit kommt in Georgien im Schneckentempo voran. Umso wichtiger ist es, dass die Literatur an jene Vergangenheit erinnert. In seinem preisgekrönten Dokumentarroman "Westflug" nimmt sich Dato Turaschwili die Geschichte der Tiflisser Flugzeugentführung im November 1983 vor – und rekonstruiert den Fall mit beeindruckender Eindringlichkeit.

Viel Zeit hatte die Litauerin Dalia Grinkevičiūtė nicht, um ihre Erinnerungen an die Deportation und das Leben in der Arktis niederzuschreiben. In knappen Worten beschreibt sie den Hunger, die Kälte, ihre Hoffnungen und Ängste. Vor allem aber gibt sie eindringlich Zeugnis vom menschlichen Überlebenswillen. "Aber der Himmel – grandios", längst Pflichtlektüre an litauischen Schulen, ist im Jahr 2014 endlich auch auf Deutsch erschienen.