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Eine Landschaft voller Gewalt

Posted on 28. August 2019 by Julia Jasjunas
Ein Mann läuft mit einer Schubkarre eine leere Straße entlang. Er transportiert einen reglosen Frauenkörper. Sein Ziel: die Mülldeponie. In ihrem neusten Film "Otvergnutye" (Abgelehnt, 2018) zeigt Žanna Isabaeva den Stellenwert einer alleinstehenden Mutter im gegenwärtigen Kasachstan auf – bis über die Schmerzgrenze hinweg.

Ein Mann läuft mit einer Schubkarre eine leere Straße entlang. Er transportiert einen reglosen Frauenkörper. Sein Ziel: die Mülldeponie. In ihrem neusten Film Otvergnutye (Abgelehnt, 2018) zeigt Žanna Isabaeva den Stellenwert einer alleinstehenden Mutter im gegenwärtigen Kasachstan auf – bis über die Schmerzgrenze hinweg.

 

Das post-sowjetische Kasachstan ist beherrscht von Nepotismus und Korruption. Patriarchale Strukturen diktieren das alltägliche Leben. Inmitten dieses unmenschlichen Systems kämpft die von ihrer Familie verstoßene Mutter Aiganym (Žanargul Žanyamanova) mit eisernem Willen dafür, ihrem unehelichen Sohn Timur eine solche zu bieten. Als Jugendliche ist sie alleine in die Metropole Almaty gezogen und nun, einige Jahre später, kehrt sie in ihr Dorf zurück und bittet bei der Familie um Vergebung. Obwohl sie von der Mutter bespuckt und vom Bruder brutal geschlagen und getreten wird, kehrt Aiganym mit Timur immer wieder zum Familiengrundstück zurück … so lange, bis alle zugrunde gehen. Žanna Isabaevas jüngstes Drama Otvergnutye (Abgelehnt, 2018) fokussiert die zerstörerische Gewalt der sozialen Verhältnisse in Kasachstan.

 

Unbequeme Wahrheit

„In Kasachstan sterben jährlich 700 Frauen an häuslicher Gewalt“, erzählte die Regisseurin im Rahmen des Publikumsgesprächs auf dem 28. FilmFestival Cottbus, eine Zahl, die ihr als Initialzündung für den Film diente. Sie wollte, so die kämpferisch gesinnte Isabaeva, für das Thema Aufmerksamkeit erregen und inszenierte daher die Misshandlungen besonders explizit: Das zarte Gesicht der Hauptdarstellerin wird bis zur Entstellung blutig geschlagen, schnell und aggressiv bewegt sich die Kamera, was eine fühlbare Ohnmacht kreiert. Zusätzlich pointiert schnelle orchestrale Musik die Dramatik der Gewaltszenen. Der Film balanciert zwischen Eindringlichkeit und Zurückhaltung, stets bemüht um die richtige Dosis an Affekt, übertreibt aber an manchen Stellen. Outriert wirkt insbesondere die Darstellung der beiden Hauptdarsteller_innen: Wenn Aiganym (Žanargul Žanyamanova) mit demonstrativ gesenktem Kopf an den Gartenzaun ihrer feindlich gesinnten Familie schreitet oder ihr Bruder Kairat (Nyšanbek Žubanaev) immer wieder mit stoisch aggressivem Gesichtsausdruck Auto fährt, nimmt die Inszenierung einen zu gekünstelten Charakter an und vermittelt das Gefühl, die Realität sei nur behauptet. Dies überrascht insofern, da sich Isabaeva in ihren bisherigen Arbeiten durch die starke Führung ihres Laiendarsteller_innen-Ensembles ausgezeichnet hat.

 

Leid als Teil der Natur

In ihren bisherigen acht Spielfilmen blieb die Regisseurin grundsätzlich ihrer Handschrift ästhetisch treu: Auch die Inszenierung ihres neuesten Films erinnert unweigerlich an die vorhergehenden Filme, allesamt durchaus vergleichbar, was Pessimismus und Minimalismus betrifft. Isabaeva wirft einen scharfen und nüchternen Blick auf eine Gesellschaft, in der Farbe und Hoffnung verblichen sind. Auch Michail Blincovs Bildgestaltung trägt zum unverkennbaren Stil bei. Dabei zeichnet sich die Kamera als unauffällige Beobachterin aus, manchmal in Bewegung, an anderen Stellen statisch, wie die stillstehende Gesellschaft. Die Bildästhetik steht damit in der Tradition des Kazakh New Wave Kino, das geprägt ist von zahlreichen Außenaufnahmen kasachischer Landschaften und der ausschließlichen Verwendung von natürlichem Licht. Dabei spielt die Natur in Isabaevas Film eine genauso wichtige Rolle wie bei ihren Regie-Kolleg_innen, etwa in Rašid Nugmanovs Igla (The Needle, 1988) oder Serik Aprymovs Konečnaja ostanovka (Last Stop, 1989). Die Umgebung wird zur Grundlage des menschlichen Elends. Leid scheint in Kasachstan Teil des Ökosystems zu sein – in Otvergnutye beispielsweise dargestellt durch handlungsunterbrechende Landschaftsaufnahmen, die in einer Symbiose mit dem menschlichen Körper kulminieren, wenn in der Schlusseinstellung der leblose Körper von Aiganyms Bruder in einem türkisfarbenen Fluss in die Weiten der kasachischen Hügel davon treibt.

 

Spiel mit der Ambivalenz

Für übergriffiges Verhalten gibt es keine Entschuldigung. Doch parallel zur Leidensgeschichte der Frau (Aiganym) wird in Otvergnutye auch die Lebensgeschichte des Täters gezeigt; immer wieder werden Szenen aus dem Alltag ihres Bruders Kairat erzählt. Er muss ständig Geld für die gesamte Familie auftreiben; damit verbundene Kreditschulden und die ständige Bedrohung durch die mafiösen Gläubiger_innen stehen für ihn an der Tagesordnung. Ein Mann in Kasachstan zu sein, bedeutet die Last des Versorgers zu tragen. Die Inszenierung Kairats als verantwortungsbewusster und hingebungsvoller Familienmensch und gleichzeitig grausamer Peiniger seiner Schwester kreiert im Kontext von Isabaevas feministischem Kino eine Ambivalenz innerhalb des Filmes, die irritiert. Vielleicht liegt der Schlüssel zum Verständnis in einer symbolischen Entsprechung: Als Repräsentant für die patriarchale Dominanz bekommt Kairat auffällig viel Spielzeit. So spiegelt das Erzählte die realen Verhältnisse.

In ihren filmischen Arbeiten konzentriert sich die Regisseurin immer wieder auf die gesellschaftlichen Verlierer_innen – vor allem Frauen. Die Kraft ihrer Filme liegt dabei in der Komplexität der Figuren und der Rigorosität ihrer Handlungen. Isabaeva ist eine Virtuosin, wenn es darum geht, schreckliche Charaktere zu erschaffen, die man widerwillig ins Herz schließt: So ist es schwer mit anzusehen, wie eine behinderte Heldin gleich einem amoralischen Monster agiert, doch genau das zeichnet die Protagonistin in Sveta (2017) aus. Auch die vielen Morde des jungen Rajan in Bopem (2015) wirken nicht weniger brutal, sie werden jedoch schmerzhaft nachvollziehbar, wenn man sein Schicksal und seine Motivation kennt. In Otvergnutye versucht Isabaeva nun – anders als bisher – durch einen Fokus auf gleich mehrere Figuren ein differenziertes Bild der Geschlechterverhältnisse wie damit verbundene gesellschaftliche Probleme aufzuzeigen. Vielleicht erlangt der Film gerade deshalb nicht die Tiefe und Unberechenbarkeit ihrer anderen Werke.

 

Kein Platz in der kasachischen Filmlandschaft?

Wie Žanna Isabaeva im Rahmen des 28. Filmfestival Cottbus berichtete, war die Finanzierung und Herstellung ihres neuesten Filmes schwierig und für ihre Verhältnisse besonders langwierig. Was damit gemeint sein könnte, belegte die rhetorische Intervention eines anderen – eines Mannes: In das selbe Publikumsgespräch nach dem Screening schaltete sich nämlich auch Hauptdarsteller Žubanaev (Kairat) ein und verwies explizit darauf, dass die Figuren und Handlungen in Otvergnutye keineswegs repräsentativ für die Verhältnisse in Kasachstan seien. Diese durchweg als anti-feministisches Statement zu wertende Replik belegt vermutlich genauso wie die von der Regisseurin geschilderten Produktionsschwierigkeiten, die geringe gesellschaftliche Bereitschaft, sich dem Thema der patriarchalen Gewalt in Kasachstan zu stellen. Folglich liegt die Bedeutung des Filmes -  trotz einiger Schwächen in der Darstellung – darin, ein wichtiges Thema eindrücklich in den Fokus gerückt zu haben, bei gleichzeitigem Wissen, damit keinen Platz in der kasachischen Filmlandschaft zu erhalten (weshalb Isabaeva den Film nach den offiziellen Festivalvorführungen auch auf YouTube veröffentlichte). Otvergnutye steht für einen politischen Aktivismus, der Aufmerksamkeit auf ein unbequemes Thema lenkt, es spürbar macht und deshalb Aufmerksamkeit verdient.

 

Isabaeva, Žanna: Otvergnutye (Abgelehnt). Kasachstan, 2018, 88 Min.

 

Eine Landschaft voller Gewalt – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Eine Land­schaft voller Gewalt

Ein Mann läuft mit einer Schub­karre eine leere Straße ent­lang. Er trans­por­tiert einen reg­losen Frauenkörper. Sein Ziel: die Müll­de­ponie. In ihrem neusten Film Otver­gnutye (Abge­lehnt, 2018) zeigt Žanna Isa­baeva den Stel­len­wert einer allein­ste­henden Mutter im gegen­wär­tigen Kasach­stan auf – bis über die Schmerz­grenze hinweg.

 

Das post-sowje­ti­sche Kasach­stan ist beherrscht von Nepo­tismus und Kor­rup­tion. Patri­ar­chale Struk­turen dik­tieren das all­täg­liche Leben. Inmitten dieses unmensch­li­chen Sys­tems kämpft die von ihrer Familie ver­sto­ßene Mutter Aiganym (Žan­argul Žan­ya­ma­nova) mit eisernem Willen dafür, ihrem unehe­li­chen Sohn Timur eine solche zu bieten. Als Jugend­liche ist sie alleine in die Metro­pole Almaty gezogen und nun, einige Jahre später, kehrt sie in ihr Dorf zurück und bittet bei der Familie um Ver­ge­bung. Obwohl sie von der Mutter bespuckt und vom Bruder brutal geschlagen und getreten wird, kehrt Aiganym mit Timur immer wieder zum Fami­li­en­grund­stück zurück … so lange, bis alle zugrunde gehen. Žanna Isa­ba­evas jüngstes Drama Otver­gnutye (Abge­lehnt, 2018) fokus­siert die zer­stö­re­ri­sche Gewalt der sozialen Ver­hält­nisse in Kasach­stan.

 

Unbe­queme Wahr­heit

„In Kasach­stan sterben jähr­lich 700 Frauen an häus­li­cher Gewalt“, erzählte die Regis­seurin im Rahmen des Publi­kums­ge­sprächs auf dem 28. Film­Fes­tival Cottbus, eine Zahl, die ihr als Initi­al­zün­dung für den Film diente. Sie wollte, so die kämp­fe­risch gesinnte Isa­baeva, für das Thema Auf­merk­sam­keit erregen und insze­nierte daher die Miss­hand­lungen beson­ders explizit: Das zarte Gesicht der Haupt­dar­stel­lerin wird bis zur Ent­stel­lung blutig geschlagen, schnell und aggressiv bewegt sich die Kamera, was eine fühl­bare Ohn­macht kre­iert. Zusätz­lich poin­tiert schnelle orches­trale Musik die Dra­matik der Gewalt­szenen. Der Film balan­ciert zwi­schen Ein­dring­lich­keit und Zurück­hal­tung, stets bemüht um die rich­tige Dosis an Affekt, über­treibt aber an man­chen Stellen. Outriert wirkt ins­be­son­dere die Dar­stel­lung der beiden Hauptdarsteller_innen: Wenn Aiganym (Žan­argul Žanya­ma­nova) mit demons­trativ gesenktem Kopf an den Gar­ten­zaun ihrer feind­lich gesinnten Familie schreitet oder ihr Bruder Kairat (Nyš­anbek Žuba­naev) immer wieder mit sto­isch aggres­sivem Gesichts­aus­druck Auto fährt, nimmt die Insze­nie­rung einen zu geküns­telten Cha­rakter an und ver­mit­telt das Gefühl, die Rea­lität sei nur behauptet. Dies über­rascht inso­fern, da sich Isa­baeva in ihren bis­he­rigen Arbeiten durch die starke Füh­rung ihres Lai­en­dar­stel­ler_innen-Ensem­bles aus­ge­zeichnet hat.

 

Leid als Teil der Natur

In ihren bis­he­rigen acht Spiel­filmen blieb die Regis­seurin grund­sätz­lich ihrer Hand­schrift ästhe­tisch treu: Auch die Insze­nie­rung ihres neu­esten Films erin­nert unwei­ger­lich an die vor­her­ge­henden Filme, alle­samt durchaus ver­gleichbar, was Pes­si­mismus und Mini­ma­lismus betrifft. Isa­baeva wirft einen scharfen und nüch­ternen Blick auf eine Gesell­schaft, in der Farbe und Hoff­nung ver­bli­chen sind. Auch Michail Blin­covs Bild­ge­stal­tung trägt zum unver­kenn­baren Stil bei. Dabei zeichnet sich die Kamera als unauf­fäl­lige Beob­ach­terin aus, manchmal in Bewe­gung, an anderen Stellen sta­tisch, wie die still­ste­hende Gesell­schaft. Die Bild­äs­thetik steht damit in der Tra­di­tion des Kazakh New Wave Kino, das geprägt ist von zahl­rei­chen Außen­auf­nahmen kasa­chi­scher Land­schaften und der aus­schließ­li­chen Ver­wen­dung von natür­li­chem Licht. Dabei spielt die Natur in Isa­ba­evas Film eine genauso wich­tige Rolle wie bei ihren Regie-Kol­le­g_innen, etwa in Rašid Nug­ma­novs Igla (The Needle, 1988) oder Serik Apry­movs Koneč­naja ost­anovka (Last Stop, 1989). Die Umge­bung wird zur Grund­lage des mensch­li­chen Elends. Leid scheint in Kasach­stan Teil des Öko­sys­tems zu sein – in Otver­gnutye bei­spiels­weise dar­ge­stellt durch hand­lungs­un­ter­bre­chende Land­schafts­auf­nahmen, die in einer Sym­biose mit dem mensch­li­chen Körper kul­mi­nieren, wenn in der Schluss­ein­stel­lung der leb­lose Körper von Aiga­nyms Bruder in einem tür­kis­far­benen Fluss in die Weiten der kasa­chi­schen Hügel davon treibt.

 

Spiel mit der Ambi­va­lenz

Für über­grif­figes Ver­halten gibt es keine Ent­schul­di­gung. Doch par­allel zur Lei­dens­ge­schichte der Frau (Aiganym) wird in Otver­gnutye auch die Lebens­ge­schichte des Täters gezeigt; immer wieder werden Szenen aus dem Alltag ihres Bru­ders Kairat erzählt. Er muss ständig Geld für die gesamte Familie auf­treiben; damit ver­bun­dene Kre­dit­schulden und die stän­dige Bedro­hung durch die mafiösen Gläubiger_innen stehen für ihn an der Tages­ord­nung. Ein Mann in Kasach­stan zu sein, bedeutet die Last des Ver­sor­gers zu tragen. Die Insze­nie­rung Kai­rats als ver­ant­wor­tungs­be­wusster und hin­ge­bungs­voller Fami­li­en­mensch und gleich­zeitig grau­samer Pei­niger seiner Schwester kre­iert im Kon­text von Isa­ba­evas femi­nis­ti­schem Kino eine Ambi­va­lenz inner­halb des Filmes, die irri­tiert. Viel­leicht liegt der Schlüssel zum Ver­ständnis in einer sym­bo­li­schen Ent­spre­chung: Als Reprä­sen­tant für die patri­ar­chale Domi­nanz bekommt Kairat auf­fällig viel Spiel­zeit. So spie­gelt das Erzählte die realen Ver­hält­nisse.

In ihren fil­mi­schen Arbeiten kon­zen­triert sich die Regis­seurin immer wieder auf die gesell­schaft­li­chen Verlierer_innen – vor allem Frauen. Die Kraft ihrer Filme liegt dabei in der Kom­ple­xität der Figuren und der Rigo­ro­sität ihrer Hand­lungen. Isa­baeva ist eine Vir­tuosin, wenn es darum geht, schreck­liche Cha­rak­tere zu erschaffen, die man wider­willig ins Herz schließt: So ist es schwer mit anzu­sehen, wie eine behin­derte Heldin gleich einem amo­ra­li­schen Monster agiert, doch genau das zeichnet die Prot­ago­nistin in Sveta (2017) aus. Auch die vielen Morde des jungen Rajan in Bopem (2015) wirken nicht weniger brutal, sie werden jedoch schmerz­haft nach­voll­ziehbar, wenn man sein Schicksal und seine Moti­va­tion kennt. In Otver­gnutye ver­sucht Isa­baeva nun – anders als bisher – durch einen Fokus auf gleich meh­rere Figuren ein dif­fe­ren­ziertes Bild der Geschlech­ter­ver­hält­nisse wie damit ver­bun­dene gesell­schaft­liche Pro­bleme auf­zu­zeigen. Viel­leicht erlangt der Film gerade des­halb nicht die Tiefe und Unbe­re­chen­bar­keit ihrer anderen Werke.

 

Kein Platz in der kasa­chi­schen Film­land­schaft?

Wie Žanna Isa­baeva im Rahmen des 28. Film­fes­tival Cottbus berich­tete, war die Finan­zie­rung und Her­stel­lung ihres neu­esten Filmes schwierig und für ihre Ver­hält­nisse beson­ders lang­wierig. Was damit gemeint sein könnte, belegte die rhe­to­ri­sche Inter­ven­tion eines anderen – eines Mannes: In das selbe Publi­kums­ge­spräch nach dem Scree­ning schal­tete sich näm­lich auch Haupt­dar­steller Žuba­naev (Kairat) ein und ver­wies explizit darauf, dass die Figuren und Hand­lungen in Otver­gnutye kei­nes­wegs reprä­sen­tativ für die Ver­hält­nisse in Kasach­stan seien. Diese durchweg als anti-femi­nis­ti­sches State­ment zu wer­tende Replik belegt ver­mut­lich genauso wie die von der Regis­seurin geschil­derten Pro­duk­ti­ons­schwie­rig­keiten, die geringe gesell­schaft­liche Bereit­schaft, sich dem Thema der patri­ar­chalen Gewalt in Kasach­stan zu stellen. Folg­lich liegt die Bedeu­tung des Filmes –  trotz einiger Schwä­chen in der Dar­stel­lung – darin, ein wich­tiges Thema ein­drück­lich in den Fokus gerückt zu haben, bei gleich­zei­tigem Wissen, damit keinen Platz in der kasa­chi­schen Film­land­schaft zu erhalten (wes­halb Isa­baeva den Film nach den offi­zi­ellen Fes­ti­val­vor­füh­rungen auch auf You­Tube ver­öf­fent­lichte). Otver­gnutye steht für einen poli­ti­schen Akti­vismus, der Auf­merk­sam­keit auf ein unbe­quemes Thema lenkt, es spürbar macht und des­halb Auf­merk­sam­keit ver­dient.

 

Isa­baeva, Žanna: Otver­gnutye (Abge­lehnt). Kasach­stan, 2018, 88 Min.