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"Der Nationalismus ist als unheilbare Krankheit eine Konstante der serbischen Politik" - ein Meinungsbild des Journalisten Bojan Tončić zur Ukraine und den Präsidentschaftswahlen in Serbien

Posted on 2. April 2022 by Bojan Tončić
Diesen Sonntag, den 03.04 sind Präsidentschaftswahlen in Serbien, denen man für die Zukunft des gesamten Westbalkans eine große Rolle beimisst. Zu der Rolle des Ukraine-Kriegs in der Wahlkampagne und generell für Serbien führte novinki ein Interview mit dem Journalisten Bojan Točić. Er schreibt regelmäßig Kommentare bei "Al jazeera Balkans", ist Redakteur beim Portal "XXZ magazin" und außerdem Herausgeber des Mediendossiers der „Unabhängigen Vereinigung der Schriftsteller Serbiens“ (Serb.: „Nezavisno udruženje novinara Srbije“). Trotz regelmäßiger kleiner Proteste der russischen Diaspora (siehe u.a. „Rusi, Ukrajinci, Belorusi i Srbi zajedno protiv rata“) und der „Frauen in Schwarz“ (serb.: „Žene u crnom“) sind es leider vor allem Bilder von serbischen Putin-Unterstützer_innen, die in den letzten Wochen um die Welt gingen.

Diesen Sonntag, den 03.04 sind Präsidentschaftswahlen in Serbien, denen man für die Zukunft des gesamten Westbalkans eine große Rolle beimisst. Zu der Rolle des Ukraine-Kriegs in der Wahlkampagne und generell für Serbien führte novinki ein Interview mit dem Journalisten Bojan Točić. Er schreibt regelmäßig Kommentare bei "Al jazeera Balkans", ist Redakteur beim Portal "XXZ magazin" und außerdem Herausgeber des Mediendossiers der „Unabhängigen Vereinigung der Schriftsteller Serbiens“ (Serb.: „Nezavisno udruženje novinara Srbije“). Trotz regelmäßiger kleiner Proteste der russischen Diaspora (siehe „Rusi, Ukrajinci, Belorusi i Srbi zajedno protiv rata“) und der „Frauen in Schwarz“ (serb.: „Žene u crnom“) sind es leider vor allem Bilder von serbischen Putin-Unterstützer_innen, die in den letzten Wochen um die Welt gingen.

Das Interview im serbischen Original ist ⇒ hier nachzulesen.

Philine Bickhardt: Beschreiben Sie uns das politische Meinungsspektrum während des jetzigen Wahlkampfs. Was sind hier derzeit die Gegenkräfte in der serbischen Öffentlichkeit?

 

Bojan Tončić: Einerseits handelt es sich um eine von Korruption durchzogenen Regierung, die untrennbar mit kriminellen Milieus und militanten Gruppen verbunden sind, deren Arbeit sie fördert und sichert, indem sie diese gewalttätigen Gruppen als eine Art Prätorianergarde hält und gegen politische Gegner und Demonstranten einsetzt. Rücksichtsloses Ersticken von Institutionen, insbesondere der Justiz. Das Regime, das unvorstellbar reich wurde, schuf eine neue Klasse von Kriminellen, verschaffte ihnen Jobs, die aus dem Staatshaushalt bezahlt werden, gab riesige Geldsummen von Krediten aus, die sie unter ungünstigen Bedingungen von chinesischen und russischen Banken erhielt, da sie den chinesischen Unternehmen für deren Infrastrukturarbeiten erheblich mehr  zahlte, als deren Arbeit tatsächlich wert war. Außerdem verwirklichte das Regime einen verrückten Investitionszyklus, indem Fabriken mit umweltschädlicher Technologie eröffnet und ausländische Investoren aus der Staatskasse mit 10.000 Euro pro offene Stelle finanziert wurden. Investoren verschmutzen die Umwelt, und viele von ihnen gehen, sobald das vom Staat erhaltene Geld ausgeben ist. Auch der Anbau von Marihuana ist Staatsgeschäft geworden – die größte europäische Hanfplantage (Fall „Jovanjica“) befindet sich in Serbien, sie wurde von Arbeitern der serbischen Geheimpolizei betrieben.

 

Das ist nur ein Teil der Tätigkeiten, dank derer das Regime sein erfolgreiches Überleben sichert – die zweite Schiene dieser Arbeit ist mörderische Propaganda, tägliche Vergiftungen mit mythologischem Inhalt und nackte Lügen über das Wesen des Regimes. Andererseits hinken politische Parteien, die gegen dieses Regime sind, fast immer einen Schritt den Zügen der Regierung hinterher, entrechtet und informell ‚außerhalb des Gesetzes‘ geächtet, indem sie zu Terroristen oder ausländischen Söldnern (Anmerk. d. Red.: die in Serbien gängige Bezeichnung ist „Vaterlandsverräter und ausländischer Söldner“) erklärt werden, die angeblich von ausländischen Geheimdiensten bezahlt werden, um gegen das serbische Volk zu arbeiten. Mehrere Oppositionelle wurden verteufelt, und Tag ein Tag aus werden riesige Geldsummen erwähnt, die sie angeblich gestohlen hätten, ohne die Frage zu beantworten, warum denn die derzeitige Regierung keinen von ihnen hat vors Gericht führen oder ins Gefängnis schicken können. Der Rest der Opposition sind Vučićs Reserve-Oppositionsparteien, mehr oder weniger nationalistische gefärbt, also die extreme Rechte, die eine Atmosphäre der Angst schafft, Hass gegen Migranten, die LGBTQI+-Bevölkerung, Nichtregierungsorganisationen und echte Oppositionsparteien erzeugt.

 

P.B.: Ich bin sehr überrascht, wie langweilig dieser Wahlkampf ist. War das einmal anders?

 

B.T.: Der Wahlkampf ist nicht langweilig, aber er ist vorhersehbar. Das Regime nutzt alle verfügbaren Instrumente, die ich beschrieben habe, um durch die Kombination von Angst und Bestechung den Erfolg zu sichern, eine bedeutende parlamentarische Mehrheit und den Sieg in Belgrad zu erlangen, für den mehr als 40 Prozent der Staatsgelder ausgegeben werden. Alles für Vučićs unzweifelhaften Triumph bei den Präsidentschaftswahlen.

 

P.B.: Außer der linken ökologischen Bewegung „Moramo“ (dt. „Wir müssen“) scheinen die anderen Player bei den Wahlen nur eine abgespeckte Version des Vučić-Slogans „Frieden. Stabilität. Vucic.“ (serb.: „Mir. Stabilnost. Vučić.”) abzugeben. Beispielsweise sehen die überall im Stadtbild sichtbaren Wahlplakate der Parteien „Patrioten Serbiens“, „Souveränisten“ und anderer mit den Farben der serbischen Flagge nahezu gleich aus. Alle zeugen sie von nationalen oder nationalistischen Wahlprogrammen. Warum ist das so?

 

Demonstration auf dem Platz der Republik, 6. März, © Philine Bickhardt.

B.T.: Nationalismus ist als unheilbare Krankheit eine Konstante in der serbischen Politik; bei diesen Wahlen gibt es wahre Stimmen der Vernunft in den Koalitionen „Vereinigt für den Sieg Serbiens“ (serb.: „Ujedinjeni za pobedu Srbije“), die stärkste Oppositionsgruppe, und „Moramo“ (laut Meinungsumfragen werden sie ins Parlament einziehen), wie die Bewegung mit dem dummen und einfallslosen Namen "Wir geben Belgrad nicht auf" (serb.: „De davimo Beograd“), in dem sich unbelastete junge Menschen befinden. Sie sprechen offen über den Völkermord in Srebrenica und die von Serben begangenen Kriegsverbrechen.

 

Auf der anderen Seite ist der Präsidentschaftskandidat der Koalition „Vereinigt für den Sieg Serbiens“ der pensionierte General Zdravko Ponoš, der immer noch von dem wegen Völkermord verurteilten General Ratko Mladić fasziniert ist, der für ihn ein „bodenständiger, wahrer Offizier“ (frei übersetzt nach „oficirčina“) ist. Leider gibt es viele Nationalisten in der Opposition, einige sind ungebildet, andere zeigen völlige Ignoranz, und es gibt diejenigen, die die Träume von einem Serbien nicht aufgeben, für das diejenigen, die keine Serben sind, vor weniger als 30 Jahren in einem Wahnsinn getötet wurden; ein verrücktes, wildes und unzivilisiertes Unterfangen, an dem die Bundesarmee des ehemaligen Jugoslawiens, die serbische Polizei, Freiwillige, Desperados, „Wochenendkrieger“ (serb.: „vikend-ratnici“)  teilnahmen. Das alles haben die Bürger Serbiens aus dem Staatshaushalt bezahlt, viele haben an diesen Kriegen teilgenommen, einige haben dafür gestimmt. Komplizenschaft ist eine schwere Hypothek.

 

P.B.: Putins Rechtfertigung des brutalen Angriffskrieges unter dem Deckmantel der „Entnazifizierung“ ist eine Relativierung der Shoah und der Verbrechen Hitlerdeutschlands im Zweiten Weltkrieg. Bezogen auf den Krieg in der Ukraine ist es auch eine Umkehrung von Opfern und Tätern. Warum wird darüber nicht geredet? Wo ist das antifaschistische jugoslawische Erbe der „Brüderlichkeit und Einheit“ gegen den Faschismus geblieben? 

 

B.T.: Die Tatsache, dass es keine Diskussion der Putinschen Propaganda wie z.B. der "Entnazifizierung" gibt, die Sie erwähnen, ist irrelevant. Vučić hat sein eigenes Wörterbuch. Zweitens gibt es keine Relativierung der Hitler-Verbrechen in Serbien, sondern es gibt eine neue, verzerrte, revisionistische Geschichte, die sich mit den Siegern, den Partisanen von Josip Broz Tito, beschäftigt. Das machen die Rechten und Nationalisten.Es gibt keine „Brüderlichkeit und Einheit“ des Regimes in Russland und Serbien gegen den Faschismus, es gibt nur ihre Verbindung im Widerstand gegen die Werte der Zivilisation. Deklarativ nennen sich sowohl Russland als auch Serbien heute antifaschistische Staaten und stellen sich in die Tradition der Gewinner des Zweiten Weltkriegs, aber heute werden sie von Regimen regiert, die mit dem Faschismus verglichen werden können. 

 

P.B.: In Serbien hat die offizielle russische Seite viel Zustimmung erhalten – auch in der Bevölkerung. Am 24. März, dem Tag, an dem die Bombardierung Belgrads begann und einen Monat nach dem Angriff auf die Ukraine, demonstrierten Tausende Menschen gegen die NATO und für Russland. Ich habe den Eindruck, dass hier eine Ablehnung der NATO immer automatisch mit der Unterstützung Russlands einhergeht. Wie lässt sich das erklären? Wie erklären Sie sich diese breite Unterstützung für Russland?

 

B.T.: Es gibt keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wie Menschen, die den Bombenangriffen ausgesetzt waren (wir sprechen hier nicht über die Gründe), keine Empathie für Zivilisten, Kinder und Hilflose übrig haben, die in der Ukraine leiden. Ich persönlich kann nicht als vollständige Antwort akzeptieren, dass es die Propaganda ist. Ich kann mir vorstellen, dass es sich um eine schwere kollektive Pathologie handelt, und um die permanente Faszination für Russland und seine Stärke, um die Notwendigkeit, auf der Seite des Gewinners zu stehen... Natürlich kann nichts diese Unmenschlichkeit erklären; es mag zynisch erscheinen, aber als würde Serbien daran erinnert werden, wie geisteskrank und barbarisch es Vukovar, Dubrovnik zerstört hat, wie es Sarajevo getötet hat… Aber vielleicht bedeutet die russische Aggression gegen die Ukraine auch die Legitimierung der serbischen Aggressionskampagnen in Kroatien und Bosnien und Herzegowina über die Ermordung und Verfolgung von Albanern aus dem Kosovo.

Am wichtigsten ist natürlich die Verbindung zwischen Serbien und Russland, und zwar die Verbindung, auf der Serbien besteht, während Russland die Interessen Serbiens als gleichgültig betrachtet.

 

P.B.: Die deutschsprachigen Medien und deutsche Regierung sprechen von einer „Zäsur“ in der europäischen Geschichte: Das international ratifizierte Recht auf Souveränität und Unabhängigkeit eines Staates ist mit Russlands Angriff auf die Ukraine nun erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gebrochen worden. Was denken Sie darüber?

 

B.T.: Es ist insofern falsch, als Slowenien und Kroatien gleich zu Beginn des serbischen Hegemonialkampfs zunächst die Abspaltung von Jugoslawien wollten, es also nicht das erste Mal ist, dass eine Nation Selbstbestimmung will (und im Gegenzug den Krieg bekommt). In Slowenien gab es einen zehntägigen Konflikt geringer Intensität und in Kroatien einen schweren Krieg. Wie später in Bosnien und Herzegowina, das ebenfalls seine Unabhängigkeit erklärte. Der gemeinsame Nenner ist Gewalt, vorher Serbiens, heute Russlands. Außerdem ist Russland viel stärker und besser bewaffnet. Schließlich denke ich, dass die Aussage eines der Analysten, der Putin als Milošević mit einer Atombombe bezeichnete, richtig ist.

 

© 2022, Nicolas Moll.

P.B.: Die Belagerung von Sarajevo fand 1992 statt. Universitäten und NGOs in Deutschland diskutieren nun Formate, wie die Erfahrungen der zivilgesellschaftlichen Antikriegsbewegung in Jugoslawien auf die aktuelle Situation übertragen werden können und planen nächste Woche ein Panel mit dem Titel "Bosnien 1992 - Ukraine 2022: Zivilgesellschaftliche Antworten auf den Krieg" (Der 6. April war der Beginn der Belagerung 1992 und des Angriffs der deutschen "Wehrmacht" 1941). Was kann ein solcher „Transfer“ von Antikriegsbewegungen und deren Erfahrungen bringen?

 

B.T.: Außerhalb Serbiens ist wenig über die Antikriegsbewegung in Serbien bekannt (in der Produktion bei "Al Jazeera Balkans" beginnt bald die Realisierung eines Dokumentarfilms, dessen Co-Szenarist ich bin, über die Antikriegsbewegung in Serbien und Erscheinungsformen von Protesten, vom Rock'n' Roll zu Tribünen der Intellektuellen). Diese Bewegung bestand aus feministischen Organisationen (sie versteckten Deserteure, die nicht nach Kroatien in den Krieg ziehen wollten), Bewegungen, Einzelpersonen, eine Ad-hoc-Rockband nahm eine Single mit dem Titelsong „Friede, Bruder, Friede!“ auf. Etwa hunderttausend Belgrader entwickelten im Zentrum der Stadt, vom Slavija-Platz bis Terazije, schwarze Flora als Zeichen der Ehrfurcht vor den gefallenen Bürgern von Sarajevo ...

 

Proukrainische Demonstration der russischsprachigen Diaspora auf dem Platz der Republik in Belgrad, 20.30.2022, © Peter Nikitin.

Heute, während die Ukraine brennt, Zivilisten leiden, Städte zerstört werden, bin ich überzeugt, dass die Antikriegsbewegung europäisch werden muss, sie muss die europäische Bürokratie, das Europäische Parlament und führende Politiker erschüttern; sie muss ihre Trompeten unter den Fenstern blasen, dass ihnen keine Ruhepause erlaubt wird, solange sie keine Lösung finden, die das Leiden der Menschen beendet.

 

P.B.: Das Putin-Regime hat sich wiederholt als enger Verbündeter der geschichtsrevisionistischen, populistischen Kräfte in Serbien und Bosnien und Herzegowina präsentiert und kürzlich sogar offen die westlichen Verbündeten des Staates BiH bedroht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der brutale, kriegerische Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine in BiH und der weiteren Region besonders große Besorgnis ausgelöst hat – bis hin zur Retraumatisierung. Wie schätzen Sie das Risiko ein?

 

B.T.: Genau das meine ich, zu keinem Zeitpunkt machen wir uns die Gefahr eines neuen Krieges in Bosnien und Herzegowina klar und stellen uns nicht die Frage, wer und womit kämpfen könnte. Als die Frage 1992 das letzte Mal gestellt wurde, waren die Serben bereits bewaffnet, 20.000 von ihnen standen über Sarajevo. Von Milorad Dodik (Präsident der „Republika Srpska“ von 2010 bis 2018) geht derzeit größte Gefahr aus, und ich bin entsetzt über die Haltung einiger bosniakischer Politiker, die beharrlich sagen, Dodik gehöre der Vergangenheit an. Mit Hilfe der Logistik aus Belgrad (Vučić verzichtet nicht auf ihn, er zeigt ihm sogar große Zuneigung), aber auch aus Moskau, kann sich dieser gefährliche Verbrecher (Milorad Dodik) in einen neuen Radovan Karadžić verwandeln.Derzeit sollten Tausende Soldaten der internationalen Friedenstruppe in Sarajevo und in allen Städten in Bosnien und Herzegowina stationiert sein.

Bildquelle des Beitragsbildes: © Bojan Točić.

"Der Nationalismus ist als unheilbare Krankheit eine Konstante der serbischen Politik" - ein Meinungsbild des Journalisten Bojan Tončić zur Ukraine und den Präsidentschaftswahlen in Serbien – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

“Der Natio­na­lismus ist als unheil­bare Krank­heit eine Kon­stante der ser­bi­schen Politik” – ein Mei­nungs­bild des Jour­na­listen Bojan Tončić zur Ukraine und den Prä­si­dent­schafts­wahlen in Serbien

Diesen Sonntag, den 03.04 sind Prä­si­dent­schafts­wahlen in Ser­bien, denen man für die Zukunft des gesamten West­bal­kans eine große Rolle bei­misst. Zu der Rolle des Ukraine-Kriegs in der Wahl­kam­pagne und gene­rell für Ser­bien führte novinki ein Inter­view mit dem Jour­na­listen Bojan Točić. Er schreibt regel­mäßig Kom­men­tare bei “Al jazeera Bal­kans”, ist Redak­teur beim Portal “XXZ magazin” und außerdem Her­aus­geber des Medi­en­dos­siers der „Unab­hän­gigen Ver­ei­ni­gung der Schrift­steller Ser­biens“ (Serb.: „Neza­visno udruženje novinara Srbije“). Trotz regel­mä­ßiger kleiner Pro­teste der rus­si­schen Dia­spora (siehe „Rusi, Ukra­jinci, Belo­rusi i Srbi zajedno protiv rata“) und der „Frauen in Schwarz“ (serb.: „Žene u crnom“) sind es leider vor allem Bilder von ser­bi­schen Putin-Unter­stüt­zer_innen, die in den letzten Wochen um die Welt gingen.

Das Inter­view im ser­bi­schen Ori­ginal ist ⇒ hier nach­zu­lesen.

Phi­line Bick­hardt: Beschreiben Sie uns das poli­ti­sche Mei­nungs­spek­trum wäh­rend des jet­zigen Wahl­kampfs. Was sind hier der­zeit die Gegen­kräfte in der ser­bi­schen Öffentlichkeit?

 

Bojan Tončić: Einer­seits han­delt es sich um eine von Kor­rup­tion durch­zo­genen Regie­rung, die untrennbar mit kri­mi­nellen Milieus und mili­tanten Gruppen ver­bunden sind, deren Arbeit sie för­dert und sichert, indem sie diese gewalt­tä­tigen Gruppen als eine Art Prä­to­ria­ner­garde hält und gegen poli­ti­sche Gegner und Demons­tranten ein­setzt. Rück­sichts­loses Ersti­cken von Insti­tu­tionen, ins­be­son­dere der Justiz. Das Regime, das unvor­stellbar reich wurde, schuf eine neue Klasse von Kri­mi­nellen, ver­schaffte ihnen Jobs, die aus dem Staats­haus­halt bezahlt werden, gab rie­sige Geld­summen von Kre­diten aus, die sie unter ungüns­tigen Bedin­gungen von chi­ne­si­schen und rus­si­schen Banken erhielt, da sie den chi­ne­si­schen Unter­nehmen für deren Infra­struk­tur­ar­beiten erheb­lich mehr  zahlte, als deren Arbeit tat­säch­lich wert war. Außerdem ver­wirk­lichte das Regime einen ver­rückten Inves­ti­ti­ons­zy­klus, indem Fabriken mit umwelt­schäd­li­cher Tech­no­logie eröffnet und aus­län­di­sche Inves­toren aus der Staats­kasse mit 10.000 Euro pro offene Stelle finan­ziert wurden. Inves­toren ver­schmutzen die Umwelt, und viele von ihnen gehen, sobald das vom Staat erhal­tene Geld aus­geben ist. Auch der Anbau von Mari­huana ist Staats­ge­schäft geworden – die größte euro­päi­sche Hanf­plan­tage (Fall „Jovan­jica“) befindet sich in Ser­bien, sie wurde von Arbei­tern der ser­bi­schen Geheim­po­lizei betrieben.

 

Das ist nur ein Teil der Tätig­keiten, dank derer das Regime sein erfolg­rei­ches Über­leben sichert – die zweite Schiene dieser Arbeit ist mör­de­ri­sche Pro­pa­ganda, täg­liche Ver­gif­tungen mit mytho­lo­gi­schem Inhalt und nackte Lügen über das Wesen des Regimes. Ande­rer­seits hinken poli­ti­sche Par­teien, die gegen dieses Regime sind, fast immer einen Schritt den Zügen der Regie­rung hin­terher, ent­rechtet und infor­mell ‚außer­halb des Gesetzes‘ geächtet, indem sie zu Ter­ro­risten oder aus­län­di­schen Söld­nern (Anmerk. d. Red.: die in Ser­bien gän­gige Bezeich­nung ist „Vater­lands­ver­räter und aus­län­di­scher Söldner“) erklärt werden, die angeb­lich von aus­län­di­schen Geheim­diensten bezahlt werden, um gegen das ser­bi­sche Volk zu arbeiten. Meh­rere Oppo­si­tio­nelle wurden ver­teu­felt, und Tag ein Tag aus werden rie­sige Geld­summen erwähnt, die sie angeb­lich gestohlen hätten, ohne die Frage zu beant­worten, warum denn die der­zei­tige Regie­rung keinen von ihnen hat vors Gericht führen oder ins Gefängnis schi­cken können. Der Rest der Oppo­si­tion sind Vučićs Reserve-Oppo­si­ti­ons­par­teien, mehr oder weniger natio­na­lis­ti­sche gefärbt, also die extreme Rechte, die eine Atmo­sphäre der Angst schafft, Hass gegen Migranten, die LGBTQI+-Bevölkerung, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und echte Oppo­si­ti­ons­par­teien erzeugt.

 

P.B.: Ich bin sehr über­rascht, wie lang­weilig dieser Wahl­kampf ist. War das einmal anders?

 

B.T.: Der Wahl­kampf ist nicht lang­weilig, aber er ist vor­her­sehbar. Das Regime nutzt alle ver­füg­baren Instru­mente, die ich beschrieben habe, um durch die Kom­bi­na­tion von Angst und Bestechung den Erfolg zu sichern, eine bedeu­tende par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit und den Sieg in Bel­grad zu erlangen, für den mehr als 40 Pro­zent der Staats­gelder aus­ge­geben werden. Alles für Vučićs unzwei­fel­haften Tri­umph bei den Präsidentschaftswahlen.

 

P.B.: Außer der linken öko­lo­gi­schen Bewe­gung „Moramo“ (dt. „Wir müssen“) scheinen die anderen Player bei den Wahlen nur eine abge­speckte Ver­sion des Vučić-Slo­gans „Frieden. Sta­bi­lität. Vucic.“ (serb.: „Mir. Sta­bil­nost. Vučić.”) abzu­geben. Bei­spiels­weise sehen die überall im Stadt­bild sicht­baren Wahl­pla­kate der Par­teien „Patrioten Ser­biens“, „Sou­ve­rä­nisten“ und anderer mit den Farben der ser­bi­schen Flagge nahezu gleich aus. Alle zeugen sie von natio­nalen oder natio­na­lis­ti­schen Wahl­pro­grammen. Warum ist das so?

 

Demons­tra­tion auf dem Platz der Repu­blik, 6. März, © Phi­line Bickhardt.

B.T.: Natio­na­lismus ist als unheil­bare Krank­heit eine Kon­stante in der ser­bi­schen Politik; bei diesen Wahlen gibt es wahre Stimmen der Ver­nunft in den Koali­tionen „Ver­ei­nigt für den Sieg Ser­biens“ (serb.: „Ujedin­jeni za pobedu Srbije“), die stärkste Oppo­si­ti­ons­gruppe, und „Moramo“ (laut Mei­nungs­um­fragen werden sie ins Par­la­ment ein­ziehen), wie die Bewe­gung mit dem dummen und ein­falls­losen Namen “Wir geben Bel­grad nicht auf” (serb.: „De davimo Beo­grad“), in dem sich unbe­las­tete junge Men­schen befinden. Sie spre­chen offen über den Völ­ker­mord in Sre­bre­nica und die von Serben began­genen Kriegsverbrechen.

 

Auf der anderen Seite ist der Prä­si­dent­schafts­kan­didat der Koali­tion „Ver­ei­nigt für den Sieg Ser­biens“ der pen­sio­nierte General Zdravko Ponoš, der immer noch von dem wegen Völ­ker­mord ver­ur­teilten General Ratko Mladić fas­zi­niert ist, der für ihn ein „boden­stän­diger, wahrer Offi­zier“ (frei über­setzt nach „ofi­cirčina“) ist. Leider gibt es viele Natio­na­listen in der Oppo­si­tion, einige sind unge­bildet, andere zeigen völ­lige Igno­ranz, und es gibt die­je­nigen, die die Träume von einem Ser­bien nicht auf­geben, für das die­je­nigen, die keine Serben sind, vor weniger als 30 Jahren in einem Wahn­sinn getötet wurden; ein ver­rücktes, wildes und unzi­vi­li­siertes Unter­fangen, an dem die Bun­des­armee des ehe­ma­ligen Jugo­sla­wiens, die ser­bi­sche Polizei, Frei­wil­lige, Despe­rados, „Wochen­end­krieger“ (serb.: „vikend-rat­nici“)  teil­nahmen. Das alles haben die Bürger Ser­biens aus dem Staats­haus­halt bezahlt, viele haben an diesen Kriegen teil­ge­nommen, einige haben dafür gestimmt. Kom­pli­zen­schaft ist eine schwere Hypothek.

 

P.B.: Putins Recht­fer­ti­gung des bru­talen Angriffs­krieges unter dem Deck­mantel der „Ent­na­zi­fi­zie­rung“ ist eine Rela­ti­vie­rung der Shoah und der Ver­bre­chen Hit­ler­deutsch­lands im Zweiten Welt­krieg. Bezogen auf den Krieg in der Ukraine ist es auch eine Umkeh­rung von Opfern und Tätern. Warum wird dar­über nicht geredet? Wo ist das anti­fa­schis­ti­sche jugo­sla­wi­sche Erbe der „Brü­der­lich­keit und Ein­heit“ gegen den Faschismus geblieben? 

 

B.T.: Die Tat­sache, dass es keine Dis­kus­sion der Put­in­schen Pro­pa­ganda wie z.B. der “Ent­na­zi­fi­zie­rung” gibt, die Sie erwähnen, ist irrele­vant. Vučić hat sein eigenes Wör­ter­buch. Zwei­tens gibt es keine Rela­ti­vie­rung der Hitler-Ver­bre­chen in Ser­bien, son­dern es gibt eine neue, ver­zerrte, revi­sio­nis­ti­sche Geschichte, die sich mit den Sie­gern, den Par­ti­sanen von Josip Broz Tito, beschäf­tigt. Das machen die Rechten und Nationalisten.Es gibt keine „Brü­der­lich­keit und Ein­heit“ des Regimes in Russ­land und Ser­bien gegen den Faschismus, es gibt nur ihre Ver­bin­dung im Wider­stand gegen die Werte der Zivi­li­sa­tion. Dekla­rativ nennen sich sowohl Russ­land als auch Ser­bien heute anti­fa­schis­ti­sche Staaten und stellen sich in die Tra­di­tion der Gewinner des Zweiten Welt­kriegs, aber heute werden sie von Regimen regiert, die mit dem Faschismus ver­gli­chen werden können. 

 

P.B.: In Ser­bien hat die offi­zi­elle rus­si­sche Seite viel Zustim­mung erhalten – auch in der Bevöl­ke­rung. Am 24. März, dem Tag, an dem die Bom­bar­die­rung Bel­grads begann und einen Monat nach dem Angriff auf die Ukraine, demons­trierten Tau­sende Men­schen gegen die NATO und für Russ­land. Ich habe den Ein­druck, dass hier eine Ableh­nung der NATO immer auto­ma­tisch mit der Unter­stüt­zung Russ­lands ein­her­geht. Wie lässt sich das erklären? Wie erklären Sie sich diese breite Unter­stüt­zung für Russland?

 

B.T.: Es gibt keine zufrie­den­stel­lende Ant­wort auf die Frage, wie Men­schen, die den Bom­ben­an­griffen aus­ge­setzt waren (wir spre­chen hier nicht über die Gründe), keine Empa­thie für Zivi­listen, Kinder und Hilf­lose übrig haben, die in der Ukraine leiden. Ich per­sön­lich kann nicht als voll­stän­dige Ant­wort akzep­tieren, dass es die Pro­pa­ganda ist. Ich kann mir vor­stellen, dass es sich um eine schwere kol­lek­tive Patho­logie han­delt, und um die per­ma­nente Fas­zi­na­tion für Russ­land und seine Stärke, um die Not­wen­dig­keit, auf der Seite des Gewin­ners zu stehen… Natür­lich kann nichts diese Unmensch­lich­keit erklären; es mag zynisch erscheinen, aber als würde Ser­bien daran erin­nert werden, wie geis­tes­krank und bar­ba­risch es Vukovar, Dubrovnik zer­stört hat, wie es Sara­jevo getötet hat… Aber viel­leicht bedeutet die rus­si­sche Aggres­sion gegen die Ukraine auch die Legi­ti­mie­rung der ser­bi­schen Aggres­si­ons­kam­pa­gnen in Kroa­tien und Bos­nien und Her­ze­go­wina über die Ermor­dung und Ver­fol­gung von Alba­nern aus dem Kosovo.

Am wich­tigsten ist natür­lich die Ver­bin­dung zwi­schen Ser­bien und Russ­land, und zwar die Ver­bin­dung, auf der Ser­bien besteht, wäh­rend Russ­land die Inter­essen Ser­biens als gleich­gültig betrachtet.

 

P.B.: Die deutsch­spra­chigen Medien und deut­sche Regie­rung spre­chen von einer „Zäsur“ in der euro­päi­schen Geschichte: Das inter­na­tional rati­fi­zierte Recht auf Sou­ve­rä­nität und Unab­hän­gig­keit eines Staates ist mit Russ­lands Angriff auf die Ukraine nun erst­mals seit dem Zweiten Welt­krieg gebro­chen worden. Was denken Sie darüber?

 

B.T.: Es ist inso­fern falsch, als Slo­we­nien und Kroa­tien gleich zu Beginn des ser­bi­schen Hege­mo­ni­al­kampfs zunächst die Abspal­tung von Jugo­sla­wien wollten, es also nicht das erste Mal ist, dass eine Nation Selbst­be­stim­mung will (und im Gegenzug den Krieg bekommt). In Slo­we­nien gab es einen zehn­tä­gigen Kon­flikt geringer Inten­sität und in Kroa­tien einen schweren Krieg. Wie später in Bos­nien und Her­ze­go­wina, das eben­falls seine Unab­hän­gig­keit erklärte. Der gemein­same Nenner ist Gewalt, vorher Ser­biens, heute Russ­lands. Außerdem ist Russ­land viel stärker und besser bewaffnet. Schließ­lich denke ich, dass die Aus­sage eines der Ana­lysten, der Putin als Milošević mit einer Atom­bombe bezeich­nete, richtig ist.

 

© 2022, Nicolas Moll.

P.B.: Die Bela­ge­rung von Sara­jevo fand 1992 statt. Uni­ver­si­täten und NGOs in Deutsch­land dis­ku­tieren nun For­mate, wie die Erfah­rungen der zivil­ge­sell­schaft­li­chen Anti­kriegs­be­we­gung in Jugo­sla­wien auf die aktu­elle Situa­tion über­tragen werden können und planen nächste Woche ein Panel mit dem Titel Bos­nien 1992 – Ukraine 2022: Zivil­ge­sell­schaft­liche Ant­worten auf den Krieg” (Der 6. April war der Beginn der Bela­ge­rung 1992 und des Angriffs der deut­schen “Wehr­macht” 1941). Was kann ein sol­cher „Transfer“ von Anti­kriegs­be­we­gungen und deren Erfah­rungen bringen?

 

B.T.: Außer­halb Ser­biens ist wenig über die Anti­kriegs­be­we­gung in Ser­bien bekannt (in der Pro­duk­tion bei “Al Jazeera Bal­kans” beginnt bald die Rea­li­sie­rung eines Doku­men­tar­films, dessen Co-Sze­na­rist ich bin, über die Anti­kriegs­be­we­gung in Ser­bien und Erschei­nungs­formen von Pro­testen, vom Rock’n’ Roll zu Tri­bünen der Intel­lek­tu­ellen). Diese Bewe­gung bestand aus femi­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tionen (sie ver­steckten Deser­teure, die nicht nach Kroa­tien in den Krieg ziehen wollten), Bewe­gungen, Ein­zel­per­sonen, eine Ad-hoc-Rock­band nahm eine Single mit dem Titel­song „Friede, Bruder, Friede!“ auf. Etwa hun­dert­tau­send Bel­grader ent­wi­ckelten im Zen­trum der Stadt, vom Sla­vija-Platz bis Tera­zije, schwarze Flora als Zei­chen der Ehr­furcht vor den gefal­lenen Bür­gern von Sarajevo …

 

Pro­u­krai­ni­sche Demons­tra­tion der rus­sisch­spra­chigen Dia­spora auf dem Platz der Repu­blik in Bel­grad, 20.30.2022, © Peter Nikitin.

Heute, wäh­rend die Ukraine brennt, Zivi­listen leiden, Städte zer­stört werden, bin ich über­zeugt, dass die Anti­kriegs­be­we­gung euro­pä­isch werden muss, sie muss die euro­päi­sche Büro­kratie, das Euro­päi­sche Par­la­ment und füh­rende Poli­tiker erschüt­tern; sie muss ihre Trom­peten unter den Fens­tern blasen, dass ihnen keine Ruhe­pause erlaubt wird, solange sie keine Lösung finden, die das Leiden der Men­schen beendet.

 

P.B.: Das Putin-Regime hat sich wie­der­holt als enger Ver­bün­deter der geschichts­re­vi­sio­nis­ti­schen, popu­lis­ti­schen Kräfte in Ser­bien und Bos­nien und Her­ze­go­wina prä­sen­tiert und kürz­lich sogar offen die west­li­chen Ver­bün­deten des Staates BiH bedroht. Daher ist es nicht ver­wun­der­lich, dass der bru­tale, krie­ge­ri­sche Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine in BiH und der wei­teren Region beson­ders große Besorgnis aus­ge­löst hat – bis hin zur Ret­rau­ma­ti­sie­rung. Wie schätzen Sie das Risiko ein?

 

B.T.: Genau das meine ich, zu keinem Zeit­punkt machen wir uns die Gefahr eines neuen Krieges in Bos­nien und Her­ze­go­wina klar und stellen uns nicht die Frage, wer und womit kämpfen könnte. Als die Frage 1992 das letzte Mal gestellt wurde, waren die Serben bereits bewaffnet, 20.000 von ihnen standen über Sara­jevo. Von Mil­orad Dodik (Prä­si­dent der „Repu­blika Srpska“ von 2010 bis 2018) geht der­zeit größte Gefahr aus, und ich bin ent­setzt über die Hal­tung einiger bos­nia­ki­scher Poli­tiker, die beharr­lich sagen, Dodik gehöre der Ver­gan­gen­heit an. Mit Hilfe der Logistik aus Bel­grad (Vučić ver­zichtet nicht auf ihn, er zeigt ihm sogar große Zunei­gung), aber auch aus Moskau, kann sich dieser gefähr­liche Ver­bre­cher (Mil­orad Dodik) in einen neuen Radovan Kara­džić verwandeln.Derzeit sollten Tau­sende Sol­daten der inter­na­tio­nalen Frie­dens­truppe in Sara­jevo und in allen Städten in Bos­nien und Her­ze­go­wina sta­tio­niert sein.

Bild­quelle des Bei­trags­bildes: © Bojan Točić.