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„Diesmal war mir klar, dass die Menschen ‚erwacht‘ waren.“ - ein Gespräch mit Vitalij Aleksejonok

Posted on 22. November 2021 by Timo Daus
Der aus Belarus stammende und in Deutschland lebende Dirigent Vitalij Aleksejonok [Vitali Alekseenok] war von der - wie er schreibt - „maßlosen Ungerechtigkeit und skrupellosen Gesetzlosigkeit“ bereits bei der Vorbereitung der Wahlen 2020 in Belarus so tief erschüttert, dass er dann im August nach Minsk reiste, um solidarisch an den dortigen Protesten teilzunehmen. Mit „Die weißen Tage von Minsk. Unser Traum von einem freien Belarus“ tritt er erstmals als Autor in die Öffentlichkeit und liefert auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen nicht nur eine Chronik, sondern auch ein nachfühlbares Zeugnis der elektrisierend-verbindenden Emotionen der belarusischen Freiheitsbewegung. 

Der aus Belarus stammende und in Deutschland lebende Dirigent Vitalij Aleksejonok  war von der - wie er schreibt - „maßlosen Ungerechtigkeit und skrupellosen Gesetzlosigkeit“ bereits bei der Vorbereitung der Wahlen 2020 in Belarus so tief erschüttert, dass er dann im August nach Minsk reiste, um solidarisch an den dortigen Protesten teilzunehmen. Mit „Die weißen Tage von Minsk. Unser Traum von einem freien Belarus“ tritt er erstmals als Autor in die Öffentlichkeit und liefert auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen nicht nur eine Chronik, sondern auch ein nachfühlbares Zeugnis der elektrisierend-verbindenden Emotionen der belarusischen Freiheitsbewegung. 

 

Timo Daus: Vitalij Aleksejonok, mit Ihrem Buch „Die weißen Tage von Minsk“ sind Sie neben Ihrer künstlerischen Tätigkeit als Dirigent auch Autor eines politischen Buches. Wie haben Sie es geschafft, die Emotionen der Protestbewegung in Belarus so eindrücklich an uns Leser_innen weiterzugeben?

Vitalij Aleksejonok: Ich bin Musiker, aktiver Leser, aber kein Schriftsteller. Allerdings hat mir meine Arbeit als Dirigent beim Verfassen des Buchs sehr geholfen. Als Dirigent bin ich es gewohnt, eine dramaturgische Verbindung von Inhalt und Form zu schaffen und gleichzeitig die Wirkung der Präsentation eines Werkes vorauszudenken. Beim Schreiben habe ich sehr viel „learning by doing“ praktiziert, hatte aber immer das Inhaltliche, also meine Eindrücke und Erlebnisse während der Proteste in Belarus, als Leitlinie vor Augen. Ohne selbst die Bewegung live miterlebt zu haben, ohne die Emotionen gefühlt zu haben, hätte ich es nicht gewagt, ein Buch zu veröffentlichen. Den ersten Entwurf habe ich auf Russisch geschrieben und unserer Nobelpreisträgerin Svjatlana Aleksievič mit der Bitte um Durchsicht gegeben. Neben meinen Lektoren war sie die allererste Leserin.

Der 1991 in der Nähe von Minsk geborene Dirigent Vitalij Aleksejonok ging 2011 nach Sankt Petersburg, um am dortigen Konservatorium zu studieren. Aktuell ist er Dirigent sowie künstlerischer Leiter des Abaco-Sinfonieorchesters in München, einem seit mehr als 33 Jahren bestehenden Orchester von über 100 Student_innen unterschiedlichster Fachrichtungen, die in ihrer Freizeit „am liebsten symphonische, laute, schwungvolle, träumerische, mitreißende Musik“ machen (so Aleksejonok).

T.D.: In ihren Werken wie Secondhand-Zeit verwendet Svjatlana Aleksievič eine eigene Methode, bei der sie in mehreren Schritten die Inhalte von sehr vielen – wie sie es nennt – „Gesprächen über das Leben“ zu einer Gesamtkomposition verbindet, sodass daraus eine Darstellung individuell-kollektiver Grenzerfahrungen entsteht, die der Nachwelt zur Erinnerung weitergegeben wird. Haben Sie in Aleksievičs Feedback etwas von diesem Vorgehen erkennen können?

V.A.: Tatsächlich verfolge ich eine ähnliche Intention, ich möchte, dass Außenstehende die besonderen Motive und Ziele der belarusischen Freiheitsbewegung verstehen und nicht vergessen. Aleksievič hat mir dazu geraten, das Buch etwas zu kürzen, worüber ich im Nachhinein sehr froh bin.

T.D.: Sie beschreiben gleich zu Beginn des Buches, dass Corona ein „Wegbereiter“ der solidarischen Großdemonstrationen war. Das hört sich widersprüchlich an, da man Covid-19 vordergründig mit Distanzhalten und Verbot von Menschenansammlungen verbindet. Wie meinen Sie das mit dem „Wegbereiter“?

V.A.: Das belarusische Regime hat genau - entgegengesetzt beispielsweise zur deutschen Regierung - auf die Pandemie reagiert. In Belarus wurde die Pandemie von Aljaksandr Lukašenka totgeschwiegen, er behauptete, das sei alles eine Psychose. Dass dies nicht der Fall war, erfuhren die Belarus_innen jedoch schnell über die sozialen Netzwerke; die Regierung hatte sich in eine absurde Außenseiterposition gebracht. In der Bevölkerung entstand eine sehr große Solidaritätswelle, und es gelang ganz ohne Hilfe des Regimes, ein Netzwerk gegenseitiger Hilfe und Unterstützung zu organisieren. Das meinte ich, wenn ich vom „Wegbereiter Corona“ gesprochen habe: von dieser „Übung der Solidarität“ haben wir beim Widerstand gegen das undemokratische Vorgehen bei den Präsidentschaftswahlen enorm profitiert. Die Zivilgesellschaft hat gelernt, sich selbst ohne und gegen das Regime zu organisieren.

T.D.: Sie haben in Sankt Petersburg studiert, seit 2017 hatten Sie Ihren Lebensmittelpunkt in München bzw. waren unterwegs auf Konzerten. Durch ihre regelmäßigen Besuche in Belarus waren Sie dem Land aber weiter eng verbunden, trotzdem haben Sie 2020 in Minsk eine Veränderung festgestellt?

V.A.: Als ich am 4. August 2020 nach Minsk kam, war da etwas ganz Neues. Ich war vollkommen überrascht von den Menschen in Belarus. Früher dachte ich, die meisten wären apolitisch, sie verstanden sich nicht als Zivilgesellschaft, wollten einfach ihrem Leben nachgehen und öffentlich nicht in Erscheinung treten, schon gar nicht bei Vorgängen, von denen sie glaubten, dass sie sie ohnehin nicht beeinflussen könnten. Diesmal war mir klar, dass – auch wenn das romantisch klingt – die Menschen 'erwacht' waren. Ein Gefühl von Solidarität lag in der Luft. Der 4. August war der erste Tag, an dem man seine Stimme abgeben konnte, man musste nicht bis zum eigentlichen Wahltag, dem 9. August, warten. Die Bevölkerung war elektrisiert, das konnte man atmosphärisch spüren. Das hat mich sehr beeindruckt: wie von selbst hatten sich Symbole der Solidarität und Friedfertigkeit etabliert und schnell weit verbreitet. Menschen trugen weiße Armbänder und das Eva-T-Shirt, das ich selbst später auch immer bei Protesten angezogen habe. Wenn man auf die Straße ging, erkannte man sofort, dass man nicht alleine war, es gab einen Zusammenschluss auf visueller Ebene, wodurch man selbst aktiver und mutiger wurde; es gab eine gegenseitige energetische Aufladung, die der Bewegung ihre Größe und Dynamik verliehen hat. Persönlich habe ich das bei meiner ersten Teilnahme an einer Demonstration, am 6. August, gespürt. Wir waren umgeben von Bereitschaftspolizisten, mir wurde klar, wie gefährlich es ist, in Belarus zu demonstrieren. Ich habe dann – und das kann ich mit Worten nur schlecht beschreiben – tief im Inneren gespürt, wie wenig wir, die Belaruss_innen im Ausland, riskieren. Für uns in Deutschland existiert keine oder nur eine geringe Gefahr, selbst wenn wir öffentlich protestieren. In Belarus hingegen musste jeder jeden Tag die Entscheidung treffen, ob sie oder er rausgeht und sich der Gefahr durch das Regime aussetzt. Dass so viele Menschen bereit waren, sich zu zeigen, sich auf einer inoffiziellen Demonstration der Gefahr einer Inhaftierung auszusetzen, hat mich sehr beeindruckt, es hat mich im positivsten Sinne schockiert.

Symbole der Proteste in Belarus
Das Gemälde „Eva“ von Chaim Sutin, einem auf heute belarusischem Gebiet geborenen Expressionisten jüdischer Herkunft, ist eines der derzeit teuersten Kunstwerke in Belarus. Es wurde 2013 von Viktor Babariko für die von ihm gegründete Kunstsammlung der "Belgasprombank" erworben. Das Bildmotiv, ein Eva-Porträt, wurde durch die Beschlagnahmung des Bildes zum Freiheitssymbol. „Eva“-Bilder sind Teil zahlreicher Collagen, wurden zum beliebten Motiv auf T-Shirts, Tassen und Aufklebern. „Eva“ wird dabei auch mit Stinkefinger, in gestreifter Sträflingskluft, mit Blumen in der Hand oder hinter Gittern dargestellt, sie wurde zu einem belarusischen Pop-Art-Phänomen.

"Eva" von Chaim Sutin, hier mit Stinkefinger als Protestsymbol.

T.D: Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass Sie das Gefühl der Angst beim Vorbeifahren von vermeintlichen OMON-Kleinbussen, in denen willkürlich Demonstrant_innen entführt wurden und werden, auch nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland erst langsam abschütteln konnten. Sie sind durch Ihre Buchveröffentlichung eine öffentliche, offen regimekritische Person geworden. Das erfordert Mut.

V.A.: Sechs Monate lang ein Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen, braucht, finde ich, viel weniger Mut als nur einen einzigen Abend in Belarus auf die Straße zu gehen – jetzt aktuell natürlich ganz besonders.

T.D.: In Kommentaren und Chats zu Ihren online veröffentlichten Interviews sind mir kritische Bemerkungen aufgefallen wie z.B. „Wieder einer, der aus der Ferne zündelt. Mit derartigem ‚Mut‘ werden sie den Mustache-Mann mit der Glatze niemals los.“ Oder solche, in denen Ihr Buch als Propaganda abgewertet und ironisch-sarkastisch verhandelt wird. Wie gehen Sie mit solchen Reaktionen um?

V.A.: Davon habe ich nichts gewusst. Würden solche Aussagen mir gegenüber direkt geäußert, wäre es mein Ziel herauszufinden, welche Lebenserfahrungen zu solchen Meinungen geführt haben. Ohne diese Personen unbedingt überzeugen zu wollen, würde ich dennoch mit ihnen reden – so wie ich auch mit AfD-Wähler_innen in Deutschland reden würde. Wenn man Menschen mit fehlgeleiteten Einstellungen nur verachtet oder für dumm erklärt, stärkt das meines Erachtens deren Position. Zwar glaube ich nicht, dass mein persönlich Erlebtes die einzige Wahrheit ist, aber denjenigen, die ohne dabei gewesen zu sein oder sich aus Primärquellen informiert zu haben, die Freiheitsbewegung verurteilen, fehlt die Grundlage für eine Einschätzung. Sie können die Situation doch gar nicht nachempfinden. Daher würde ich sie gerne mit Empathie aufklären, nicht durch Konfrontation. Das halte ich für sehr wichtig.

T.D.: Sie sind fast durch Zufall Musiker geworden. Infolge einer Asthma-Erkrankung begannen Sie, Posaune zu spielen – Jazz und Unterhaltungsmusik. Heute sind Sie Dirigent klassischer Musik. Wie kam es zu dem Wandel von Unterhaltungsmusik zur Klassik und vom Posaunisten zum Dirigenten?

V.A.: Bis vor einer Stunde hatten wir noch eine Probe mit dem Kyiv Symphony Orchestra zu Wagners Tristan und Isolde in Vorbereitung der Auftritte im Festspielhaus Neuschwanstein Ende September in Füssen. Das ist natürlich etwas ganz Anderes als Unterhaltungsmusik. Meine Liebe zur Klassik entwickelte sich ungewöhnlich. Ich hatte keinen Lehrer, der mich an klassische Musik herangeführt hat, auch keine Klavierlehrer_in. Ich habe mir Klavierspielen zunächst vollkommen falsch selbst beigebracht, weshalb ich es später neu lernen musste. Aber ich wollte es lernen, ich habe einen inneren Sog gespürt, der mich in diese Richtung geführt hat. Wenn man etwas so deutlich aus sich selbst „heraushört“, dann – davon bin ich überzeugt – findet man einen Weg, es umzusetzen. Aber man braucht natürlich eine Gelegenheit und die habe ich durch einen Freund erhalten, der mir eine Sammlung von 16 CDs mit klassischer Musik ausgeliehen hat. Seitdem ist mein Leben anders geworden. Gute Musik wirkt, ohne dass Hörer_innen etwas verstehen müssen, lediglich eine Bereitschaft zur Wahrnehmung wird vorausgesetzt. Ich war gleichzeitig aufnahmebereit und vollkommen geschockt – mit sechzehn war ich noch quasi „jungfräulich“, was klassische Musik betraf. Daher hat sie wahrscheinlich so intensiv auf mich gewirkt.

 

T.D.: Musik ist für Sie Kunst, aber hat auch eine gesellschaftlich-politische Komponente: Sie selbst haben tägliche Konzerte vor der Philharmonie in Minsk im August 2020 organisiert, sie haben beim Projekt „Music and Dialogue“ in der Ukraine mitgewirkt. Welche Rolle kann klassische Musik und gemeinsames Musizieren im Rahmen einer politischen Bewegung spielen?

V.A.: Klassische Musik oder Musik generell ist eine abstrakte Kunst, gerade deshalb kann sie stark emotional wirken. Darin liegt eine Chance, aber auch eine Gefahr. Musik kann missbraucht werden, man kann sie wegen des hohen Abstraktionsgrades theoretisch für alles verwenden. Ihr Kontext kann bewusst verändert werden, um bestimmte Wirkungen zu erzeugen. Beispiele dafür sind die Neunte Sinfonie von Beethoven, Bruckners Siebte oder die Instrumentalisierung von Wagners Musik durch die Nationalsozialisten. „Schuldig“ sind dabei nicht die Komponist_innen, sondern immer diejenigen, die diese Musik benutzen. Aber Musik hat natürlich vor allem eine gute Seite, man kann mithilfe von Musik Menschen verbinden. Und das versuche ich zu tun – in ganz normalen Konzerten, aber eben auch in besonderen Projekten. Zum Beispiel durch meine Arbeit als musikalischer Leiter in dem schon erwähnten, bereits seit drei Jahren laufenden Projekt in der Ukraine: Wir arbeiten in unmittelbarer Nähe des Kriegsgebiets, nur zwanzig Kilometer entfernt von den Auseinandersetzungen zwischen Russland – ich nenne es einfach Russland – und der Ukraine. Die Bevölkerung dort ist arm, hat keine positiven Zukunftsaussichten und lebt wegen der Gefahren sehr isoliert. Dabei konnten wir beobachten, wie Musik zum einigenden Brückenbauer wurde – nicht nur für die Spielenden und Singenden aus verschiedenen Ländern einschließlich Russland und der Ukraine, sondern auch für das Publikum. Plötzlich waren die Musiker_innen keine Feind_innen mehr, sondern Kolleg_innen, das Publikum war eine Zuhörerschaft. Diese Erfahrung war für mich etwas sehr, sehr Schönes! Klassische Musik erfordert generell eine gewisse musikalische Reife, um in Menschen Veränderungen zu bewirken. Diese Reife hatten natürlich nicht alle, aber mit unseren Bildungsprojekten und sozialen Aktivitäten konnten wir auch musikalisch noch nicht Ausgebildete ansprechen und viel Positives bewirken. Das finde ich an Musik wirklich wunderbar!

TD: In Kooperation mit den Universitäten Freiburg und Innsbruck fand im Sommersemester 2021 an der Humboldt-Universität zu Berlin das Seminar „Belarus 2020: Revolution der Geduld“ unter Mitwirkung von unmittelbaren Teilnehmer_innen der Proteste in Belarus in Form von Autor_innenlesungen und Expert_innenvorträgen statt. Einige denken, dass die Bewegung bereits wesentliche Ziele erreicht hat und auch heute noch aktiv ist, da gehandelt wird: „wir handeln, denn Spazierengehen ist Handeln.“ Gemeint sind die heimlichen Spaziergänge durch Hinterhöfe. Mir erscheint das ein sehr intellektueller Zugang. In Ihrem Buch schreiben Sie im Kontext des August 2020 von der „belarusischen Freude“ und fordern Leser_innen auf, sich mitzufreuen. Gilt das heute noch oder ist das genau die Naivität, mit der Lukaschenko rechnet und mit der er sehr gut klarkommt, solange Putin hinter ihm steht. Wie schätzen Sie das ein?

Politische Verfolgung in Belarus

In Belarus gibt es mit Stand Oktober 2021 nach der von der Menschenrechtsorganisation VIASNA geführten Liste über 800 politische Gefangene. Den meisten wird wegen der Teilnahme an den friedlichen Protesten "Organisation von und Teilnahme an gemeinsam begangenem Landfriedensbruch" (§ 342 des Strafgesetzbuchs) oder "Teilnahme an Massenunruhen" (§ 293 des Strafgesetzbuchs) vorgeworfen. Zahlreiche Personen wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

V.A.: Ich weiß nicht, ob Lukaschenko mit dieser Naivität rechnet. Aber ja, die Naivität gab und gibt es tatsächlich, weil wir politisch als Zivilgesellschaft noch so jung sind.  Wie Kinder mussten wir eine neue Welt erst kennenlernen, alles sahen wir bunt und farbenfroh, manchmal aber mit realitätsfremden Augen. Wie in der Pubertät erleben wir jetzt Enttäuschungen. Es ist eine sehr schwierige ethische Frage, ob man sich überhaupt freuen darf, solange es so viele politische Gefangene gibt und Menschen vom Regime umgebracht werden. Ich glaube, wir können uns nicht (mehr) einfach so freuen, manche haben sogar nahe Angehörige verloren, was einen für immer verändert. Auch wenn es viele unterschiedliche Meinungen und Prognosen hinsichtlich der Zukunft gibt, ist meine Überzeugung, dass wir uns auf einem Weg befinden, an dessen Ende wieder Licht scheint! Frustration, Hoffnungslosigkeit, die Aussicht, sich überhaupt nicht mehr freuen zu können, wäre jetzt das Schlimmste. Mit etwas Distanz betrachtet, sieht man, dass wir Belaruss_innen schon sehr, sehr viel in einem einzigen Jahr geschafft haben: Wir sind jetzt in der ganzen Welt anerkannt, nicht das Lukaschenko-Regime. Zum ersten Mal wollen westeuropäische und amerikanische Politiker nicht mit diesem Regime sprechen, sondern mit der belarusischen Oppositionsbewegung. Es wurde verstanden, dass es Oppositionelle als legitime Gesprächspartner gibt. Das ist unumkehrbar. Rückschläge gibt es natürlich; welchen Preis das Weitermachen noch haben wird, ist nicht absehbar. Aber wir müssen jetzt trotzdem weitergehen!

T.D.: Sie erwähnen in Ihrem Buch die drei in Belarus existierenden Sprachen: Belarusisch, Russisch und Trassjanka (eine belarusisch-russisch dialektale Mischsprache) sowie deren sich verändernde Bedeutung. Könnte eine gemeinsame Sprache ein verbindendes Element der Freiheitsbewegung werden?

V.A.: In der Oppositionsbewegung finden viele unterschiedliche Prozesse gleichzeitig statt, aber sie haben nicht unbedingt etwas mit einer gemeinsamen Sprache zu tun. Identifikation und Solidarität kommt in Belarus m. E. nicht über Sprache zustande. In den letzten Jahrzehnten haben zwar viele Oppositionelle Belarusisch gesprochen, in der aktuellen Bewegung aus alten und jungen Menschen war das aber gerade nicht die wichtigste Sprache. Die vielen jungen Protestierenden haben eher Russisch gesprochen. Aktuell geht es (noch) um Inhalte wie freie Wahlen. Die Frage der späteren Landessprache in einem demokratischen Staat war bis jetzt noch kein Thema. Allerdings hat Belarusisch eine Aufwertung erfahren. Früher war es, genauso wie Trassjanka, die Sprache der Ungebildeten und der Nationalisten, in letzter Zeit ist das Belarusische „in Mode“ gekommen, gilt als stilvoll. Belarusisch zu sprechen, bedeutet, sich zur belarusischen Identität zu bekennen und gegen das Regime zu sein.

T.D.: In Ihrem Buch betonen Sie, dass die Bewegung keine Anführer_innen hat, sondern „alles von jedem einzelnen von uns abhängt.“ Können Sie sich auch vorstellen, dass sich einige Belarus_innen leichter mit einem führenden Oppositionellen identifizieren könnten, der ihnen ein konkretes Zukunftsmodell anzubieten hat?

V.A.:  Im Gegenteil glaube ich tatsächlich, dass viele Belarus_innen jetzt keine/n starke/n Anführer_in haben wollen. Sie haben vor 27 Jahren einen gewählt mit der Folge, dass sie seitdem in einer Autokratie leben. Das ist eine Erfahrung, die es schwer macht, wieder an eine Person zu glauben. Es gibt die Gefahr, dass die Macht der gesellschaftlichen Kontrolle entgleitet und es wieder einen Diktator geben kann. Wir wollten 2020 faire Wahlen abhalten, wollten uns äußern, konnten es aber nicht, unsere Stimmen wurden unterdrückt. Viktor Babariko ist seit über einem Jahr im Gefängnis. Er wäre vielleicht einer, der ein demokratischer Führer werden könnte. Meine Utopie ist, dass wir das Stadium zwischen Autokratie und Demokratie überspringen, dass wir, ohne die Erfahrungen der politischen Entwicklung Westeuropas erst nachzuholen, gleich am Ziel der Demokratie z. B. nach Schweizer Vorbild ankommen. Aber dazu sind vielleicht nicht alle bereit.


T.D.: Die politische Situation hat sich mit der erzwungenen Zwischenlandung der Ryanair-Passagiermaschine
am 23. Mai 2021 in Minsk und der damals erfolgten Verhaftung des Oppositionsaktivisten Raman Pratasevič und seiner Freundin Sofija Sapega deutlich zum Schlechteren verändert. Der Einsatz eines OSZE-Sonderbeauftragten für die Wahrung der Menschenrechte in Belarus, ein friedlicher Dialogprozess nach Genfer Modell, die Anklage von Schlüsselfiguren des Lukaschenko-Regimes vor dem Europäischen Strafgerichtshof sowie härtere Wirtschaftssanktionen werden gefordert. Ausbleibende Generalstreiks in Belarus stoßen auf Verwunderung im „Westen“. Was erwarten Sie persönlich von der EU und den USA?

V.A.: Nicht wegzusehen, am Ball zu bleiben, zu erkennen, dass Belarus kein fernes Land, sondern ein Nachbar ist, der über ein in Betrieb befindliches Atomkraftwerk in nur 50 Kilometern Entfernung von der Grenze zur EU verfügt. Tschernobyl vor 35 Jahren hat gezeigt, wozu ein Reaktorunfall führen kann. Belarus mit einer unberechenbaren Regierung ist für die EU ein schlechter und gefährlicher Nachbar. Die Entführung des Ryanair-Flugzeugs hat deutlich gemacht, welche direkte Gefahr für EU-Bürger vom Lukaschenko-Regime ausgeht. Trotzdem kommen nicht viel deutlichere Zeichen aus Europa, ich habe mich gefragt, warum nicht mehr Haltung bei der wichtigen Frage der Verletzung von Menschenrechten gezeigt wird. Menschenrechte sind für die EU eigentlich wichtig, aber das ökonomische Denken bewirkt, dass der Außenhandel mit Belarus und natürlich Russland ein entscheidender Faktor ist. Die westeuropäischen Regierungen sind in eine Falle geraten, sie machen sich selbst zu Sklaven eines kapitalistischen Profitdenkens.

T.D.: Die Exporte von Deutschland nach Belarus betrugen 2020 laut Statistischem Bundesamt nur 0,1%, Importe von Belarus lediglich 0,05% des Gesamtvolumens. Würden Sie sagen, wenn man auf das Geschäft mit Belarus verzichtete, dass dadurch wirklich das Regime zum Einlenken gebracht werden könnte?

V.A.: Das könnte vielleicht funktionieren, aber ich kann mich dazu nicht fachkundig äußern. Ein Grundproblem bleibt ohnehin: die Frage der Kommunikation. Es wäre schwierig, der Bevölkerung zu vermitteln, dass die Sanktionen nur gegen die Regierung, die gegen Menschenrechte verstößt, gerichtet sind, und nicht gegen sie selbst. Die russische Propaganda würde das ganz anders erklären, womit die Problematik leider komplex bleibt.

24. Juni 2021: Wirtschaftssanktionen in Kraft
Die EU hat beschlossen, Wirtschaftssanktionen gegen Belarus in Kraft zu setzen. Die Strafmaßnahmen treffen unter anderem die Kali- und Düngemittelindustrie sowie Tabak- und Mineralölunternehmen und den Zugang zum Kapitalmarkt der EU.

T.D.: Vitalij Aleksejonok, vielen Dank für das Gespräch!

V.A.: Ich danke Ihnen für Ihr Interesse. Das ist nicht selbstverständlich.

Timo Daus führte das Gespräch im Juni 2021.

Weiterführende Links:

Informationen zu den politischen Gefangenen auf der Seite von "VIASNA human rights center": https://prisoners.spring96.org/en

Informationen zu den EU-Wirtschaftssanktionen: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.belarus-eu-setzt-wirtschaftssanktionen-in-kraft.7d4cbca2-0e95-4d7b-8abc-2c06d3c7e419.html

„Diesmal war mir klar, dass die Menschen ‚erwacht‘ waren.“ - ein Gespräch mit Vitalij Aleksejonok – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

„Diesmal war mir klar, dass die Men­schen ‚erwacht‘ waren.“ – ein Gespräch mit Vitalij Aleksejonok

Der aus Belarus stam­mende und in Deutsch­land lebende Diri­gent Vitalij Alek­se­jonok [Vitali Alek­seenok] war von der – wie er schreibt – „maß­losen Unge­rech­tig­keit und skru­pel­losen Gesetz­lo­sig­keit“ bereits bei der Vor­be­rei­tung der Wahlen 2020 in Belarus so tief erschüt­tert, dass er dann im August nach Minsk reiste, um soli­da­risch an den dor­tigen Pro­testen teil­zu­nehmen. Mit „Die weißen Tage von Minsk. Unser Traum von einem freien Belarus“ tritt er erst­mals als Autor in die Öffent­lich­keit und lie­fert auf Basis seiner per­sön­li­chen Erfah­rungen nicht nur eine Chronik, son­dern auch ein nach­fühl­bares Zeugnis der elek­tri­sie­rend-ver­bin­denden Emo­tionen der bela­ru­si­schen Freiheitsbewegung. 

 

Timo Daus: Vitalij Alek­se­jonok, mit Ihrem Buch „Die weißen Tage von Minsk“ sind Sie neben Ihrer künst­le­ri­schen Tätig­keit als Diri­gent auch Autor eines poli­ti­schen Buches. Wie haben Sie es geschafft, die Emo­tionen der Pro­test­be­we­gung in Belarus so ein­drück­lich an uns Leser_innen weiterzugeben?

Vitalij Alek­se­jonok: Ich bin Musiker, aktiver Leser, aber kein Schrift­steller. Aller­dings hat mir meine Arbeit als Diri­gent beim Ver­fassen des Buchs sehr geholfen. Als Diri­gent bin ich es gewohnt, eine dra­ma­tur­gi­sche Ver­bin­dung von Inhalt und Form zu schaffen und gleich­zeitig die Wir­kung der Prä­sen­ta­tion eines Werkes vor­aus­zu­denken. Beim Schreiben habe ich sehr viel „lear­ning by doing“ prak­ti­ziert, hatte aber immer das Inhalt­liche, also meine Ein­drücke und Erleb­nisse wäh­rend der Pro­teste in Belarus, als Leit­linie vor Augen. Ohne selbst die Bewe­gung live mit­er­lebt zu haben, ohne die Emo­tionen gefühlt zu haben, hätte ich es nicht gewagt, ein Buch zu ver­öf­fent­li­chen. Den ersten Ent­wurf habe ich auf Rus­sisch geschrieben und unserer Nobel­preis­trä­gerin Svj­atlana Alek­sievič [Swet­lana Ale­xi­je­witsch] mit der Bitte um Durch­sicht gegeben. Neben meinen Lek­toren war sie die aller­erste Leserin.

Der 1991 in der Nähe von Minsk gebo­rene Diri­gent Vitalij Alek­se­jonok ging 2011 nach Sankt Peters­burg, um am dor­tigen Kon­ser­va­to­rium zu stu­dieren. Aktuell ist er Diri­gent sowie künst­le­ri­scher Leiter des Abaco-Sin­fo­nie­or­ches­ters in Mün­chen, einem seit mehr als 33 Jahren bestehenden Orchester von über 100 Student_innen unter­schied­lichster Fach­rich­tungen, die in ihrer Frei­zeit „am liebsten sym­pho­ni­sche, laute, schwung­volle, träu­me­ri­sche, mit­rei­ßende Musik“ machen (so Aleksejonok).

T.D.: In ihren Werken wie Second­hand-Zeit ver­wendet Svj­atlana Alek­sievič eine eigene Methode, bei der sie in meh­reren Schritten die Inhalte von sehr vielen – wie sie es nennt – „Gesprä­chen über das Leben“ zu einer Gesamt­kom­po­si­tion ver­bindet, sodass daraus eine Dar­stel­lung indi­vi­duell-kol­lek­tiver Grenz­erfah­rungen ent­steht, die der Nach­welt zur Erin­ne­rung wei­ter­ge­geben wird. Haben Sie in Alek­sie­vičs Feed­back etwas von diesem Vor­gehen erkennen können? 

V.A.: Tat­säch­lich ver­folge ich eine ähn­liche Inten­tion, ich möchte, dass Außen­ste­hende die beson­deren Motive und Ziele der bela­ru­si­schen Frei­heits­be­we­gung ver­stehen und nicht ver­gessen. Alek­sievič hat mir dazu geraten, das Buch etwas zu kürzen, wor­über ich im Nach­hinein sehr froh bin.

T.D.: Sie beschreiben gleich zu Beginn des Buches, dass Corona ein „Weg­be­reiter“ der soli­da­ri­schen Groß­de­mons­tra­tionen war. Das hört sich wider­sprüch­lich an, da man Covid-19 vor­der­gründig mit Distanz­halten und Verbot von Men­schen­an­samm­lungen ver­bindet. Wie meinen Sie das mit dem „Weg­be­reiter“?

V.A.: Das bela­ru­si­sche Regime hat genau – ent­ge­gen­ge­setzt bei­spiels­weise zur deut­schen Regie­rung – auf die Pan­demie reagiert. In Belarus wurde die Pan­demie von Aljak­sandr Lukašenka [Alex­ander Luka­schenko] tot­ge­schwiegen, er behaup­tete, das sei alles eine Psy­chose. Dass dies nicht der Fall war, erfuhren die Belarus_innen jedoch schnell über die sozialen Netz­werke; die Regie­rung hatte sich in eine absurde Außen­sei­ter­po­si­tion gebracht. In der Bevöl­ke­rung ent­stand eine sehr große Soli­da­ri­täts­welle, und es gelang ganz ohne Hilfe des Regimes, ein Netz­werk gegen­sei­tiger Hilfe und Unter­stüt­zung zu orga­ni­sieren. Das meinte ich, wenn ich vom „Weg­be­reiter Corona“ gespro­chen habe: von dieser „Übung der Soli­da­rität“ haben wir beim Wider­stand gegen das unde­mo­kra­ti­sche Vor­gehen bei den Prä­si­dent­schafts­wahlen enorm pro­fi­tiert. Die Zivil­ge­sell­schaft hat gelernt, sich selbst ohne und gegen das Regime zu organisieren.

T.D.: Sie haben in Sankt Peters­burg stu­diert, seit 2017 hatten Sie Ihren Lebens­mit­tel­punkt in Mün­chen bzw. waren unter­wegs auf Kon­zerten. Durch ihre regel­mä­ßigen Besuche in Belarus waren Sie dem Land aber weiter eng ver­bunden, trotzdem haben Sie 2020 in Minsk eine Ver­än­de­rung festgestellt?

V.A.: Als ich am 4. August 2020 nach Minsk kam, war da etwas ganz Neues. Ich war voll­kommen über­rascht von den Men­schen in Belarus. Früher dachte ich, die meisten wären apo­li­tisch, sie ver­standen sich nicht als Zivil­ge­sell­schaft, wollten ein­fach ihrem Leben nach­gehen und öffent­lich nicht in Erschei­nung treten, schon gar nicht bei Vor­gängen, von denen sie glaubten, dass sie sie ohnehin nicht beein­flussen könnten. Diesmal war mir klar, dass – auch wenn das roman­tisch klingt – die Men­schen ‘erwacht’ waren. Ein Gefühl von Soli­da­rität lag in der Luft. Der 4. August war der erste Tag, an dem man seine Stimme abgeben konnte, man musste nicht bis zum eigent­li­chen Wahltag, dem 9. August, warten. Die Bevöl­ke­rung war elek­tri­siert, das konnte man atmo­sphä­risch spüren. Das hat mich sehr beein­druckt: wie von selbst hatten sich Sym­bole der Soli­da­rität und Fried­fer­tig­keit eta­bliert und schnell weit ver­breitet. Men­schen trugen weiße Arm­bänder und das Eva-T-Shirt, das ich selbst später auch immer bei Pro­testen ange­zogen habe. Wenn man auf die Straße ging, erkannte man sofort, dass man nicht alleine war, es gab einen Zusam­men­schluss auf visu­eller Ebene, wodurch man selbst aktiver und mutiger wurde; es gab eine gegen­sei­tige ener­ge­ti­sche Auf­la­dung, die der Bewe­gung ihre Größe und Dynamik ver­liehen hat. Per­sön­lich habe ich das bei meiner ersten Teil­nahme an einer Demons­tra­tion, am 6. August, gespürt. Wir waren umgeben von Bereit­schafts­po­li­zisten, mir wurde klar, wie gefähr­lich es ist, in Belarus zu demons­trieren. Ich habe dann – und das kann ich mit Worten nur schlecht beschreiben – tief im Inneren gespürt, wie wenig wir, die Belaruss_innen im Aus­land, ris­kieren. Für uns in Deutsch­land exis­tiert keine oder nur eine geringe Gefahr, selbst wenn wir öffent­lich pro­tes­tieren. In Belarus hin­gegen musste jeder jeden Tag die Ent­schei­dung treffen, ob sie oder er raus­geht und sich der Gefahr durch das Regime aus­setzt. Dass so viele Men­schen bereit waren, sich zu zeigen, sich auf einer inof­fi­zi­ellen Demons­tra­tion der Gefahr einer Inhaf­tie­rung aus­zu­setzen, hat mich sehr beein­druckt, es hat mich im posi­tivsten Sinne schockiert.

Sym­bole der Pro­teste in Belarus
Das Gemälde „Eva“ von Chaim Sutin, einem auf heute bela­ru­si­schem Gebiet gebo­renen Expres­sio­nisten jüdi­scher Her­kunft, ist eines der der­zeit teu­ersten Kunst­werke in Belarus. Es wurde 2013 von Viktor Baba­riko für die von ihm gegrün­dete Kunst­samm­lung der “Bel­gas­prom­bank erworben. Das Bild­motiv, ein Eva-Por­trät, wurde durch die Beschlag­nah­mung des Bildes zum Frei­heits­symbol. „Eva“-Bilder sind Teil zahl­rei­cher Col­lagen, wurden zum beliebten Motiv auf T‑Shirts, Tassen und Auf­kle­bern. „Eva“ wird dabei auch mit Stin­ke­finger, in gestreifter Sträf­lings­kluft, mit Blumen in der Hand oder hinter Git­tern dar­ge­stellt, sie wurde zu einem bela­ru­si­schen Pop-Art-Phänomen.

“Eva” von Chaim Sutin, hier mit Stin­ke­finger als Protestsymbol.

T.D: Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass Sie das Gefühl der Angst beim Vor­bei­fahren von ver­meint­li­chen OMON-Klein­bussen, in denen will­kür­lich Demonstrant_innen ent­führt wurden und werden, auch nach Ihrer Rück­kehr nach Deutsch­land erst langsam abschüt­teln konnten. Sie sind durch Ihre Buch­ver­öf­fent­li­chung eine öffent­liche, offen regime­kri­ti­sche Person geworden. Das erfor­dert Mut. 

V.A.: Sechs Monate lang ein Buch zu schreiben und es zu ver­öf­fent­li­chen, braucht, finde ich, viel weniger Mut als nur einen ein­zigen Abend in Belarus auf die Straße zu gehen – jetzt aktuell natür­lich ganz besonders.

T.D.: In Kom­men­taren und Chats zu Ihren online ver­öf­fent­lichten Inter­views sind mir kri­ti­sche Bemer­kungen auf­ge­fallen wie z.B. „Wieder einer, der aus der Ferne zün­delt. Mit der­ar­tigem ‚Mut‘ werden sie den Mus­tache-Mann mit der Glatze nie­mals los.“ Oder solche, in denen Ihr Buch als Pro­pa­ganda abge­wertet und iro­nisch-sar­kas­tisch ver­han­delt wird. Wie gehen Sie mit sol­chen Reak­tionen um?

V.A.: Davon habe ich nichts gewusst. Würden solche Aus­sagen mir gegen­über direkt geäu­ßert, wäre es mein Ziel her­aus­zu­finden, welche Lebens­er­fah­rungen zu sol­chen Mei­nungen geführt haben. Ohne diese Per­sonen unbe­dingt über­zeugen zu wollen, würde ich den­noch mit ihnen reden – so wie ich auch mit AfD-Wäh­ler_innen in Deutsch­land reden würde. Wenn man Men­schen mit fehl­ge­lei­teten Ein­stel­lungen nur ver­achtet oder für dumm erklärt, stärkt das meines Erach­tens deren Posi­tion. Zwar glaube ich nicht, dass mein per­sön­lich Erlebtes die ein­zige Wahr­heit ist, aber den­je­nigen, die ohne dabei gewesen zu sein oder sich aus Pri­mär­quellen infor­miert zu haben, die Frei­heits­be­we­gung ver­ur­teilen, fehlt die Grund­lage für eine Ein­schät­zung. Sie können die Situa­tion doch gar nicht nach­emp­finden. Daher würde ich sie gerne mit Empa­thie auf­klären, nicht durch Kon­fron­ta­tion. Das halte ich für sehr wichtig.

T.D.: Sie sind fast durch Zufall Musiker geworden. Infolge einer Asthma-Erkran­kung begannen Sie, Posaune zu spielen – Jazz und Unter­hal­tungs­musik. Heute sind Sie Diri­gent klas­si­scher Musik. Wie kam es zu dem Wandel von Unter­hal­tungs­musik zur Klassik und vom Posau­nisten zum Dirigenten?

V.A.: Bis vor einer Stunde hatten wir noch eine Probe mit dem Kyiv Sym­phony Orchestra zu Wag­ners Tristan und Isolde in Vor­be­rei­tung der Auf­tritte im Fest­spiel­haus Neu­schwan­stein Ende Sep­tember in Füssen. Das ist natür­lich etwas ganz Anderes als Unter­hal­tungs­musik. Meine Liebe zur Klassik ent­wi­ckelte sich unge­wöhn­lich. Ich hatte keinen Lehrer, der mich an klas­si­sche Musik her­an­ge­führt hat, auch keine Klavierlehrer_in. Ich habe mir Kla­vier­spielen zunächst voll­kommen falsch selbst bei­gebracht, wes­halb ich es später neu lernen musste. Aber ich wollte es lernen, ich habe einen inneren Sog gespürt, der mich in diese Rich­tung geführt hat. Wenn man etwas so deut­lich aus sich selbst „her­aus­hört“, dann – davon bin ich über­zeugt – findet man einen Weg, es umzu­setzen. Aber man braucht natür­lich eine Gele­gen­heit und die habe ich durch einen Freund erhalten, der mir eine Samm­lung von 16 CDs mit klas­si­scher Musik aus­ge­liehen hat. Seitdem ist mein Leben anders geworden. Gute Musik wirkt, ohne dass Hörer_innen etwas ver­stehen müssen, ledig­lich eine Bereit­schaft zur Wahr­neh­mung wird vor­aus­ge­setzt. Ich war gleich­zeitig auf­nah­me­be­reit und voll­kommen geschockt – mit sech­zehn war ich noch quasi „jung­fräu­lich“, was klas­si­sche Musik betraf. Daher hat sie wahr­schein­lich so intensiv auf mich gewirkt.

 

T.D.: Musik ist für Sie Kunst, aber hat auch eine gesell­schaft­lich-poli­ti­sche Kom­po­nente: Sie selbst haben täg­liche Kon­zerte vor der Phil­har­monie in Minsk im August 2020 orga­ni­siert, sie haben beim Pro­jekt „Music and Dia­logue“ in der Ukraine mit­ge­wirkt. Welche Rolle kann klas­si­sche Musik und gemein­sames Musi­zieren im Rahmen einer poli­ti­schen Bewe­gung spielen? 

V.A.: Klas­si­sche Musik oder Musik gene­rell ist eine abs­trakte Kunst, gerade des­halb kann sie stark emo­tional wirken. Darin liegt eine Chance, aber auch eine Gefahr. Musik kann miss­braucht werden, man kann sie wegen des hohen Abs­trak­ti­ons­grades theo­re­tisch für alles ver­wenden. Ihr Kon­text kann bewusst ver­än­dert werden, um bestimmte Wir­kungen zu erzeugen. Bei­spiele dafür sind die Neunte Sin­fonie von Beet­hoven, Bruck­ners Siebte oder die Instru­men­ta­li­sie­rung von Wag­ners Musik durch die Natio­nal­so­zia­listen. „Schuldig“ sind dabei nicht die Komponist_innen, son­dern immer die­je­nigen, die diese Musik benutzen. Aber Musik hat natür­lich vor allem eine gute Seite, man kann mit­hilfe von Musik Men­schen ver­binden. Und das ver­suche ich zu tun – in ganz nor­malen Kon­zerten, aber eben auch in beson­deren Pro­jekten. Zum Bei­spiel durch meine Arbeit als musi­ka­li­scher Leiter in dem schon erwähnten, bereits seit drei Jahren lau­fenden Pro­jekt in der Ukraine: Wir arbeiten in unmit­tel­barer Nähe des Kriegs­ge­biets, nur zwanzig Kilo­meter ent­fernt von den Aus­ein­an­der­set­zungen zwi­schen Russ­land – ich nenne es ein­fach Russ­land – und der Ukraine. Die Bevöl­ke­rung dort ist arm, hat keine posi­tiven Zukunfts­aus­sichten und lebt wegen der Gefahren sehr iso­liert. Dabei konnten wir beob­achten, wie Musik zum eini­genden Brü­cken­bauer wurde – nicht nur für die Spie­lenden und Sin­genden aus ver­schie­denen Län­dern ein­schließ­lich Russ­land und der Ukraine, son­dern auch für das Publikum. Plötz­lich waren die Musiker_innen keine Feind_innen mehr, son­dern Kolleg_innen, das Publikum war eine Zuhö­rer­schaft. Diese Erfah­rung war für mich etwas sehr, sehr Schönes! Klas­si­sche Musik erfor­dert gene­rell eine gewisse musi­ka­li­sche Reife, um in Men­schen Ver­än­de­rungen zu bewirken. Diese Reife hatten natür­lich nicht alle, aber mit unseren Bil­dungs­pro­jekten und sozialen Akti­vi­täten konnten wir auch musi­ka­lisch noch nicht Aus­ge­bil­dete anspre­chen und viel Posi­tives bewirken. Das finde ich an Musik wirk­lich wunderbar!

TD: In Koope­ra­tion mit den Uni­ver­si­täten Frei­burg und Inns­bruck fand im Som­mer­se­mester 2021 an der Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin das Seminar „Belarus 2020: Revo­lu­tion der Geduld“ unter Mit­wir­kung von unmit­tel­baren Teilnehmer_innen der Pro­teste in Belarus in Form von Autor_innenlesungen und Expert_innenvorträgen statt. Einige denken, dass die Bewe­gung bereits wesent­liche Ziele erreicht hat und auch heute noch aktiv ist, da gehan­delt wird: „wir han­deln, denn Spa­zie­ren­gehen ist Han­deln.“ Gemeint sind die heim­li­chen Spa­zier­gänge durch Hin­ter­höfe. Mir erscheint das ein sehr intel­lek­tu­eller Zugang. In Ihrem Buch schreiben Sie im Kon­text des August 2020 von der „bela­ru­si­schen Freude“ und for­dern Leser_innen auf, sich mit­zu­freuen. Gilt das heute noch oder ist das genau die Nai­vität, mit der Luka­schenko rechnet und mit der er sehr gut klar­kommt, solange Putin hinter ihm steht. Wie schätzen Sie das ein?

Poli­ti­sche Ver­fol­gung in Belarus

In Belarus gibt es mit Stand Oktober 2021 nach der von der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion VIASNA geführten Liste über 800 poli­ti­sche Gefan­gene. Den meisten wird wegen der Teil­nahme an den fried­li­chen Pro­testen “Orga­ni­sa­tion von und Teil­nahme an gemeinsam began­genem Land­frie­dens­bruch” (§ 342 des Straf­ge­setz­buchs) oder “Teil­nahme an Mas­sen­un­ruhen” (§ 293 des Straf­ge­setz­buchs) vor­ge­worfen. Zahl­reiche Per­sonen wurden bereits zu mehr­jäh­rigen Haft­strafen verurteilt.

V.A.: Ich weiß nicht, ob Luka­schenko mit dieser Nai­vität rechnet. Aber ja, die Nai­vität gab und gibt es tat­säch­lich, weil wir poli­tisch als Zivil­ge­sell­schaft noch so jung sind.  Wie Kinder mussten wir eine neue Welt erst ken­nen­lernen, alles sahen wir bunt und far­ben­froh, manchmal aber mit rea­li­täts­fremden Augen. Wie in der Pubertät erleben wir jetzt Ent­täu­schungen. Es ist eine sehr schwie­rige ethi­sche Frage, ob man sich über­haupt freuen darf, solange es so viele poli­ti­sche Gefan­gene gibt und Men­schen vom Regime umge­bracht werden. Ich glaube, wir können uns nicht (mehr) ein­fach so freuen, manche haben sogar nahe Ange­hö­rige ver­loren, was einen für immer ver­än­dert. Auch wenn es viele unter­schied­liche Mei­nungen und Pro­gnosen hin­sicht­lich der Zukunft gibt, ist meine Über­zeu­gung, dass wir uns auf einem Weg befinden, an dessen Ende wieder Licht scheint! Frus­tra­tion, Hoff­nungs­lo­sig­keit, die Aus­sicht, sich über­haupt nicht mehr freuen zu können, wäre jetzt das Schlimmste. Mit etwas Distanz betrachtet, sieht man, dass wir Belaruss_innen schon sehr, sehr viel in einem ein­zigen Jahr geschafft haben: Wir sind jetzt in der ganzen Welt aner­kannt, nicht das Luka­schenko-Regime. Zum ersten Mal wollen west­eu­ro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Poli­tiker nicht mit diesem Regime spre­chen, son­dern mit der bela­ru­si­schen Oppo­si­ti­ons­be­we­gung. Es wurde ver­standen, dass es Oppo­si­tio­nelle als legi­time Gesprächs­partner gibt. Das ist unum­kehrbar. Rück­schläge gibt es natür­lich; wel­chen Preis das Wei­ter­ma­chen noch haben wird, ist nicht absehbar. Aber wir müssen jetzt trotzdem weitergehen!

T.D.: Sie erwähnen in Ihrem Buch die drei in Belarus exis­tie­renden Spra­chen: Bela­ru­sisch, Rus­sisch und Trass­janka (eine bela­ru­sisch-rus­sisch dia­lek­tale Misch­sprache) sowie deren sich ver­än­dernde Bedeu­tung. Könnte eine gemein­same Sprache ein ver­bin­dendes Ele­ment der Frei­heits­be­we­gung werden?

V.A.: In der Oppo­si­ti­ons­be­we­gung finden viele unter­schied­liche Pro­zesse gleich­zeitig statt, aber sie haben nicht unbe­dingt etwas mit einer gemein­samen Sprache zu tun. Iden­ti­fi­ka­tion und Soli­da­rität kommt in Belarus m. E. nicht über Sprache zustande. In den letzten Jahr­zehnten haben zwar viele Oppo­si­tio­nelle Bela­ru­sisch gespro­chen, in der aktu­ellen Bewe­gung aus alten und jungen Men­schen war das aber gerade nicht die wich­tigste Sprache. Die vielen jungen Pro­tes­tie­renden haben eher Rus­sisch gespro­chen. Aktuell geht es (noch) um Inhalte wie freie Wahlen. Die Frage der spä­teren Lan­des­sprache in einem demo­kra­ti­schen Staat war bis jetzt noch kein Thema. Aller­dings hat Bela­ru­sisch eine Auf­wer­tung erfahren. Früher war es, genauso wie Trass­janka, die Sprache der Unge­bil­deten und der Natio­na­listen, in letzter Zeit ist das Bela­ru­si­sche „in Mode“ gekommen, gilt als stil­voll. Bela­ru­sisch zu spre­chen, bedeutet, sich zur bela­ru­si­schen Iden­tität zu bekennen und gegen das Regime zu sein.

T.D.: In Ihrem Buch betonen Sie, dass die Bewe­gung keine Anführer_innen hat, son­dern „alles von jedem ein­zelnen von uns abhängt.“ Können Sie sich auch vor­stellen, dass sich einige Belarus_innen leichter mit einem füh­renden Oppo­si­tio­nellen iden­ti­fi­zieren könnten, der ihnen ein kon­kretes Zukunfts­mo­dell anzu­bieten hat? 

V.A.:  Im Gegen­teil glaube ich tat­säch­lich, dass viele Belarus_innen jetzt keine/n starke/n Anführer_in haben wollen. Sie haben vor 27 Jahren einen gewählt mit der Folge, dass sie seitdem in einer Auto­kratie leben. Das ist eine Erfah­rung, die es schwer macht, wieder an eine Person zu glauben. Es gibt die Gefahr, dass die Macht der gesell­schaft­li­chen Kon­trolle ent­gleitet und es wieder einen Dik­tator geben kann. Wir wollten 2020 faire Wahlen abhalten, wollten uns äußern, konnten es aber nicht, unsere Stimmen wurden unter­drückt. Viktor Baba­riko ist seit über einem Jahr im Gefängnis. Er wäre viel­leicht einer, der ein demo­kra­ti­scher Führer werden könnte. Meine Utopie ist, dass wir das Sta­dium zwi­schen Auto­kratie und Demo­kratie über­springen, dass wir, ohne die Erfah­rungen der poli­ti­schen Ent­wick­lung West­eu­ropas erst nach­zu­holen, gleich am Ziel der Demo­kratie z. B. nach Schweizer Vor­bild ankommen. Aber dazu sind viel­leicht nicht alle bereit.


T.D.: Die poli­ti­sche Situa­tion hat sich mit der erzwun­genen Zwi­schen­lan­dung der Ryanair-Pas­sa­gier­ma­schine
am 23. Mai 2021 in Minsk und der damals erfolgten Ver­haf­tung des Oppo­si­ti­ons­ak­ti­visten Raman Pra­tas­evič [Roman Protas­se­witsch] und seiner Freundin Sofija Sapega deut­lich zum Schlech­teren ver­än­dert. Der Ein­satz eines OSZE-Son­der­be­auf­tragten für die Wah­rung der Men­schen­rechte in Belarus, ein fried­li­cher Dia­log­pro­zess nach Genfer Modell, die Anklage von Schlüs­sel­fi­guren des Luka­schenko-Regimes vor dem Euro­päi­schen Straf­ge­richtshof sowie här­tere Wirt­schafts­sank­tionen werden gefor­dert. Aus­blei­bende Gene­ral­streiks in Belarus stoßen auf Ver­wun­de­rung im „Westen“. Was erwarten Sie per­sön­lich von der EU und den USA?

V.A.: Nicht weg­zu­sehen, am Ball zu bleiben, zu erkennen, dass Belarus kein fernes Land, son­dern ein Nachbar ist, der über ein in Betrieb befind­li­ches Atom­kraft­werk in nur 50 Kilo­me­tern Ent­fer­nung von der Grenze zur EU ver­fügt. Tscher­nobyl vor 35 Jahren hat gezeigt, wozu ein Reak­tor­un­fall führen kann. Belarus mit einer unbe­re­chen­baren Regie­rung ist für die EU ein schlechter und gefähr­li­cher Nachbar. Die Ent­füh­rung des Ryanair-Flug­zeugs hat deut­lich gemacht, welche direkte Gefahr für EU-Bürger vom Luka­schenko-Regime aus­geht. Trotzdem kommen nicht viel deut­li­chere Zei­chen aus Europa, ich habe mich gefragt, warum nicht mehr Hal­tung bei der wich­tigen Frage der Ver­let­zung von Men­schen­rechten gezeigt wird. Men­schen­rechte sind für die EU eigent­lich wichtig, aber das öko­no­mi­sche Denken bewirkt, dass der Außen­handel mit Belarus und natür­lich Russ­land ein ent­schei­dender Faktor ist. Die west­eu­ro­päi­schen Regie­rungen sind in eine Falle geraten, sie machen sich selbst zu Sklaven eines kapi­ta­lis­ti­schen Profitdenkens.

T.D.: Die Exporte von Deutsch­land nach Belarus betrugen 2020 laut Sta­tis­ti­schem Bun­desamt nur 0,1%, Importe von Belarus ledig­lich 0,05% des Gesamt­vo­lu­mens. Würden Sie sagen, wenn man auf das Geschäft mit Belarus ver­zich­tete, dass dadurch wirk­lich das Regime zum Ein­lenken gebracht werden könnte? 

V.A.: Das könnte viel­leicht funk­tio­nieren, aber ich kann mich dazu nicht fach­kundig äußern. Ein Grund­pro­blem bleibt ohnehin: die Frage der Kom­mu­ni­ka­tion. Es wäre schwierig, der Bevöl­ke­rung zu ver­mit­teln, dass die Sank­tionen nur gegen die Regie­rung, die gegen Men­schen­rechte ver­stößt, gerichtet sind, und nicht gegen sie selbst. Die rus­si­sche Pro­pa­ganda würde das ganz anders erklären, womit die Pro­ble­matik leider kom­plex bleibt.

24. Juni 2021: Wirt­schafts­sank­tionen in Kraft
Die EU hat beschlossen, Wirt­schafts­sank­tionen gegen Belarus in Kraft zu setzen. Die Straf­maß­nahmen treffen unter anderem die Kali- und Dün­ge­mit­tel­in­dus­trie sowie Tabak- und Mine­ral­öl­un­ter­nehmen und den Zugang zum Kapi­tal­markt der EU.

T.D.: Vitalij Alek­se­jonok, vielen Dank für das Gespräch!

V.A.: Ich danke Ihnen für Ihr Inter­esse. Das ist nicht selbstverständlich.

Timo Daus führte das Gespräch im Juni 2021.

Wei­ter­füh­rende Links:

Infor­ma­tionen zu den poli­ti­schen Gefan­genen auf der Seite von “VIASNA human rights center”: https://prisoners.spring96.org/en

Infor­ma­tionen zu den EU-Wirt­schafts­sank­tionen: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.belarus-eu-setzt-wirtschaftssanktionen-in-kraft.7d4cbca2-0e95-4d7b-8abc-2c06d3c7e419.html