Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Fragt man Opiat-Abhängige, wie sie den Rauschzustand nach dem Konsum der Droge erleben, erhält man meist schwer greifbare und wirre Antworten. "Morphin" ist ein solches Opiat. Der auch auf Deutsch erschienene Roman des polnischen Autors Szczepan Twardoch steht dem namengebenden Suchtmittel in Sachen Rauschhaftigkeit in nichts nach. Von der ersten bis zur letzten Seite wird der Leser hineingesogen ins Warschau des Jahres 1939, in eine Welt voll kalten Ekels, schonungsloser

Es bedarf Konzentration und einer ruhigen Hand. Ein fester geübter Schlag mit dem Hammer und der Tellur-Nagel gleitet in den zuvor sauber rasierten und desinfizierten Schädel. Danach ist man entweder tot oder wandelt auf langersehnten Pfaden der Glückseligkeit. Wie man sich vor allem Letzteres vorzustellen hat und wie unser Leben in Zukunft aussehen könnte, verrät Vladimir Sorokin in seinem neuesten Roman "Tellurija".

Die Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit kommt in Georgien im Schneckentempo voran. Umso wichtiger ist es, dass die Literatur an jene Vergangenheit erinnert. In seinem preisgekrönten Dokumentarroman "Westflug" nimmt sich Dato Turaschwili die Geschichte der Tiflisser Flugzeugentführung im November 1983 vor – und rekonstruiert den Fall mit beeindruckender Eindringlichkeit.

Viel Zeit hatte die Litauerin Dalia Grinkevičiūtė nicht, um ihre Erinnerungen an die Deportation und das Leben in der Arktis niederzuschreiben. In knappen Worten beschreibt sie den Hunger, die Kälte, ihre Hoffnungen und Ängste. Vor allem aber gibt sie eindringlich Zeugnis vom menschlichen Überlebenswillen. "Aber der Himmel – grandios", längst Pflichtlektüre an litauischen Schulen, ist im Jahr 2014 endlich auch auf Deutsch erschienen.

1914 – 2014. Es ist wieder Denkmal-Zeit. In ganz Europa gedenken wir des ersten Weltkriegs und des Ereignisses, welches ihn auslöste. Dem Schützen, der in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger mit zwei Schüssen tötete, werden noch heute in Bosnien und Serbien Denkmäler gebaut. Die serbische Autorin Biljana Srbljanović will sie stürzen – und stellt doch in ihrem Drama "Mali mi je ovaj grob" (dt. Dieses Grab ist mir zu klein) nur

„Mein Buch ist gar nicht so fantastisch, wie es zuerst vorkommen mag: Das alles kann eigentlich jeden Tag wahr werden“, kommentiert die russische Schriftstellerin Alissa Ganijewa ihren ersten Roman, der Anfang dieses Jahres auch auf Deutsch erschienen ist. Die bisher vor allem als Literaturkritikerin bekannte junge Autorin beschreibt den Alltag im umstrittensten Teil Russlands – Dagestan – und präsentiert ein Szenario möglicher Konsequenzen des Extremismus und der Zerspaltung.

Elena Gorokhova, die mit dem autobiografischen Roman "Goodbye Leningrad" ("A Mountain of Crumbs") ihr Debüt vorgelegt hat, begriff schon als Kind, was die sowjetische Gesellschaft zusammenhält: Im Gleichschritt mit dem Kollektiv gehen, um keinen Preis ausscheren. Doch mindestens genauso entscheidend, wenn nicht gar noch entscheidender war ein anderes Element: die Kunst des Lügens.