Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

1914 – 2014. Es ist wieder Denkmal-Zeit. In ganz Europa gedenken wir des ersten Weltkriegs und des Ereignisses, welches ihn auslöste. Dem Schützen, der in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger mit zwei Schüssen tötete, werden noch heute in Bosnien und Serbien Denkmäler gebaut. Die serbische Autorin Biljana Srbljanović will sie stürzen – und stellt doch in ihrem Drama "Mali mi je ovaj grob" (dt. Dieses Grab ist mir zu klein) nur

„Mein Buch ist gar nicht so fantastisch, wie es zuerst vorkommen mag: Das alles kann eigentlich jeden Tag wahr werden“, kommentiert die russische Schriftstellerin Alissa Ganijewa ihren ersten Roman, der Anfang dieses Jahres auch auf Deutsch erschienen ist. Die bisher vor allem als Literaturkritikerin bekannte junge Autorin beschreibt den Alltag im umstrittensten Teil Russlands – Dagestan – und präsentiert ein Szenario möglicher Konsequenzen des Extremismus und der Zerspaltung.

Elena Gorokhova, die mit dem autobiografischen Roman "Goodbye Leningrad" ("A Mountain of Crumbs") ihr Debüt vorgelegt hat, begriff schon als Kind, was die sowjetische Gesellschaft zusammenhält: Im Gleichschritt mit dem Kollektiv gehen, um keinen Preis ausscheren. Doch mindestens genauso entscheidend, wenn nicht gar noch entscheidender war ein anderes Element: die Kunst des Lügens.

In einer bescheidenen Auflage ist das Tagebuch der Polina Žerebcova ("Dnevnik Žerebcovoj Poliny") 2011 zunächst erschienen. Vor Kurzem wurde ein weiterer Teil des Tagebuchs veröffentlicht: "Muravej v stekljannoj banke" („Ameise im Glas“). Žerebcova beschreibt ihre Jugend während des zweiten Tschetschenienkriegs – es ist ein privates Tagebuch und zugleich ein öffentliches Dokument: Die Autorin weiß, dass ihre Stimme ein Gegengewicht zur offiziellen Kriegsberichterstattung sein kann.

Dominika Chmura wird vom Wind in die Welt hinausgeblasen. Jenem Wind, der alle Figuren in Joanna Bators Roman "Wolkenfern (Chmurdalia)" mal stürmischer, mal zärtlicher umweht. Der Roman spannt einen Bogen zwischen verschiedenen Generationen, verbindet Realität und Mythos – und ist ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Lebensweise, die die vergangene und die zukünftige Welt umarmt, ohne sich ihr zu ergeben.