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"De-Ukrainisierung der Ukraine" als ultimatives Ziel des russischen Angriffskrieges

Posted on 5. April 2022 by Susanne Frank
Unter dem Titel "Was Russland mit der Ukraine tun sollte" publiziert der ria-novosti-Journalist Timofej Sergejcev einen 30-Jahrplan der endgültigen Auslöschung der Ukraine, die mit dem Verbot des Landesnamens beginnt und in dauerhaften Umerziehungs- und Indoktrinationslagern endet. Darin werden die zu erhaltende "Unabhängigkeit" und der angestrebte "europäische Weg" ebenso als Merkmale einer erfolgreichen "Verschleierungspolitik" 'enttarnt' wie die Tatsache, dass es keinen manifesten Merkmale eines den 1930er Jahren vergleichbaren Nationalsozialismus in der Ukraine gibt (wie Führer, Rassengesetze, Konzentrationslager usw.).

 

Unter dem Titel "Was Russland mit der Ukraine tun sollte" publiziert der ria-novosti-Journalist Timofej Sergejcev einen 30-Jahrplan der endgültigen Auslöschung der Ukraine, die mit dem Verbot des Landesnamens beginnt und in dauerhaften Umerziehungs- und Indoktrinationslagern endet. Darin werden die zu erhaltende "Unabhängigkeit" und der angestrebte "europäische Weg" ebenso als Merkmale einer erfolgreichen "Verschleierungspolitik" 'enttarnt' wie die Tatsache, dass es keinen manifesten Merkmale eines den 1930er Jahren vergleichbaren Nationalsozialismus in der Ukraine gibt (wie Führer, Rassengesetze, Konzentrationslager usw.). Tatsächlich dauere die "Nazifizierung der Ukraine" nun schon über 30 Jahre lang - seit 1989 - an und könne daher nur durch eine totale "De-Ukrainisierung" beendet werden, die einen ebensolangen Zeitraum in Anspruch nehme und Maßnahmen wir Umerziehungslager und strenge Zenur und Informationsüberwachung durch Russland erfordere. Abschließend wird - in einer wilden Mischung von Versatzstücken aus Sowjetnostalgie, russischem Messianismus und historischem Eurasianismus - dieser Plan als Dienst an der gesamten Menschheit ausgegeben: Während sich Russland im 20. Jahrhundert mehrfach für Europa geopfert hätte, z.B. indem es "das wichtigste der westlichen Projekte als Alternative zum Kapitalismus", das "rote Projekt", realisierte und die Nationalstaaten wie auch den deutschen Nationalsozialismus (hier als "monströse Ausgeburt der Krise der westlichen Zivilisation" bezeichnet) besiegte, sei der neue Plan ein Dienst an der Befreiung der gesamten Menschheit, d.h. Russland würde "auf einem anderen Teil seines Erbes aufbauen" und die "Führungsrolle im globalen Dekolonisierungsprozess" übernehmen. Der erste Schritt dazu sei die Entnazifizierung = De-Ukrainisierung = "Dekolonisierung" der Ukraine.

 

Wir sind uns im Klaren darüber, dass die Lektüre dieses Artikels eine Zumutung ist, aber wir fühlen uns verpflichtet, einen Text wie diesen, in dem Begriffe von ihrer eingeführten Bedeutung und von ihrer nachweisbaren Referentialität vollkommen losgelöst und auf einen rein affektiven Gehalt reduziert und so als Instrumente der Orientierung in der politischen Wirklichkeit und in der Wirklichkeit der Handlungen und Fakten vollkommen unbrauchbar werden, auch dem deutschsprachigen Publikum in voller Länge zugänglich zu machen. Auch weil die auf ria-novosti publizierten Artikel dem Programm der russischen Regierung entsprechen. Wir machen darauf aufmerksam, dass dieser Artikel in der ria-novosti propagandistische Zwecke verfolgt, von denen wir uns klar distanzieren.

 

Der Originalartikel ist ⇒hier zu finden.

 

"Was Russland mit der Ukraine machen soll

 

Bereits im April letzten Jahres schrieben wir über die Unvermeidbarkeit der Entnazifizierung der Ukraine. Wir brauchen keine nazistische, ‚banderitische‘ Ukraine , einen Feind Russlands und ein Instrument des Westens, um Russland zu zerstören. Heute ist die Frage der Entnazifizierung auf die praktische Ebene gerückt.

 

Die Entnazifizierung ist notwendig, wenn ein bedeutender Teil des Volkes - höchstwahrscheinlich seine Mehrheit - vom Naziregime beherrscht und in seine Politik hineingezogen wird. Das heißt, wenn die Hypothese "das Volk ist gut - die Regierung ist schlecht" nicht funktioniert. Die Anerkennung dieser Tatsache ist die Grundlage der Entnazifizierungspolitik und aller ihrer Aktivitäten, und die Tatsache selbst ist ihr Gegenstand.

 

Die Ukraine befindet sich in genau dieser Situation. Die Tatsache, dass die ukrainischen Wähler für "Poroschenkos Frieden" und "Zelenskys Frieden" gestimmt haben, sollte nicht in die Irre führen - die Ukrainer waren mit dem kürzesten Weg zum Frieden durch einen Blitzkrieg, den die letzten beiden ukrainischen Präsidenten bei ihrer Wahl offen angedeutet haben, durchaus zufrieden. Genau diese Methode der "Befriedung" der Antifaschisten im Innern - durch totalen Terror - wurde in Odessa, Charkow, Dnepropetrowsk, Mariupol und anderen russischen Städten angewendet. Und das passte dem ukrainischen Durchschnittsbürger ganz gut. Die Entnazifizierung umfasst eine Reihe von Maßnahmen gegenüber der nazifizierten Masse der Bevölkerung, die technisch gesehen nicht direkt als Kriegsverbrecher bestraft werden kann.

 

Nazis, die zu den Waffen gegriffen haben, sollten auf dem Schlachtfeld so weit wie möglich vernichtet werden. Es sollte kein signifikanter Unterschied zwischen der AFU und den so genannten NSBATs sowie den Milizen der Territorialverteidigung gemacht werden, die sich diesen beiden Arten von militärischen Formationen angeschlossen haben. Sie alle sind gleichermaßen an abscheulichen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung beteiligt, gleichermaßen schuldig am Völkermord am russischen Volk und an der Missachtung der Gesetze und Gebräuche des Krieges. Kriegsverbrecher und aktive Nazis müssen exemplarisch und demonstrativ bestraft werden. Es muss eine vollständige Lustration durchgeführt werden. Alle Organisationen, die sich der Ausübung des Nationalsozialismus verschrieben haben, müssen beseitigt und verboten werden. Neben den Spitzenkräften ist jedoch auch ein erheblicher Teil der Masse des Volkes, die passiven Nazis, die Kollaborateure des Nazismus, schuldig. Sie unterstützten und verwöhnten die Nazi-Regierung. Eine gerechte Bestrafung dieses Teils der Bevölkerung ist nur möglich, wenn man die unvermeidlichen Lasten eines gerechten Krieges gegen das Nazisystem trägt, der so sanft und diskret wie möglich gegen Zivilisten geführt wird. Die weitere Entnazifizierung dieser Masse der Bevölkerung besteht in der Umerziehung, die durch ideologische Repression (Erdrückung) nationalsozialistischer Einstellungen und strenge Zensur erreicht wird: nicht nur im politischen Bereich, sondern notwendigerweise auch im Bereich der Kultur und der Bildung. Durch Kultur und Bildung wurde die tiefgreifende Nazifizierung der Bevölkerung vorbereitet und durchgeführt, die durch das Versprechen von Dividenden aus dem Sieg des Naziregimes über Russland, Nazipropaganda, interne Gewalt und Terror sowie den achtjährigen Krieg gegen das gegen den ukrainischen Nazismus protestierende Volk des Donbass gefestigt wurde.

 

Die Entnazifizierung kann nur vom Sieger durchgeführt werden, was voraussetzt, dass er (1) die unbedingte Kontrolle über den Entnazifizierungsprozess hat und (2) die Macht, diese Kontrolle zu gewährleisten. In dieser Hinsicht kann das entnazifizierte Land nicht souverän sein. Der entnazifizierende Staat - Russland - kann bei der Entnazifizierung nicht von einem liberalen Ansatz ausgehen. Die Ideologie des Entnazifizierers kann von dem Schuldigen, der entnazifiziert wird, nicht in Frage gestellt werden. Wenn Russland die Notwendigkeit einer Entnazifizierung der Ukraine als gegeben ansieht, bedeutet dies, dass das Krim-Szenario für die Ukraine als Ganzes unmöglich ist. Dieses Szenario war jedoch auch 2014 im aufständischen Donbass unmöglich. Nur acht Jahre Widerstand gegen die Gewalt und den Terror der Nazis führten zu einem inneren Zusammenhalt und zu einer bewusst unmissverständlichen Weigerung der Masse, irgendeine Art von Einheit und Verbindung zur Ukraine aufrechtzuerhalten, die sich selbst als eine Nazigesellschaft definierte.

 

Der Zeitrahmen für die Entnazifizierung kann auf keinen Fall kürzer sein als eine Generation, die unter den Bedingungen der Entnazifizierung geboren werden, wachsen und reifen muss. Die Nazifizierung der Ukraine dauert nun schon seit über 30 Jahren an - mindestens seit 1989, als der ukrainische Nationalismus einen legalen und legitimen politischen Ausdruck fand und die Bewegung für die "Unabhängigkeit" in Richtung Nationalsozialismus führte.

 

Die Besonderheit der heutigen nazifizierten Ukraine ist ihr amorpher und ambivalenter Charakter, der es ihr erlaubt, den Nazismus als Wunsch nach "Unabhängigkeit" und einem "europäischen" (westlichen, pro-amerikanischen) Weg der "Entwicklung" zu verschleiern (in Wirklichkeit ist es eine Degradierung), zu behaupten, dass "es in der Ukraine keinen Nazismus gibt, sondern nur private sporadische Exzesse". Es gibt keine Haupt-Nazi-Partei, keinen Führer, keine vollwertigen Rassengesetze (nur eine abgespeckte Version in Form der Unterdrückung der russischen Sprache). Infolgedessen gibt es keine Opposition und keinen Widerstand gegen das Regime.

 

All dies macht den ukrainischen Nationalsozialismus jedoch nicht zu einer "Light-Version" des deutschen Nationalsozialismus in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Im Gegenteil - da der ukrainische Nationalsozialismus frei von solchen "Genre"-Rahmen und -Einschränkungen ist, entfaltet er sich frei als grundlegende Basis des gesamten Nationalsozialismus - als europäischer und, in seiner ausgeprägtesten Form, amerikanischer Rassismus. Daher kann die Entnazifizierung nicht im Rahmen eines Kompromisses erfolgen, der auf einer Formel wie "NATO - nein, EU - ja" beruht. Der kollektive Westen selbst ist der Konstrukteur, die Quelle und der Sponsor des ukrainischen Nazismus, während die westlichen Bandera-Kader und ihr "historisches Gedächtnis" nur eines der Werkzeuge der Nazifizierung der Ukraine sind. Der Ukronazismus ist für den Frieden und Russland nicht weniger bedrohlich als der deutsche Nationalsozialismus in der Form Hitlers.

 

Der Name "Ukraine" kann offensichtlich nicht als Bezeichnung für ein vollständig entnazifiziertes Staatsgebilde auf einem vom Naziregime befreiten Gebiet beibehalten werden. Die in den von den Nazis befreiten Gebieten neu gegründeten Volksrepubliken müssen und werden aus der Praxis der wirtschaftlichen Selbstverwaltung und der sozialen Fürsorge, der Wiederherstellung und Modernisierung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung erwachsen.

 

Ihre politischen Bestrebungen können keinesfalls neutral sein - die Wiedergutmachung der Schuld gegenüber Russland, weil es als Feind behandelt wurde, kann nur in Abhängigkeit von Russland in den Prozessen des Wiederaufbaus, der Erneuerung und der Entwicklung erfolgen. Ein "Marshallplan" für diese Gebiete sollte nicht zugelassen werden. Es kann keine "Neutralität" im ideologischen und praktischen Sinne geben, die mit einer Entnazifizierung vereinbar wäre. Die Kader und Organisationen, die die Instrumente der Entnazifizierung in den neuen entnazifizierten Republiken sind, können sich nur auf die direkte Macht und organisatorische Unterstützung Russlands verlassen.

 

Die Entnazifizierung wird unweigerlich eine Ent-Ukrainisierung sein - eine Absage an die von den sowjetischen Behörden eingeleitete künstliche Aufblähung der ethnischen Komponente der Selbstidentifikation der Bevölkerung in den Gebieten des historischen Malorossia und Novorossia. Als Instrument der kommunistischen Supermacht verwaiste und verkümmerte der künstliche Ethnozentrismus auch nach dem Fall des Kommunismus nicht. Vielmehr wurde er von einer anderen Supermacht (überstaatlichen Macht) übernommen - der Supermacht des Westens. Sie muss in ihre natürlichen Grenzen zurückgeführt und darf keine politische Funktion mehr haben.

 

Anders als etwa Georgien und die baltischen Länder ist die Ukraine, wie die Geschichte gezeigt hat, als Nationalstaat unmöglich, und der Versuch, einen solchen Staat "aufzubauen", führt unweigerlich zum Nationalsozialismus. Das Ukrainertum ist eine künstliche antirussische Konstruktion ohne eigenen zivilisatorischen Inhalt, ein untergeordnetes Element einer fremden und entfremdeten Zivilisation. Die Entnazifizierung an sich wird nicht ausreichen, um die Ukraine zu entnazifizieren - das Bandera-Element hat nur eine Deckfunktion, ist nur eine Verkleidung für das europäische Projekt der Nazi-Ukraine, und so muss die Entnazifizierung der Ukraine auch ihre unvermeidliche Ent-Europäisierung sein.

 

Die banderowschen Führungskräfte müssen beseitigt werden; es ist unmöglich, sie umzuerziehen. Der gesellschaftliche "Sumpf", der die Bandera-Spitze aktiv und passiv durch Handeln und Nichthandeln unterstützt hat, soll die Härten des Krieges überstehen und die Erfahrung als historische Lektion und Sühne für seine Schuld verarbeiten. Diejenigen, die das Naziregime nicht unterstützt haben, die unter ihm und dem Krieg, den es im Donbass entfesselt hat, gelitten haben, müssen konsolidiert und organisiert werden, sie müssen zur Stütze der neuen Regierung werden, sowohl vertikal als auch horizontal. Die historische Erfahrung zeigt, dass die Tragödien und Dramen der Kriegszeit letztlich den Völkern zugute kommen, die sich von der Rolle des Feindes Russlands verführen und mitreißen ließen.

 

Die Entnazifizierung als Ziel der speziellen Militäroperation selbst wird als militärischer Sieg über das Kiewer Regime, die Befreiung der Gebiete von bewaffneten Anhängern der Nazifizierung, die Ausschaltung unnachgiebiger Nazis, die Ergreifung von Kriegsverbrechern und die Schaffung der systemischen Voraussetzungen für eine spätere Entnazifizierung in Friedenszeiten verstanden.

 

Diese wiederum sollte mit der Organisation der lokalen Selbstverwaltung, der Polizei und der Verteidigung beginnen, die von nationalsozialistischen Elementen gesäubert werden und auf deren Grundlage die Gründungsprozesse zur Schaffung einer neuen republikanischen Staatlichkeit eingeleitet werden, wobei diese Staatlichkeit in enger Zusammenarbeit mit der russischen Entnazifizierungsbehörde (die neu geschaffen oder z.B. aus Rossotrudnichestvo umgewandelt wird) integriert wird und der republikanische Regelungsrahmen (Gesetzgebung) für die Entnazifizierung unter russischer Kontrolle angenommen wird, wobei die Grenzen und der Rahmen direkt festgelegt werden. Russland sollte in dieser Hinsicht als Hüter des Nürnberger Prozesses auftreten.

 

All dies bedeutet, dass zur Erreichung der Ziele der Entnazifizierung die Unterstützung der Bevölkerung, ihr Übergang zu Russland nach der Befreiung von Terror, Gewalt und ideologischem Druck des Kiewer Regimes, nach der Aufhebung der informationellen Isolation, notwendig ist. Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis sich die Menschen von dem Schock der Militäraktion erholt haben und von den langfristigen Absichten Russlands überzeugt sind - dass "sie nicht im Stich gelassen werden". Es ist unmöglich, im Voraus zu sagen, in welchen Gebieten diese Bevölkerungsmasse eine dringend benötigte Mehrheit bilden wird. Es ist unwahrscheinlich, dass die "katholische Provinz" (Westukraine, die fünf Regionen umfasst) zu den pro-russischen Gebieten gehört. Die Grenze des Ausschlusses wird jedoch in der Praxis gefunden. Eine Russland feindlich gesinnte, aber zwangsneutrale und entmilitarisierte Ukraine mit offiziell verbotenem Nationalsozialismus wird schließlich zurückbleiben. Russlandhasser werden dorthin gehen. Eine Garantie dafür, dass diese Rest-Ukraine neutral bleibt, sollte die Androhung einer sofortigen Fortsetzung der Militäroperation sein, wenn die aufgeführten Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies würde wahrscheinlich eine ständige russische Militärpräsenz auf dem Territorium des Landes erfordern. Von der Entfremdungslinie bis zur russischen Grenze wäre das Territorium der potentiellen Integration in die russische Zivilisation, die in ihrem inneren Wesen antifaschistisch ist.

 

Die Operation zur Entnazifizierung der Ukraine, die mit der militärischen Phase begann, wird in Friedenszeiten der gleichen Logik der Phasen folgen wie die militärische Operation. Auf jeder dieser Stufen müssen unumkehrbare Veränderungen erreicht werden, die das Ergebnis der entsprechenden Phase sind. Die notwendigen ersten Schritte der Entnazifizierung können wie folgt definiert werden:

 

- Liquidierung der bewaffneten nationalsozialistischen Formationen (gemeint sind alle bewaffneten Formationen der Ukraine, einschließlich der AFU) sowie der militärischen, Informations- und Bildungsinfrastruktur, die ihre Tätigkeit unterstützt;

- die Bildung einer Volksselbstverwaltung und einer Polizei (für Verteidigung und öffentliche Ordnung) in den befreiten Gebieten, um die Bevölkerung vor dem Terror der nationalsozialistischen Untergrundgruppen zu schützen

- die Einrichtung eines russischen Informationsraums;

- Rücknahme von Unterrichtsmaterialien und Verbot von Bildungsprogrammen auf allen Ebenen, die nationalsozialistische ideologische Haltungen enthalten;

- Massenermittlungen zur Feststellung der persönlichen Verantwortung für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbreitung der NS-Ideologie und Unterstützung des NS-Regimes;

- Lustration, Offenlegung der Namen von Kollaborateuren des Naziregimes und ihrer Zwangsarbeit zum Wiederaufbau zerstörter Infrastrukturen als Strafe für Nazi-Aktivitäten (aus dem Kreis derjenigen, die nicht mit der Todesstrafe oder einer Haftstrafe belegt werden)

- Verabschiedung von primären Entnazifizierungsmaßnahmen "von unten" auf lokaler Ebene unter russischer Kuratel, die jede Form der Wiederbelebung der NS-Ideologie verbieten;

- Die Errichtung von Gedenkstätten, Mahnmalen und Denkmälern für die Opfer des ukrainischen Nationalsozialismus und die Bewahrung des Andenkens an die Helden, die gegen ihn gekämpft haben;

- Die Aufnahme einer Reihe von antifaschistischen und entnazifizierenden Normen in die Verfassungen der neuen Volksrepubliken;

- Einrichtung von ständigen Entnazifizierungsstellen für einen Zeitraum von 25 Jahren.

 

Russland wird bei der Entnazifizierung der Ukraine keine Verbündeten haben. Denn dies ist eine rein russische Angelegenheit. Und auch, weil nicht nur die Bandera-Version der Nazi-Ukraine der Ausrottung unterworfen sein wird, sondern auch und vor allem der westliche Totalitarismus, die aufgezwungenen Programme der zivilisatorischen Degradierung und des Zusammenbruchs, die Mechanismen der Unterordnung unter die Supermacht des Westens und der USA.

 

Um den Plan der Entnazifizierung der Ukraine umzusetzen, muss Russland selbst endlich seine pro-europäischen und pro-westlichen Illusionen aufgeben, um sich als letzte Instanz des Schutzes und der Bewahrung jener Werte des historischen Europas (der Alten Welt) zu begreifen, die es verdient haben und die der Westen schließlich aufgegeben hat, nachdem er im Kampf um sich selbst verloren hat. Dieser Kampf setzte sich im 20. Jahrhundert fort und manifestierte sich im Weltkrieg und in der Russischen Revolution, die untrennbar miteinander verbunden waren.

 

Russland hat im zwanzigsten Jahrhundert alles getan, um den Westen zu retten. Es verwirklichte das wichtigste westliche Projekt, die Alternative zum Kapitalismus, die die Nationalstaaten besiegte - das sozialistische, rote Projekt. Es hat den deutschen Nationalsozialismus zerschlagen, die monströse Ausgeburt der Krise der westlichen Zivilisation. Der letzte Akt des russischen Altruismus war Russlands ausgestreckte Hand der Freundschaft, für die Russland in den 1990er Jahren einen ungeheuren Schlag erhielt.

 

Alles, was Russland für den Westen getan hat, hat es auf seine eigenen Kosten getan, indem es die größten Opfer gebracht hat. Der Westen lehnte schließlich all diese Opfer ab, wertete Russlands Beitrag zur Lösung der westlichen Krise ab und beschloss, sich an Russland für die selbstlos geleistete Hilfe zu rächen. Von nun an wird Russland seinen eigenen Weg gehen, ohne sich um das Schicksal des Westens zu kümmern, und dabei auf einem anderen Teil seines Erbes aufbauen: der Führungsrolle im globalen Dekolonisierungsprozess.

 

Im Rahmen dieses Prozesses verfügt Russland über ein hohes Potenzial für Partnerschaften und Bündnisse mit Ländern, die der Westen jahrhundertelang unterdrückt hat und die nicht die Absicht haben, erneut unter sein Joch zu geraten. Ohne die Opfer und den Kampf Russlands wären diese Länder nicht befreit worden. Die Entnazifizierung der Ukraine ist gleichzeitig ihre Dekolonisierung, eine Tatsache, die die ukrainische Bevölkerung verstehen muss, wenn sie beginnt, sich von den Gespenstern, Versuchungen und Abhängigkeiten der sogenannten europäischen Wahl zu befreien."

 

Timofej Sergejcev (Philosoph, Methodiker, Mitglied des Zinoviev-Clubs bei der Nachrichtenagentur Russia Today)

 

Komm. und Übers. Susanne Frank

 

Der Originalartikel ist ⇒hier zu finden.

 

 

"De-Ukrainisierung der Ukraine" als ultimatives Ziel des russischen Angriffskrieges – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

“De-Ukrai­ni­sie­rung der Ukraine” als ulti­ma­tives Ziel des rus­si­schen Angriffskrieges

 

Unter dem Titel “Was Russ­land mit der Ukraine tun sollte” publi­ziert der ria-novosti-Jour­na­list Tim­ofej Ser­ge­jcev einen 30-Jahr­plan der end­gül­tigen Aus­lö­schung der Ukraine, die mit dem Verbot des Lan­des­na­mens beginnt und in dau­er­haften Umer­zie­hungs- und Indok­tri­na­ti­ons­la­gern endet. Darin werden die zu erhal­tende “Unab­hän­gig­keit” und der ange­strebte “euro­päi­sche Weg” ebenso als Merk­male einer erfolg­rei­chen “Ver­schleie­rungs­po­litik” ‘ent­tarnt’ wie die Tat­sache, dass es keinen mani­festen Merk­male eines den 1930er Jahren ver­gleich­baren Natio­nal­so­zia­lismus in der Ukraine gibt (wie Führer, Ras­sen­ge­setze, Kon­zen­tra­ti­ons­lager usw.). Tat­säch­lich dauere die “Nazi­fi­zie­rung der Ukraine” nun schon über 30 Jahre lang – seit 1989 – an und könne daher nur durch eine totale “De-Ukrai­ni­sie­rung” beendet werden, die einen eben­so­langen Zeit­raum in Anspruch nehme und Maß­nahmen wir Umer­zie­hungs­lager und strenge Zenur und Infor­ma­ti­ons­über­wa­chung durch Russ­land erfor­dere. Abschlie­ßend wird – in einer wilden Mischung von Ver­satz­stü­cken aus Sowjet­nost­algie, rus­si­schem Mes­sia­nismus und his­to­ri­schem Eura­sia­nismus – dieser Plan als Dienst an der gesamten Mensch­heit aus­ge­geben: Wäh­rend sich Russ­land im 20. Jahr­hun­dert mehr­fach für Europa geop­fert hätte, z.B. indem es “das wich­tigste der west­li­chen Pro­jekte als Alter­na­tive zum Kapi­ta­lismus”, das “rote Pro­jekt”, rea­li­sierte und die Natio­nal­staaten wie auch den deut­schen Natio­nal­so­zia­lismus (hier als “mons­tröse Aus­ge­burt der Krise der west­li­chen Zivi­li­sa­tion” bezeichnet) besiegte, sei der neue Plan ein Dienst an der Befreiung der gesamten Mensch­heit, d.h. Russ­land würde “auf einem anderen Teil seines Erbes auf­bauen” und die “Füh­rungs­rolle im glo­balen Deko­lo­ni­sie­rungs­pro­zess” über­nehmen. Der erste Schritt dazu sei die Ent­na­zi­fi­zie­rung = De-Ukrai­ni­sie­rung = “Deko­lo­ni­sie­rung” der Ukraine.

 

Wir sind uns im Klaren dar­über, dass die Lek­türe dieses Arti­kels eine Zumu­tung ist, aber wir fühlen uns ver­pflichtet, einen Text wie diesen, in dem Begriffe von ihrer ein­ge­führten Bedeu­tung und von ihrer nach­weis­baren Refe­ren­tia­lität voll­kommen los­ge­löst und auf einen rein affek­tiven Gehalt redu­ziert und so als Instru­mente der Ori­en­tie­rung in der poli­ti­schen Wirk­lich­keit und in der Wirk­lich­keit der Hand­lungen und Fakten voll­kommen unbrauchbar werden, auch dem deutsch­spra­chigen Publikum in voller Länge zugäng­lich zu machen. Auch weil die auf ria-novosti publi­zierten Artikel dem Pro­gramm der rus­si­schen Regie­rung ent­spre­chen. Wir machen darauf auf­merksam, dass dieser Artikel in der ria-novosti pro­pa­gan­dis­ti­sche Zwecke ver­folgt, von denen wir uns klar distanzieren.

 

Der Ori­gi­nal­ar­tikel ist ⇒hier zu finden.

 

“Was Russ­land mit der Ukraine machen soll

 

Bereits im April letzten Jahres schrieben wir über die Unver­meid­bar­keit der Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine. Wir brau­chen keine nazis­ti­sche, ‚ban­de­ri­ti­sche‘ Ukraine [nach Stepan Ban­dera, umstrit­tener ukrai­ni­scher Natio­na­list, der in den 1930ern mit den Nazis kol­la­bo­riert hat; vgl. den Essay von Andrij Portnov https://www.nzz.ch/feuilleton/bandera-die-ideologische-aufladung-einer-historischen-figur-ld.1596257], einen Feind Russ­lands und ein Instru­ment des Wes­tens, um Russ­land zu zer­stören. Heute ist die Frage der Ent­na­zi­fi­zie­rung auf die prak­ti­sche Ebene gerückt.

 

Die Ent­na­zi­fi­zie­rung ist not­wendig, wenn ein bedeu­tender Teil des Volkes – höchst­wahr­schein­lich seine Mehr­heit – vom Nazi­re­gime beherrscht und in seine Politik hin­ein­ge­zogen wird. Das heißt, wenn die Hypo­these “das Volk ist gut – die Regie­rung ist schlecht” nicht funk­tio­niert. Die Aner­ken­nung dieser Tat­sache ist die Grund­lage der Ent­na­zi­fi­zie­rungs­po­litik und aller ihrer Akti­vi­täten, und die Tat­sache selbst ist ihr Gegenstand.

 

Die Ukraine befindet sich in genau dieser Situa­tion. Die Tat­sache, dass die ukrai­ni­schen Wähler für “Poro­schenkos Frieden” und “Zelen­skys Frieden” gestimmt haben, sollte nicht in die Irre führen – die Ukrainer waren mit dem kür­zesten Weg zum Frieden durch einen Blitz­krieg, den die letzten beiden ukrai­ni­schen Prä­si­denten bei ihrer Wahl offen ange­deutet haben, durchaus zufrieden. Genau diese Methode der “Befrie­dung” der Anti­fa­schisten im Innern – durch totalen Terror – wurde in Odessa, Charkow, Dne­pro­pe­trowsk, Mariupol und anderen rus­si­schen Städten ange­wendet. Und das passte dem ukrai­ni­schen Durch­schnitts­bürger ganz gut. Die Ent­na­zi­fi­zie­rung umfasst eine Reihe von Maß­nahmen gegen­über der nazi­fi­zierten Masse der Bevöl­ke­rung, die tech­nisch gesehen nicht direkt als Kriegs­ver­bre­cher bestraft werden kann.

 

Nazis, die zu den Waffen gegriffen haben, sollten auf dem Schlacht­feld so weit wie mög­lich ver­nichtet werden. Es sollte kein signi­fi­kanter Unter­schied zwi­schen der AFU und den so genannten NSBATs sowie den Milizen der Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung gemacht werden, die sich diesen beiden Arten von mili­tä­ri­schen For­ma­tionen ange­schlossen haben. Sie alle sind glei­cher­maßen an abscheu­li­chen Grau­sam­keiten gegen die Zivil­be­völ­ke­rung betei­ligt, glei­cher­maßen schuldig am Völ­ker­mord am rus­si­schen Volk und an der Miss­ach­tung der Gesetze und Gebräuche des Krieges. Kriegs­ver­bre­cher und aktive Nazis müssen exem­pla­risch und demons­trativ bestraft werden. Es muss eine voll­stän­dige Lustra­tion durch­ge­führt werden. Alle Orga­ni­sa­tionen, die sich der Aus­übung des Natio­nal­so­zia­lismus ver­schrieben haben, müssen besei­tigt und ver­boten werden. Neben den Spit­zen­kräften ist jedoch auch ein erheb­li­cher Teil der Masse des Volkes, die pas­siven Nazis, die Kol­la­bo­ra­teure des Nazismus, schuldig. Sie unter­stützten und ver­wöhnten die Nazi-Regie­rung. Eine gerechte Bestra­fung dieses Teils der Bevöl­ke­rung ist nur mög­lich, wenn man die unver­meid­li­chen Lasten eines gerechten Krieges gegen das Nazi­system trägt, der so sanft und dis­kret wie mög­lich gegen Zivi­listen geführt wird. Die wei­tere Ent­na­zi­fi­zie­rung dieser Masse der Bevöl­ke­rung besteht in der Umer­zie­hung, die durch ideo­lo­gi­sche Repres­sion (Erdrü­ckung) natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ein­stel­lungen und strenge Zensur erreicht wird: nicht nur im poli­ti­schen Bereich, son­dern not­wen­di­ger­weise auch im Bereich der Kultur und der Bil­dung. Durch Kultur und Bil­dung wurde die tief­grei­fende Nazi­fi­zie­rung der Bevöl­ke­rung vor­be­reitet und durch­ge­führt, die durch das Ver­spre­chen von Divi­denden aus dem Sieg des Nazi­re­gimes über Russ­land, Nazi­pro­pa­ganda, interne Gewalt und Terror sowie den acht­jäh­rigen Krieg gegen das gegen den ukrai­ni­schen Nazismus pro­tes­tie­rende Volk des Don­bass gefes­tigt wurde.

 

Die Ent­na­zi­fi­zie­rung kann nur vom Sieger durch­ge­führt werden, was vor­aus­setzt, dass er (1) die unbe­dingte Kon­trolle über den Ent­na­zi­fi­zie­rungs­pro­zess hat und (2) die Macht, diese Kon­trolle zu gewähr­leisten. In dieser Hin­sicht kann das ent­na­zi­fi­zierte Land nicht sou­verän sein. Der ent­na­zi­fi­zie­rende Staat – Russ­land – kann bei der Ent­na­zi­fi­zie­rung nicht von einem libe­ralen Ansatz aus­gehen. Die Ideo­logie des Ent­na­zi­fi­zie­rers kann von dem Schul­digen, der ent­na­zi­fi­ziert wird, nicht in Frage gestellt werden. Wenn Russ­land die Not­wen­dig­keit einer Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine als gegeben ansieht, bedeutet dies, dass das Krim-Sze­nario für die Ukraine als Ganzes unmög­lich ist. Dieses Sze­nario war jedoch auch 2014 im auf­stän­di­schen Don­bass unmög­lich. Nur acht Jahre Wider­stand gegen die Gewalt und den Terror der Nazis führten zu einem inneren Zusam­men­halt und zu einer bewusst unmiss­ver­ständ­li­chen Wei­ge­rung der Masse, irgend­eine Art von Ein­heit und Ver­bin­dung zur Ukraine auf­recht­zu­er­halten, die sich selbst als eine Nazi­gesell­schaft definierte.

 

Der Zeit­rahmen für die Ent­na­zi­fi­zie­rung kann auf keinen Fall kürzer sein als eine Genera­tion, die unter den Bedin­gungen der Ent­na­zi­fi­zie­rung geboren werden, wachsen und reifen muss. Die Nazi­fi­zie­rung der Ukraine dauert nun schon seit über 30 Jahren an – min­des­tens seit 1989, als der ukrai­ni­sche Natio­na­lismus einen legalen und legi­timen poli­ti­schen Aus­druck fand und die Bewe­gung für die “Unab­hän­gig­keit” in Rich­tung Natio­nal­so­zia­lismus führte.

 

Die Beson­der­heit der heu­tigen nazi­fi­zierten Ukraine ist ihr amor­pher und ambi­va­lenter Cha­rakter, der es ihr erlaubt, den Nazismus als Wunsch nach “Unab­hän­gig­keit” und einem “euro­päi­schen” (west­li­chen, pro-ame­ri­ka­ni­schen) Weg der “Ent­wick­lung” zu ver­schleiern (in Wirk­lich­keit ist es eine Degra­die­rung), zu behaupten, dass “es in der Ukraine keinen Nazismus gibt, son­dern nur pri­vate spo­ra­di­sche Exzesse”. Es gibt keine Haupt-Nazi-Partei, keinen Führer, keine voll­wer­tigen Ras­sen­ge­setze (nur eine abge­speckte Ver­sion in Form der Unter­drü­ckung der rus­si­schen Sprache). Infol­ge­dessen gibt es keine Oppo­si­tion und keinen Wider­stand gegen das Regime.

 

All dies macht den ukrai­ni­schen Natio­nal­so­zia­lismus jedoch nicht zu einer “Light-Ver­sion” des deut­schen Natio­nal­so­zia­lismus in der ersten Hälfte des zwan­zigsten Jahr­hun­derts. Im Gegen­teil – da der ukrai­ni­sche Natio­nal­so­zia­lismus frei von sol­chen “Genre”-Rahmen und ‑Ein­schrän­kungen ist, ent­faltet er sich frei als grund­le­gende Basis des gesamten Natio­nal­so­zia­lismus – als euro­päi­scher und, in seiner aus­ge­präg­testen Form, ame­ri­ka­ni­scher Ras­sismus. Daher kann die Ent­na­zi­fi­zie­rung nicht im Rahmen eines Kom­pro­misses erfolgen, der auf einer Formel wie “NATO – nein, EU – ja” beruht. Der kol­lek­tive Westen selbst ist der Kon­struk­teur, die Quelle und der Sponsor des ukrai­ni­schen Nazismus, wäh­rend die west­li­chen Ban­dera-Kader und ihr “his­to­ri­sches Gedächtnis” nur eines der Werk­zeuge der Nazi­fi­zie­rung der Ukraine sind. Der Ukro­na­zismus ist für den Frieden und Russ­land nicht weniger bedroh­lich als der deut­sche Natio­nal­so­zia­lismus in der Form Hitlers.

 

Der Name “Ukraine” kann offen­sicht­lich nicht als Bezeich­nung für ein voll­ständig ent­na­zi­fi­ziertes Staats­ge­bilde auf einem vom Nazi­re­gime befreiten Gebiet bei­be­halten werden. Die in den von den Nazis befreiten Gebieten neu gegrün­deten Volks­re­pu­bliken müssen und werden aus der Praxis der wirt­schaft­li­chen Selbst­ver­wal­tung und der sozialen Für­sorge, der Wie­der­her­stel­lung und Moder­ni­sie­rung der Lebens­grund­lagen der Bevöl­ke­rung erwachsen.

 

Ihre poli­ti­schen Bestre­bungen können kei­nes­falls neu­tral sein – die Wie­der­gut­ma­chung der Schuld gegen­über Russ­land, weil es als Feind behan­delt wurde, kann nur in Abhän­gig­keit von Russ­land in den Pro­zessen des Wie­der­auf­baus, der Erneue­rung und der Ent­wick­lung erfolgen. Ein “Mar­shall­plan” für diese Gebiete sollte nicht zuge­lassen werden. Es kann keine “Neu­tra­lität” im ideo­lo­gi­schen und prak­ti­schen Sinne geben, die mit einer Ent­na­zi­fi­zie­rung ver­einbar wäre. Die Kader und Orga­ni­sa­tionen, die die Instru­mente der Ent­na­zi­fi­zie­rung in den neuen ent­na­zi­fi­zierten Repu­bliken sind, können sich nur auf die direkte Macht und orga­ni­sa­to­ri­sche Unter­stüt­zung Russ­lands verlassen.

 

Die Ent­na­zi­fi­zie­rung wird unwei­ger­lich eine Ent-Ukrai­ni­sie­rung sein – eine Absage an die von den sowje­ti­schen Behörden ein­ge­lei­tete künst­liche Auf­blä­hung der eth­ni­schen Kom­po­nente der Selbst­iden­ti­fi­ka­tion der Bevöl­ke­rung in den Gebieten des his­to­ri­schen Malo­rossia und Novor­ossia. Als Instru­ment der kom­mu­nis­ti­schen Super­macht ver­waiste und ver­küm­merte der künst­liche Eth­no­zen­trismus auch nach dem Fall des Kom­mu­nismus nicht. Viel­mehr wurde er von einer anderen Super­macht (über­staat­li­chen Macht) über­nommen – der Super­macht des Wes­tens. Sie muss in ihre natür­li­chen Grenzen zurück­ge­führt und darf keine poli­ti­sche Funk­tion mehr haben.

 

Anders als etwa Geor­gien und die bal­ti­schen Länder ist die Ukraine, wie die Geschichte gezeigt hat, als Natio­nal­staat unmög­lich, und der Ver­such, einen sol­chen Staat “auf­zu­bauen”, führt unwei­ger­lich zum Natio­nal­so­zia­lismus. Das Ukrai­nertum ist eine künst­liche anti­rus­si­sche Kon­struk­tion ohne eigenen zivi­li­sa­to­ri­schen Inhalt, ein unter­ge­ord­netes Ele­ment einer fremden und ent­frem­deten Zivi­li­sa­tion. Die Ent­na­zi­fi­zie­rung an sich wird nicht aus­rei­chen, um die Ukraine zu ent­na­zi­fi­zieren – das Ban­dera-Ele­ment hat nur eine Deck­funk­tion, ist nur eine Ver­klei­dung für das euro­päi­sche Pro­jekt der Nazi-Ukraine, und so muss die Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine auch ihre unver­meid­liche Ent-Euro­päi­sie­rung sein.

 

Die ban­de­row­schen Füh­rungs­kräfte müssen besei­tigt werden; es ist unmög­lich, sie umzu­er­ziehen. Der gesell­schaft­liche “Sumpf”, der die Ban­dera-Spitze aktiv und passiv durch Han­deln und Nicht­han­deln unter­stützt hat, soll die Härten des Krieges über­stehen und die Erfah­rung als his­to­ri­sche Lek­tion und Sühne für seine Schuld ver­ar­beiten. Die­je­nigen, die das Nazi­re­gime nicht unter­stützt haben, die unter ihm und dem Krieg, den es im Don­bass ent­fes­selt hat, gelitten haben, müssen kon­so­li­diert und orga­ni­siert werden, sie müssen zur Stütze der neuen Regie­rung werden, sowohl ver­tikal als auch hori­zontal. Die his­to­ri­sche Erfah­rung zeigt, dass die Tra­gö­dien und Dramen der Kriegs­zeit letzt­lich den Völ­kern zugute kommen, die sich von der Rolle des Feindes Russ­lands ver­führen und mit­reißen ließen.

 

Die Ent­na­zi­fi­zie­rung als Ziel der spe­zi­ellen Mili­tär­ope­ra­tion selbst wird als mili­tä­ri­scher Sieg über das Kiewer Regime, die Befreiung der Gebiete von bewaff­neten Anhän­gern der Nazi­fi­zie­rung, die Aus­schal­tung unnach­gie­biger Nazis, die Ergrei­fung von Kriegs­ver­bre­chern und die Schaf­fung der sys­te­mi­schen Vor­aus­set­zungen für eine spä­tere Ent­na­zi­fi­zie­rung in Frie­dens­zeiten verstanden.

 

Diese wie­derum sollte mit der Orga­ni­sa­tion der lokalen Selbst­ver­wal­tung, der Polizei und der Ver­tei­di­gung beginnen, die von natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ele­menten gesäu­bert werden und auf deren Grund­lage die Grün­dungs­pro­zesse zur Schaf­fung einer neuen repu­bli­ka­ni­schen Staat­lich­keit ein­ge­leitet werden, wobei diese Staat­lich­keit in enger Zusam­men­ar­beit mit der rus­si­schen Ent­na­zi­fi­zie­rungs­be­hörde (die neu geschaffen oder z.B. aus Rossotrud­nichestvo umge­wan­delt wird) inte­griert wird und der repu­bli­ka­ni­sche Rege­lungs­rahmen (Gesetz­ge­bung) für die Ent­na­zi­fi­zie­rung unter rus­si­scher Kon­trolle ange­nommen wird, wobei die Grenzen und der Rahmen direkt fest­ge­legt werden. Russ­land sollte in dieser Hin­sicht als Hüter des Nürn­berger Pro­zesses auftreten.

 

All dies bedeutet, dass zur Errei­chung der Ziele der Ent­na­zi­fi­zie­rung die Unter­stüt­zung der Bevöl­ke­rung, ihr Über­gang zu Russ­land nach der Befreiung von Terror, Gewalt und ideo­lo­gi­schem Druck des Kiewer Regimes, nach der Auf­he­bung der infor­ma­tio­nellen Iso­la­tion, not­wendig ist. Natür­lich wird es einige Zeit dauern, bis sich die Men­schen von dem Schock der Mili­tär­ak­tion erholt haben und von den lang­fris­tigen Absichten Russ­lands über­zeugt sind – dass “sie nicht im Stich gelassen werden”. Es ist unmög­lich, im Voraus zu sagen, in wel­chen Gebieten diese Bevöl­ke­rungs­masse eine drin­gend benö­tigte Mehr­heit bilden wird. Es ist unwahr­schein­lich, dass die “katho­li­sche Pro­vinz” (West­ukraine, die fünf Regionen umfasst) zu den pro-rus­si­schen Gebieten gehört. Die Grenze des Aus­schlusses wird jedoch in der Praxis gefunden. Eine Russ­land feind­lich gesinnte, aber zwangs­neu­trale und ent­mi­li­ta­ri­sierte Ukraine mit offi­ziell ver­bo­tenem Natio­nal­so­zia­lismus wird schließ­lich zurück­bleiben. Russ­land­hasser werden dorthin gehen. Eine Garantie dafür, dass diese Rest-Ukraine neu­tral bleibt, sollte die Andro­hung einer sofor­tigen Fort­set­zung der Mili­tär­ope­ra­tion sein, wenn die auf­ge­führten Anfor­de­rungen nicht erfüllt werden. Dies würde wahr­schein­lich eine stän­dige rus­si­sche Mili­tär­prä­senz auf dem Ter­ri­to­rium des Landes erfor­dern. Von der Ent­frem­dungs­linie bis zur rus­si­schen Grenze wäre das Ter­ri­to­rium der poten­ti­ellen Inte­gra­tion in die rus­si­sche Zivi­li­sa­tion, die in ihrem inneren Wesen anti­fa­schis­tisch ist.

 

Die Ope­ra­tion zur Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine, die mit der mili­tä­ri­schen Phase begann, wird in Frie­dens­zeiten der glei­chen Logik der Phasen folgen wie die mili­tä­ri­sche Ope­ra­tion. Auf jeder dieser Stufen müssen unum­kehr­bare Ver­än­de­rungen erreicht werden, die das Ergebnis der ent­spre­chenden Phase sind. Die not­wen­digen ersten Schritte der Ent­na­zi­fi­zie­rung können wie folgt defi­niert werden:

 

- Liqui­die­rung der bewaff­neten natio­nal­so­zia­lis­ti­schen For­ma­tionen (gemeint sind alle bewaff­neten For­ma­tionen der Ukraine, ein­schließ­lich der AFU) sowie der mili­tä­ri­schen, Infor­ma­tions- und Bil­dungs­in­fra­struktur, die ihre Tätig­keit unterstützt;

- die Bil­dung einer Volks­selbst­ver­wal­tung und einer Polizei (für Ver­tei­di­gung und öffent­liche Ord­nung) in den befreiten Gebieten, um die Bevöl­ke­rung vor dem Terror der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grund­gruppen zu schützen

- die Ein­rich­tung eines rus­si­schen Informationsraums;

- Rück­nahme von Unter­richts­ma­te­ria­lien und Verbot von Bil­dungs­pro­grammen auf allen Ebenen, die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche ideo­lo­gi­sche Hal­tungen enthalten;

- Mas­sen­er­mitt­lungen zur Fest­stel­lung der per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tung für Kriegs­ver­bre­chen, Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit, Ver­brei­tung der NS-Ideo­logie und Unter­stüt­zung des NS-Regimes;

- Lustra­tion, Offen­le­gung der Namen von Kol­la­bo­ra­teuren des Nazi­re­gimes und ihrer Zwangs­ar­beit zum Wie­der­aufbau zer­störter Infra­struk­turen als Strafe für Nazi-Akti­vi­täten (aus dem Kreis der­je­nigen, die nicht mit der Todes­strafe oder einer Haft­strafe belegt werden)

- Ver­ab­schie­dung von pri­mären Ent­na­zi­fi­zie­rungs­maß­nahmen “von unten” auf lokaler Ebene unter rus­si­scher Kuratel, die jede Form der Wie­der­be­le­bung der NS-Ideo­logie verbieten;

- Die Errich­tung von Gedenk­stätten, Mahn­malen und Denk­mä­lern für die Opfer des ukrai­ni­schen Natio­nal­so­zia­lismus und die Bewah­rung des Andenkens an die Helden, die gegen ihn gekämpft haben;

- Die Auf­nahme einer Reihe von anti­fa­schis­ti­schen und ent­na­zi­fi­zie­renden Normen in die Ver­fas­sungen der neuen Volksrepubliken;

- Ein­rich­tung von stän­digen Ent­na­zi­fi­zie­rungs­stellen für einen Zeit­raum von 25 Jahren.

 

Russ­land wird bei der Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine keine Ver­bün­deten haben. Denn dies ist eine rein rus­si­sche Ange­le­gen­heit. Und auch, weil nicht nur die Ban­dera-Ver­sion der Nazi-Ukraine der Aus­rot­tung unter­worfen sein wird, son­dern auch und vor allem der west­liche Tota­li­ta­rismus, die auf­ge­zwun­genen Pro­gramme der zivi­li­sa­to­ri­schen Degra­die­rung und des Zusam­men­bruchs, die Mecha­nismen der Unter­ord­nung unter die Super­macht des Wes­tens und der USA.

 

Um den Plan der Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine umzu­setzen, muss Russ­land selbst end­lich seine pro-euro­päi­schen und pro-west­li­chen Illu­sionen auf­geben, um sich als letzte Instanz des Schutzes und der Bewah­rung jener Werte des his­to­ri­schen Europas (der Alten Welt) zu begreifen, die es ver­dient haben und die der Westen schließ­lich auf­ge­geben hat, nachdem er im Kampf um sich selbst ver­loren hat. Dieser Kampf setzte sich im 20. Jahr­hun­dert fort und mani­fes­tierte sich im Welt­krieg und in der Rus­si­schen Revo­lu­tion, die untrennbar mit­ein­ander ver­bunden waren.

 

Russ­land hat im zwan­zigsten Jahr­hun­dert alles getan, um den Westen zu retten. Es ver­wirk­lichte das wich­tigste west­liche Pro­jekt, die Alter­na­tive zum Kapi­ta­lismus, die die Natio­nal­staaten besiegte – das sozia­lis­ti­sche, rote Pro­jekt. Es hat den deut­schen Natio­nal­so­zia­lismus zer­schlagen, die mons­tröse Aus­ge­burt der Krise der west­li­chen Zivi­li­sa­tion. Der letzte Akt des rus­si­schen Altru­ismus war Russ­lands aus­ge­streckte Hand der Freund­schaft, für die Russ­land in den 1990er Jahren einen unge­heuren Schlag erhielt.

 

Alles, was Russ­land für den Westen getan hat, hat es auf seine eigenen Kosten getan, indem es die größten Opfer gebracht hat. Der Westen lehnte schließ­lich all diese Opfer ab, wer­tete Russ­lands Bei­trag zur Lösung der west­li­chen Krise ab und beschloss, sich an Russ­land für die selbstlos geleis­tete Hilfe zu rächen. Von nun an wird Russ­land seinen eigenen Weg gehen, ohne sich um das Schicksal des Wes­tens zu küm­mern, und dabei auf einem anderen Teil seines Erbes auf­bauen: der Füh­rungs­rolle im glo­balen Dekolonisierungsprozess.

 

Im Rahmen dieses Pro­zesses ver­fügt Russ­land über ein hohes Poten­zial für Part­ner­schaften und Bünd­nisse mit Län­dern, die der Westen jahr­hun­der­te­lang unter­drückt hat und die nicht die Absicht haben, erneut unter sein Joch zu geraten. Ohne die Opfer und den Kampf Russ­lands wären diese Länder nicht befreit worden. Die Ent­na­zi­fi­zie­rung der Ukraine ist gleich­zeitig ihre Deko­lo­ni­sie­rung, eine Tat­sache, die die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung ver­stehen muss, wenn sie beginnt, sich von den Gespens­tern, Ver­su­chungen und Abhän­gig­keiten der soge­nannten euro­päi­schen Wahl zu befreien.”

 

Tim­ofej Ser­ge­jcev (Phi­lo­soph, Metho­diker, Mit­glied des Zino­viev-Clubs bei der Nach­rich­ten­agentur Russia Today)

 

Komm. und Übers. Susanne Frank

 

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