Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Film­fes­tival „Zer­kalo“: Die rus­si­sche Peri­pherie im Fokus

Wie macht man das – ein inter­na­tio­nales Film­fes­tival in einer Stadt, die abseits der kul­tu­rellen Zen­tren Russ­lands, Moskau und Sankt Peters­burg, liegt? Das XIII. Inter­na­tio­nale Andrej Tar­kovskij Film­fes­tival, das nach Tar­kovs­kijs Film “Zer­kalo” (dt. Spiegel) benannt ist und jähr­lich in Iva­novo statt­findet, hat im ver­gan­genen Juni bewiesen, dass dies sehr wohl mög­lich ist – dank des lei­den­schaft­li­chen Ein­satzes eines neu auf­ge­stellten Fes­ti­val­teams aus St. Peters­burg und unter Ein­schluss einer enga­gierten lokalen Kulturszene.

Iva­novo. „Ich brenne für das rus­si­sche zeit­ge­nös­si­sche Kino“, sagt Aleksej Krymov, Jury­mit­glied des Kino­fes­ti­vals in der auf das natio­nale rus­si­sche Kino kon­zen­trierten Sek­tion Svoi (dt. Unsere) und Betreiber einer ange­sagten Bar in Iva­novo, wäh­rend sym­pho­ni­sche Orches­t­er­klänge mit E‑Gi­tarren-Ver­stär­kung über den Dorf­platz von Jur’evec schallen. Hier, in einem Dorf an der Volga, gut drei­hun­dert Kilo­meter von Moskau ent­fernt, wo Kult­re­gis­seur Andrej Tar­kovskij seine Kind­heit ver­bracht hat, feiern einige hun­dert Fes­ti­val­gäste und Dorfbewohner_innen die Eröff­nung des Film­fes­ti­vals „Zer­kalo“.

 

In seiner Bar „Tesno“, die sich bei Nacht in den ein­zigen Tech­no­club der 400.000 Ein­woh­ner_innen-Stadt Iva­novo ver­wan­delt, zeigt Aleksej regel­mäßig – unab­hängig vom Fes­ti­val­ge­schehen – rus­si­sche Filme. Bei freiem Ein­tritt und ohne Lizenz, wie der Anfang Drei­ßig­jäh­rige selbst sagt. „Das Fes­tival tut der Stadt gut. Das Wich­tigste ist doch, dass es den Leuten gefällt“, meint er.

 

 

Iva­novo, Bahnhof © Eli­sa­beth Bauer

 

„Ein Fes­tival für die Men­schen, für die Stadt“

Und das sei nicht immer so gewesen. Lange Jahre hatte man das Fes­tival weniger für die Men­schen aus der Oblast′ Iva­novo, als für die Elite der rus­si­schen Kul­tur­land­schaft orga­ni­siert: Einmal im Jahr ver­la­gerte ein geschlos­sener Expert_innenkreis seine Gespräche zum zeit­ge­nös­si­schen Kino aus der Haupt­stadt in die rus­si­sche Peri­pherie, ohne sich dabei für ein lokales Publikum zu öffnen. Nicht in Iva­novo, son­dern in der Nach­bar­stadt Pl’os trafen sich die pri­vi­le­gierten Fes­ti­val­gäste – in einer Stadt, die bekannt dafür ist, dass sich hier Dat­schen rei­cher Busi­ness­leute und Ver­be­am­teter dicht an dicht aneinanderreihen.

„Als wir das Fes­tival vor zwei Jahren über­nommen haben, lag diese Stim­mung in der Luft, ein Fes­tival für die Men­schen zu machen, für die Stadt“, erzählt Fes­ti­val­pro­du­zentin Saša Ach­ma­dšina auf dem Weg in die Fes­tival-Loca­tion in Iva­novo, das Kino „Lodz“. Wer in diesen Juni-Tagen mit Gästen aus der Region über das Fes­tival spricht, erfährt, dass „Zerkalo“noch immer der Ruf anhaftet, ein ver­schlos­senes und eli­täres Kul­tur­event zu sein – eine Alt­last der ersten elf Festivaleditionen.

 

 

Iva­novo, Kino Lodz © Eli­sa­beth Bauer

 

Anar Imanov, Sla­wist und Ko-Dreh­buch­autor des im Rahmen des Fes­ti­vals zwei­fach preis­ge­krönten Films End of Season („Young Film Cri­tics Award“ und „Pro­fes­sional Achie­ve­ment Award“), der beim inter­na­tio­nalen Film­fes­tival in Rot­terdam 2019 den FIPRESCI-Preis erhalten hatte, betont, dass das Film­fes­tival den Men­schen die beson­dere Gele­gen­heit biete, ihre Stadt aus den Augen der Film­schaf­fenden zu betrachten – es eröffne neue Per­spek­tiven. „Iva­novo wartet mit einem uner­war­teten kul­tu­rellen, his­to­ri­schen Reichtum auf. Es ist eine Stadt der Mythen, die dazu ein­laden, wie­der­ent­deckt und wei­ter­ge­dacht zu werden.“ Imanov nennt dieses Phä­nomen in Anleh­nung an den Tarkovskij’schen Fes­ti­val­namen „Spie­gel­ef­fekt“: Iva­novo werde zu einem Ort der Ima­gi­na­tion – eine Stadt, in der die Zuschauer Teil eines fik­tiven Raums werden können. Das sei nicht überall möglich.

 

Iva­novo – Stadt der zwei Architekturen

Das hete­ro­gene Stadt­bild Iva­novos mag beim ersten Hin­sehen weniger reiz­voll erscheinen, als das denk­mal­ge­schützte, male­risch auf einer Anhöhe am rechten Volga-Ufer gele­gene Pl’os: Fabrik­ar­chi­tek­turen aus Back­stein ver­mi­schen sich mit sowje­ti­schen Plat­ten­bauten und neueren Inter­pre­ta­tionen der­selben.  Hier und da schälen sich archai­sche Türme ortho­doxer Kir­chen aus den Hin­ter­höfen, wäh­rend schrill-glän­zende sakrale Neu­bauten den zen­tralen Plätzen der Stadt ihren Stempel aufsetzen.

Auf einem Stadt­spa­zier­gang mit einer Gruppe inter­na­tio­naler Fes­ti­val­gäste ent­schlüs­selt Michail Timofeev, Experte für die lokale Stadt­ar­chi­tektur und Phi­lo­so­phie­pro­fessor an der Staat­li­chen Uni­ver­sität von Iva­novo, diese urbane Assem­blage. Zwar sei Iva­novo Teil des „Gol­denen Rings“, gleich­zeitig unter­scheide sich die Indus­trie­stadt sub­stan­ziell von den übrigen Städten der beliebten Rei­se­route. Anders als das sich nord­öst­lich von Moskau erstre­ckende his­to­ri­sche Städte-Netz – ehe­mals Ein­zugs­ge­biet der Nordost-Rus’ – ist Iva­novo eben nicht gespickt von alt­rus­si­schen Kathe­dralen mit ihren cha­rak­te­ris­ti­schen Glockentürmen.

 

 

Iva­novo, Lež­nevs­kaja-Straße © Eli­sa­beth Bauer

Zwei Archi­tek­turen ver­leihen der „Zerkalo“-Stadt seinen eigen­wil­ligen Cha­rakter, ver­weisen auf die beiden prä­genden Erzäh­lungen der Stadt­ge­schichte, die sich dis­kursiv wie mate­riell durch den Stadt­raum ziehen – von Iva­novos Bei­namen „Stadt der Bräute“ (russ. „Gorod nevest“) und „Stadt des ersten Sowjets“ (russ. „Gorod per­vogo soveta“) über­schrieben. Rote Fabrik- und Back­stein­bauten und herr­schaft­liche neo­klas­si­zis­ti­sche Stadt­villen zeugen einer­seits vom ver­gan­genen Ruhm der Stadt als Zen­trum der rus­si­schen Tex­til­in­dus­trie. Ande­rer­seits ist der Stadt­raum von ein­drück­li­chen Avant­gar­de­ar­chi­tek­turen durch­setzt: Arbei­ter­häuser, Schulen und Theater, Hotels und insti­tu­tio­nelle Ein­rich­tungen im Stile des Kon­struk­ti­vismus erin­nern daran, dass Iva­novo in den Geschichts­bü­chern einst als „Dritte pro­le­ta­ri­sche Haupt­stadt“ geführt wurde. Timofeev hebt die soge­nannten „Meta­pher-Häuser“ als Perlen des Iva­novo-Voz­ne­sensker Kon­struk­ti­vismus hervor, so etwa das Schiff- oder das Vogelhaus.

 

 

Gen­kina-Statur [Ol’ga Miha­jl­ovna Gen­kina, Revo­lu­tio­närin] © Eli­sa­beth Bauer

 

„Die junge Genera­tion muss merken, dass sie etwas ver­än­dern kann“

„Für einige Tage stehen aus­nahms­weise die armen Pro­vinzen an der Peri­pherie im Zen­trum des kul­tu­rellen Gesche­hens“, sagt Ach­ma­dšina, wäh­rend die ver­al­teten Motoren der im Stau ste­henden Klein­busse, genannt Marš­rutkas, rat­tern und ihre Stimme zu über­tönen drohen. „Es kommen Besu­cher aus der Region und aus anderen Städten; man hört sich gegen­seitig zu, tauscht sich aus.“ Als Sta­nislav Vos­kre­sen­skij, neuer Gou­ver­neur der Oblast′ Iva­novo, vor zwei Jahren ver­kün­dete, das Film­fes­tival „Zerkalo“müsse erneuert werden – aus dem intel­lek­tu­ellen Treff sollte ein für alle zugäng­li­ches, ega­li­täres Kul­tur­er­eignis werden –, fiel die Wahl auf Iva­novo als pas­sende Spiel­stätte, weil es im Gegen­satz zu Pl’os eben soziale Demo­kratie und – bei inter­na­tio­naler Aus­rich­tung – den Willen zur Inter­ak­tion mit der lokalen Kul­tur­szene signalisierte.

„Hier in Iva­novo gibt es eine tolle Zusam­men­ar­beit mit den städ­ti­schen Behörden“, sagt Ach­ma­dšina. Ihnen sei viel daran gelegen, dass es ein urbanes Film­fes­tival mit anspruchs­vollem Pro­gramm gebe, das dem Niveau ver­gleich­barer euro­päi­scher Film­fes­ti­vals ent­spreche. „In St. Peters­burg gibt es diesen Dialog mit der Stadt prak­tisch nicht, dort ist alles komplizierter.“

Die Öff­nung der Fes­tival-Ver­an­stal­tungen für ein hete­ro­genes Publikum sowie die regio­nale Krea­tiven- För­de­rung sind grund­le­gende Bau­steine des Fes­ti­val­re­gle­ments, seitdem das St. Peters­burger Kol­lektiv um Kon­stantin Šavlovskij, Ach­ma­dšina & Сo. die Pro­duk­tion über­nommen hat. Damit trifft das Film­fes­tival einen Nerv der Zeit: Film­fes­ti­vals auf der ganzen Welt öffnen sich ver­stärkt für junges Publikum und poten­zi­ellen Nach­wuchs aus der Branche, in diesem Jahr etwa das Film­fes­tival in Locarno mit einem „Base Camp“ für junge Krea­tive, einem Raum für Aus­tausch und Experimente.

 

Staat­liche Finan­zie­rung, (noch) keine Zensur

Dass das Fes­tival-Budget von staat­li­chen Gel­dern getragen werde – vom Kul­tur­mi­nis­te­rium der Rus­si­schen Föde­ra­tion und von der regio­nalen Regie­rung der Oblast′ Iva­novo näm­lich – werde in Deutsch­land natür­lich nicht gerne gehört. „Fak­tisch ent­scheiden wir aber alles selbst“, sagt Ach­ma­dšina über die Kura­tion des Fes­tival-Pro­gramms, wel­cher Andrej Pla­chov als Pro­gramm­di­rektor vor­steht. „Von den För­de­rern kommt nur das Geld. Gott sei Dank, noch kon­trol­lieren sie das Fes­tival-Pro­gramm nicht, es gibt keine Zensur.“

Wich­tiger Akteur ist dabei „Rus­sian Seasons“,ein Pro­jekt der rus­si­schen Regie­rung, das Ver­an­stal­tungen för­dert, welche die rus­si­sche Kultur – der Gegen­wart, aber auch ihre (post-)sowjetische Ver­gan­gen­heit – zum Inhalt haben. „Rus­sian Sea­sons“ basiert unter anderem auf der aus­ge­zeich­neten Idee, dass es junge Men­schen braucht, die sich mit der rus­si­schen Kultur beschäf­tigen. Dieser Dialog ist wichtig“, betont Ach­ma­dšina. So konnte auch der Fes­ti­val­be­such einer Gruppe von Sla­wistik-Stu­die­renden der Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin und Filmexpert_innen aus Berlin finan­ziert werden.

 

Anders sehen und denken lernen – abseits des Nachrichtenstroms

„Die junge Genera­tion soll merken, dass sie wichtig ist, gesehen wird und etwas ver­än­dern kann. Wenn man Filme macht, ist das mög­lich – man kann seine Optik ver­bes­sern, ‚Anders Sehen‘ lernen und ver­su­chen, den Blick­winkel zu erwei­tern“, sagt die Fes­ti­val­pro­du­zentin. Des­halb gibt es in Iva­novo seit ver­gan­genem Jahr par­allel zum offi­zi­ellen Fes­ti­val­pro­gramm einen „Doku-Campus“, der sich am Lehr­pro­gramm der Mos­kauer Schule für Doku­men­ta­ti­ons­film von Marina Razbež­kina ori­en­tiert, in diesem Jahr kam noch ein „Ani­ma­ti­ons­film-Campus“ dazu. Jugend­liche aus dem Gebiet zwi­schen den Flüssen Volga und Oka werden im Aus­wahl­ver­fahren um die Campus-Plätze bevorzugt.

Einen hohen inhalt­li­chen Anspruch mit der Inte­gra­tion der lokalen Kul­tur­szene zu ver­einen – das scheint ein Haupt­ziel der neuen Festivalmacher_innen zu sein. „Für Iva­novo ist ‚Zerkalo‘das ein­zige kul­tu­relle Ereignis im Jahr und die ein­zige Mög­lich­keit für die Men­schen, mal etwas anderes zu sehen – anders zu sehen und zu denken.“ Nor­ma­ler­weise lebten sie in einem Nach­rich­ten­strom, der vor allem Into­le­ranz ver­breite, Pro­pa­ganda gegen LGBT, so Ach­ma­dšina. „Ein­zu­sehen, dass Iva­novo auch eine Stadt sein kann, in der geduldig, umsichtig und tole­rant mit­ein­ander umge­gangen wird – das wäre wichtig.“

 

Sokurov-Schüler Balagov und Zolo­tuchin – inter­na­tional geehrt

Nach fünf inten­siven Fes­ti­val­tagen, die neben Film­s­cree­nings auch kos­ten­lose Vor­träge, mode­rierte Gespräche mit den Filmemacher_innen und im Begleit­pro­gramm eine Fes­ti­val­aka­demie sowie eine inter­na­tio­nale wis­sen­schaft­liche Kon­fe­renz zum Werk des Fes­tival-Namens­ge­bers Andrej Tar­kovskij boten, steht fest: Zum zweiten Mal gewinnt ein Schüler Alek­sandr Sokurovs, Kan­t­emir Balagov, den „Zerkalo“-Hauptpreis. Vor zwei Jahren war bereits sein Film Tes­nota (dt. Enge) aus­ge­zeichnet worden, dessen Hand­lung Balagov in der Haupt­stadt der Repu­blik Kaba­rino-Bal­ka­rien Nal’chik im Nord­kau­kasus ange­legt hatte, wo der Jung­re­gis­seur selbst damals auch lebte und wo er die von Sokurov gelei­tete Film­schule besuchtе. Ein im Grunde ähn­li­ches Pro­jekt zur Kul­tur­för­de­rung in der rus­si­schen Pro­vinz wie auch das Fes­tival in Ivanovo.

Sein neuer Film Dylda (dt. Boh­nen­stange)spielt im trau­ma­ti­sierten Nach­kriegs-Lenin­grad, in den von Vete­ranen auf­ge­suchten Laza­rett­kor­ri­doren. In dieser Umge­bung träumen die beiden weib­li­chen Haupt­fi­guren, die vom Krieg gezeich­nete Boh­nen­stange Ila und ihre Freundin Maša, von einem anderen Leben, einer anderen Zeit. Dylda sei weniger Kino über Lenin­grad im Nach­kriegs­chaos, so fasste es eine Kri­ti­kerin in der „Novaja Gazeta“zusammen, als viel­mehr eines über die Frau – mit großem Anfangs­buch­staben – als „Urquelle“ des Lebens und des Frie­dens („pro Ženščinu kak per­voos­novu mira (kak world, kak i peace“). Dylda hatte in Cannes in der Sek­tion „Un Cer­tain Regard“ seine inter­na­tio­nale Pre­miere gefeiert und war dort nicht nur mit dem Preis für die beste Regie, son­dern zusätz­lich mit dem FIPRESCI-Preis aus­ge­zeichnet worden. Nun wird er als rus­si­scher Ver­treter ins Rennen um den Oskar in der Kate­gorie „Bester fremd­spra­chiger Film“ geschickt.

In der „Zerkalo“-Sektion „Svoi“gewann mit Mal’čik russkij (dt. Ein rus­si­scher Junge) von Alek­sandr Zolo­tuchin, eben­falls ein Schüler der Sokurov-Film­aka­demie in Nal’cik, den Publi­kums­preis. Zwei Hand­lungs­li­nien laufen in seinem Debüt­film par­allel und werden kunst­voll in der Mon­tage ver­woben: Da ist zum einen die Geschichte eines rus­si­schen Dorf­jungen, der sich im Ersten Welt­krieg frei­willig zur Front meldet, in einem Gas­an­griff sein Augen­licht ver­liert und fortan als „Lau­scher“ in einer spe­zi­ellen Vor­rich­tung die anderen Sol­daten vor sich nähernden Flug­zeugen warnt; zum anderen die doku­men­ta­ri­schen Film­auf­nahmen der Pro­ben­ar­beit des Tav­ričeskij-Orches­ters im zeit­ge­nös­si­schen St. Peters­burg. Indem auf das Kriegs­sujet des Jahres 1914 die orches­trale Ton­spur des 3. Rach­ma­ninov-Kon­zerts und seiner Tänze gelegt wird, befinden sich die Gegen­wart und die große Kata­strophe des Ersten Welt­kriegs in direktem, akus­tisch-räum­li­chen Bezug zuein­ander. Im Februar im „Forum“ der Ber­li­nale dem Publikum vorgestellt, wurde auch Zolo­tuchins ein­präg­same Skizze des Ein rus­si­scher Junge inter­na­tional hoch­ge­lobt und mehr­fach prä­miert. Die Aus­zeich­nungen in der ‚Heimat‘, sowohl beim natio­nalen rus­si­schen Film­fes­tival „Kino­tavr“ in Soči, wo Zolo­tuchin von der Film­kri­tiker-Gilde geehrt wurde, als auch in Iva­novo – vom Publikum – sind in diesem Fall sicher­lich sogar mehr wert. Sie ver­weisen auf eine junge rus­si­sche Film- und Kul­tur­szene, die auch jen­seits der Fes­ti­vals in Cannes, Venedig und Berlin und jen­seits der Metro­polen Moskau und Sankt-Peters­burg ange­kommen ist. In Iva­novo näm­lich – bei einem Fes­tival, das zwar für ein anderes, junges Russ­land steht, aber eines, das sich seiner Tra­di­ti­ons­li­nien und künst­le­ri­schen Ahn­herren sehr wohl bewusst ist.