Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Eine Reise durch die ost­mit­tel­eu­ro­päi­sche Geschichte

Martin Pollack im Gespräch

Martin Pollack (geb. 1944), Schrift­steller und lite­ra­ri­scher Über­setzer, gehört zu den wich­tigsten Stimmen in der öster­rei­chi­schen Gegen­warts­li­te­ratur. Sein viel beach­tetes Buch Nach Gali­zien. Von Chas­siden, Huzulen, Polen und Ruthenen. Eine ima­gi­näre Reise durch die ver­schwun­dene Welt Ost­ga­li­ziens und der Buko­wina erschien 1984, wei­tere Bücher ent­standen erst nach 2000, als er die Arbeit als Redak­teur für das Magazin Der Spiegel auf­ge­geben hatte. Seine Texte oszil­lieren zwi­schen Repor­tage, auto­bio­gra­fi­schem Schreiben, Zeugnis, his­to­ri­schem Essay und Erzäh­lung. Zu den wich­tigsten Titeln zählen Anklage Vater­mord (2002), Der Tote im Bunker (2004, ein „Bericht“, wie Pollack das Buch im Unter­titel nennt, über seinen Vater, der SS-Sturm­bann­führer und Kriegs­ver­bre­cher war), Warum wurden die Sta­nis­laws erschossen? (2008), Kaiser von Ame­rika. Die große Flucht aus Gali­zien (2010), Die Wolfs­jäger. Drei pol­ni­sche Duette (2011, zusammen mit Chris­toph Rans­mayr), Kon­ta­mi­nierte Land­schaften (2014) und Topo­grafie der Erin­ne­rung (2016). In Polen sind fast alle Bücher Poll­acks im Verlag Czarne erschienen; mit der Ver­lags­grün­derin Monika Sznaj­derman und seinem Schrift­stel­ler­kol­legen und Ver­leger Andrzej Sta­siuk ist er gut befreundet. Dar­über hinaus ist Pollack selbst als Über­setzer aus dem Pol­ni­schen tätig, unter anderem sind ihm die Über­tra­gungen der Bücher von Rys­zard Kapuściński zu ver­danken. Zudem betreibt er als Intel­lek­tu­eller aktive ‚Öffent­lich­keits­ar­beit‘: Im Wiener Burg­theater ver­an­staltet er eine Reihe von Podi­ums­ge­sprä­chen, in denen er mit seinen Gästen über aktu­elle poli­ti­sche Themen im Kon­text Ost­eu­ropas dis­ku­tiert. Für sein Werk erhielt er meh­rere Preise, u. a. den Öster­rei­chi­schen Staats­preis für lite­ra­ri­sche Über­set­zung (2003), den Karl-Dede­cius-Preis (2007), den Ehren­preis des öster­rei­chi­schen Buch­han­dels für Tole­ranz in Denken und Han­deln (2007), den Mit­tel­eu­ro­päi­schen Lite­ra­tur­preis Angelus der Stadt Wrocław/Breslau (2007) und den Leip­ziger Buch­preis zur Euro­päi­schen Ver­stän­di­gung (2011). Für seine Ver­dienste für die pol­ni­sche Kultur wurde er im Jahre 2003 mit dem Kava­lier­s­kreuz des Ver­dienst­or­dens der Repu­blik Polen geehrt. Zuletzt wurde er am 11. November 2017 mit dem DIALOG-Preis der Deutsch-Pol­ni­schen Gesell­schaft Bun­des­ver­band aus­ge­zeichnet. Die Preis­ver­lei­hung fand an der Uni­ver­sität Potsdam statt.

 

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Martin Pollack in Potsdam. Foto: Piotr Mordel.

 

novinki: Bekannt­lich tun sich die Öster­rei­cher schwer mit dem Annehmen von Preisen. Elfriede Jelinek reiste nicht zur Ver­lei­hung des Nobel­preises nach Stock­holm, Thomas Bern­hard ver­fasste die gif­tige Suada “Meine Preise”, in der er die für ihn ver­an­stal­teten Preis­ver­lei­hungen ver­spottet. Wie geht es Ihnen mit dem DIALOG-Preis, der zwar kein Lite­ra­tur­preis ist, mit dem Sie aber nicht zuletzt für Ihren lite­ra­ri­schen Bei­trag zum Dialog in Europa aus­ge­zeichnet wurden?

 

Martin Pollack: Da bin ich eine Aus­nahme. Ich liebe Preise und nehme sie unglaub­lich gern an. Vor allem solche Preise – jetzt meine ich das im Ernst –, die von beson­derer Bedeu­tung für mich sind, da sie mir zeigen, dass meine Arbeit nicht ganz sinnlos ist. Der DIALOG-Preis bringt mich mit Men­schen zusammen, die ich sehr schätze. Haben Sie keine Sorge, ich werde keine gif­tige Suada schreiben. Ich danke noch­mals den Preis­ver­lei­hern für diese Aus­zeich­nung.

 

n.: Mit dem DIALOG-Preis werden u.a. Per­sonen aus­ge­zeichnet, die zur Ver­tie­fung der deutsch-pol­ni­schen Bezie­hungen bei­tragen. Wie schauen Sie als Öster­rei­cher auf diese Kon­stel­la­tion?

 

M.P.: Ich komme aus einer Familie, in der sich alle nicht als Öster­rei­cher bezeichnet haben, son­dern als Deut­sche: Man war immer deutsch, deutsch, groß­deutsch, noch größer deutsch… Da hat es Öster­reich nicht wirk­lich gegeben. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich der erste Nicht-Pole und Nicht-Deut­sche bin, der diesen Preis für deutsch-pol­ni­sche Bezie­hungen erhält. Dieser Sach­ver­halt erin­nert mich ein biss­chen an meine Arbeit. Vor vielen Jahren ist der S. Fischer Verlag mit der Bitte an mich her­an­ge­treten, eine deutsch-pol­ni­sche Antho­logie her­aus­zu­geben. Zunächst fragte ich, warum ich das machen soll. Es gibt doch genü­gend Deut­sche und Polen, die das machen können. Dann habe ich zuge­sagt, aller­dings unter der Bedin­gung, dass ich den Fokus erwei­tern und auch Litauen, Belarus und die Ukraine in die Antho­logie auf­nehmen kann. So ist dann 2005 die meines Erach­tens schöne Antho­logie Sar­ma­ti­sche Land­schaften ent­standen. Ich glaube, wenn man diesen deutsch-pol­ni­schen Dialog von außen betrachtet, als Aus­länder, als Öster­rei­cher, kommt man hin und wieder zu einer anderen, grö­ßeren Per­spek­tive, die mehr erklären kann.

 

n.: In vielen Ihrer Bücher wie jenem über Gali­zien inter­es­sieren Sie sich für Gebiete mit kom­pli­zierter mul­ti­na­tio­naler, mul­ti­kon­fes­sio­neller Geschichte. Was ist für Sie das Beson­dere an diesen Räumen?

 

M.P.: Das hat in meiner Kind­heit begonnen. Schon sehr früh wurde mir bewusst, dass die Reise durch die ost­mit­tel­eu­ro­päi­sche Geschichte mit Orten, Land­schaften und Regionen ver­bunden ist. Ich stamme selbst aus einer Familie, die aus einem gemischt­spra­chigen, mul­ti­eth­ni­schen Raum kommt. Ich wuchs teil­weise im Haus der Groß­el­tern auf. Mein Opa kam aus den Gebieten des heu­tigen Slo­we­niens, die früher zu Öster­reich-Ungarn gehörten – aus der Unter­stei­er­mark, auf Slo­we­nisch Spodnja Šta­jerska. Dort ent­wi­ckelte sich schon im 19. Jahr­hun­dert ein hef­tiger Natio­na­li­tä­ten­kon­flikt, den meine Familie hautnah erlebte und der schließ­lich die meisten von ihnen zum Natio­nal­so­zia­lismus gebracht hat. Des­halb weiß ich, wie wichtig es ist, dass man sich genau anschaut, was damals pas­siert ist. Dass man sich dieser Dinge ent­sinnt, dass man sie benennt, dass man nichts ver­schweigt. Wir müssen alle Geschichten – die kleinen, pein­li­chen, schmerz­li­chen, manchmal lächer­li­chen Geschichten – erzählen. Nichts aus­lassen, nichts ver­de­cken, nichts zude­cken. Auch meine jet­zige Heimat Süd­bur­gen­land ist ein mul­ti­eth­ni­scher Raum, seit Jahr­hun­derten von Deut­schen, Roma, Ungarn und Kroaten bewohnt. Solche Räume werden in Europa leider weniger, aber sie funk­tio­nieren immer noch, an sie sollte die euro­päi­sche Erin­ne­rung gebunden sein.

 

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Martin Pollack in Lublin. Foto: Paweł Jusyn.

 

n.: Woher kommt Ihr Inter­esse an Ost­eu­ropa?

 

M.P.: Das ist einer infan­tilen Reak­tion geschuldet. Mein Stu­dium der Sla­wistik war ein Wider­stand gegen meine Groß­mutter. Sie war die Chef­ideo­login in der Familie väter­li­cher­seits, eine unglaub­lich apo­dik­ti­sche und harte Frau, bis ans Lebens­ende dekla­riert nazis­tisch. Zugleich aber war sie eine fan­tas­ti­sche Oma, die mich mit viel Liebe umgab, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Sie wollte unbe­dingt, dass ihr geliebter Enkel auch diesen rechten Weg geht. Als ich mein Stu­dium beginnen sollte, bestimmte sie, ich müsse Ger­ma­nistik stu­dieren. Das lehnte ich kate­go­risch ab und sagte, ich wollte Sla­wistik stu­dieren, obwohl ich damals keine Ahnung hatte, was das bedeutet. Doch ich habe es gut getroffen, ich hatte Glück, wie so oft in meinem Leben. Es wurde eine Lei­den­schaft daraus, mein ganzes Leben lang. Aber damals, in den fünf­ziger und begin­nenden sech­ziger Jahren, kannten wir in Öster­reich nicht viel von den ost­eu­ro­päi­schen Lite­ra­turen, außer natür­lich der rus­si­schen Lite­ratur, Dos­to­evskij, Tol­stoj usw. In der Biblio­thek meines Stief­va­ters, eines gebil­deten Kunst­ma­lers, standen meiner Erin­ne­rung nach zwei pol­ni­sche Bücher: Henryk Sien­kie­wicz’ Quo vadis und Die Bauern von Wła­dysław Rey­mont. Ich kann mich an keine tsche­chi­schen, unga­ri­schen oder jugo­sla­wi­schen Autoren erin­nern. Das hat sich geän­dert. Ich bin selbst Über­setzer und musste oft deut­sche oder öster­rei­chi­sche Ver­leger davon über­zeugen, dass es sich lohnt, diesen oder jenen pol­ni­schen Autor zu ver­öf­fent­li­chen. Vor zwanzig oder dreißig Jahren war das noch schwie­riger als jetzt, da die pol­ni­sche Lite­ratur schon einen festen Platz auf dem deutsch­spra­chigen Buch­markt ein­nimmt. Gut, dass meine Groß­mutter nichts gegen Inge­nieure hatte. Sonst wäre ich viel­leicht Inge­nieur geworden, was sicher schief gegangen wäre, denn dafür eigne ich mich wirk­lich nicht.

 

n.: Ihre Fami­li­en­ge­schichte taucht häufig in Ihren Büchern auf. Zuletzt wid­meten Sie Ihrem Groß­vater einen lite­ra­risch inter­es­santen Text, in dem der Opa als Ich-Erzähler vor­kommt. Wie kamen Sie auf diese Idee?

 

M.P.: Meinen Groß­vater habe ich sehr geliebt, er war in meinen Augen der beste Opa auf der Welt, Rechts­an­walt und lei­den­schaft­li­cher Jäger, aber er war auch ein fana­ti­scher Nazi. Ich habe ein Foto von ihm als Häft­ling in Nürn­berg, wo man ihn kurze Zeit fest­hielt, aber schließ­lich wieder frei­ließ. Das Bild aber hält mich bis heute gefangen. Der Text über ihn, beti­telt Im Wald, ent­stand als Thea­ter­text im Rahmen des Pro­jekts Ganymed der Regis­seurin Jac­que­line Korn­müller. Inzwi­schen gab es bereits meh­rere Folgen dieses Pro­jekts, z. B. Ganymed goes Europe, die nächste soll Ganymed Nature heißen. Das läuft so ab: Sie bittet ver­schie­dene Autoren, sich ein Bild z. B. im Kunst­his­to­ri­schen Museum in Wien aus­zu­su­chen und zu diesem Bild einen Text zu schreiben. Dieser Text wird dann von Schau­spie­lern auf­ge­führt, manchmal mit musi­ka­li­scher Beglei­tung. Damals hat sie mich zur Zusam­men­ar­beit ein­ge­laden. Ich suchte mir das Bild Der Winter des ita­lie­ni­schen Malers Giu­seppe Arcim­boldo aus und schrieb dazu einen Monolog meines Groß­va­ters, der dann von einem Schau­spieler wun­derbar im Museum, vor diesem Bild ste­hend, auf­ge­führt wurde. Den Text habe ich selbst im Par­la­ment in Wien vor­ge­tragen, denn am Tag der offenen Tür zum öster­rei­chi­schen Natio­nal­fei­ertag wurde das Pro­jekt dorthin ver­la­gert. Das Pro­jekt wurde nicht nur in Wien ver­an­staltet, son­dern auch in Wro­cław. Für Wro­cław habe ich einen Text über Putin geschrieben. Der Ablauf war etwas anders: Jac­que­line Korn­müller bat zunächst die Opern­sän­gerin Ange­lika Kirch­schlager, sich ein Bild aus­zu­su­chen. Sie war von einem hol­län­di­schen Damen­por­trät um 1700 begeis­tert und meinte, die Frau sehe aus wie Putin. Dann ersuchte mich Jac­que­line, einen Text dazu zu schreiben. Obwohl mir Putin ganz fern ist, habe ich eine fik­tive Putin-Rede geschrieben, in der er seine weib­liche Seite offen­bart.

 

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Martin Pollack in Lublin. Foto: Paweł Jusyn.

 

n.: Nicht nur Gemälde, son­dern vor allem Foto­gra­fien sind häufig Aus­gangs­punkt Ihrer Texte. Welche Bedeu­tung haben Foto­gra­fien für Ihre Werke?

 

M.P.: Für mich sind Foto­gra­fien sehr wichtig. Ich bin kein Foto­his­to­riker und selber ein kata­stro­phaler Foto­graf, ich kann über­haupt nicht foto­gra­fieren. Aber ich sammle his­to­ri­sche Foto­gra­fien und besitze ein umfang­rei­ches Archiv vor allem über Gali­zien. Das begann schlei­chend. Mir war das anfangs gar nicht bewusst, dass Foto­gra­fien für mich immer wich­tiger wurden und immer öfter am Anfang eines Textes standen. His­to­ri­sche Foto­gra­fien können viel über den Habitus der Men­schen erklären – viel­leicht nicht, wie sie denken, aber wie sie leben. Vor Kurzem habe ich an einem Sym­po­sium anläss­lich des 80. Geburtstag des öster­rei­chi­schen Schrift­stel­lers Julian Schutting in Krems teil­ge­nommen. Er kommt auch aus Amstetten, wo ich auf­wuchs, und ich habe ein Referat über die Foto­gra­fien seines Vaters gehalten, eines begeis­terten Jägers, wie mein Groß­vater. Die Foto­gra­fien unserer Väter, unserer Groß­väter haben mich stark geprägt und sind für mich von Bedeu­tung, um die Men­schen zu ver­stehen, mit denen ich viel zu wenig geredet habe. In Der Tote im Bunker schreibe ich, dass ich nie Fragen gestellt habe, das werfe ich mir bis heute vor. Jetzt habe ich nur die Foto­gra­fien, die ich befragen kann. Ich schaue sie an, und sie beginnen, zu mir zu spre­chen. Dann mache ich mich auf die Suche nach Doku­menten und Spuren. Oft täu­sche ich mich, denn bei der Inter­pre­ta­tion von Foto­gra­fien können wir leicht irren, wir denken, es war so und so, und es war doch ganz anders.

 

n.: Wie sieht Ihre Arbeit mit Foto­gra­fien genau aus?

 

M.P.: Es gibt Autoren wie den von mir sehr geschätzte W. G. Sebald, die sich ein­ge­hend mit Foto­gra­fien beschäf­tigt haben, in einer Art, die mich unglaub­lich inter­es­siert. Für mich ist die Foto­grafie stets ein Hilfs­mittel, ein Medium der Erin­ne­rung. Sie führt mir vor Augen, was ver­schwunden, was nicht mehr zurück­zu­holen ist. Ein kleines Bei­spiel: In Der Tote im Bunker beschreibe ich eine Szene, in der mein Vater in einer kleinen Ort­schaft in der Slo­wakei Juden erschossen hat. Die wurden dann ver­scharrt und wenig später, von Slo­waken, exhu­miert. Die fer­tigten ein Pro­to­koll an. Einige der Opfer konnten nicht iden­ti­fi­ziert werden und blieben anonym. Nach Erscheinen des Buches in tsche­chi­scher Über­set­zung bekam ich einen Brief einer Dame aus Prag, die mir schrieb, diese unbe­kannte Familie seien ihr Onkel mit Frau und Kin­dern. Und plötz­lich hatten diese anonymen Opfer ein Gesicht, hatten einen Namen, und das ist es auch, was die Foto­grafie vermag. Sie bringt uns Gesichter zurück. In den meisten Fällen haben wir nur das Gesicht und wissen nicht, wer die Person ist, aber wir können zumin­dest Mut­ma­ßungen anstellen und uns mög­liche Geschichten über­legen… Und hin und wieder finden zwei Geschichten den Weg zuein­ander, das Gesicht findet die Ver­bin­dung zur Geschichte oder umge­kehrt – und das ist meine Arbeit. In gewissem Sinn eine detek­ti­vi­sche Arbeit, aber ich habe sie gern.

 


Agnieszka Hudzik im Gespräch mit Martin Pollack in Potsdam (Deutsch).

 

n.: In einem Ihrer Artikel weisen Sie auf das Pro­ze­dere des Han­dels mit alten Foto­gra­fien hin, die die Ver­bre­chen der Wehr­macht dar­stellen. Je bru­taler eine Szene, desto höher der Preis. Könnten Sie etwas mehr dazu aus der Per­spek­tive des Samm­lers und His­to­ri­kers sagen?

 

M.P.: Kriegs­fo­to­gra­fien werden heute oft als Ware betrachtet, der Handel mit ihnen ist ein fins­teres Kapitel, das leider nach wie vor exis­tiert. Ich bin auf Inter­net­auk­ti­ons­platt­formen darauf gestoßen – ein rie­siges Geschäft, das manchmal ans Patho­lo­gi­sche und Krank­hafte grenzt. Am besten ver­kaufen sich Foto­gra­fien von Opfern: Je graus­li­cher das Opfer dar­ge­stellt wird und je schlimmer es gelitten hat, umso teurer die Foto­grafie. Es erscheint mir gespens­tisch, dass Men­schen unbe­dingt das Ori­ginal besitzen wollen, das natür­lich auch immer ein Abzug ist. Meist han­delt es sich um so genannte Knip­ser­bilder, Ama­teur­auf­nahmen von Juden oder Roma, die man zur Erschie­ßung brachte, da waren keine Kunst­fo­to­grafen am Werk. Wenn es sich um eine Auf­nahme etwa von 1944 han­delt, finden sich Leute, die bereit sind, dafür 350 Euro und mehr zu bezahlen. Wenn es hin­gegen ein Abzug vom selben Foto ist, der jetzt ange­fer­tigt wurde, dann kostet die Auf­nahme nur 10 Euro. Mir sind vor allem Foto­gra­fien von halb­nackten Roma-Mäd­chen auf­ge­fallen. Es kam häufig vor, dass Sol­daten, wenn sie Roma-Mäd­chen trafen, dieses auf­for­derten, ihre Brüste zu zeigen und für ein Foto zu posieren. Jetzt fragt man sich, was die Men­schen bewegt, solche Bilder zu kaufen. Wer sam­melt so etwas und wozu­? Ehr­lich gesagt, will ich das gar nicht wissen. Por­no­gra­phi­sche Fotos kann man in bes­serer Qua­lität überall finden, die Foto­gra­fien halb­nackter Roma-Mäd­chen sind offenbar so etwas wie Tro­phäen oder Feti­sche für kranke Gemüter. Erschre­ckend sind auch die Bild­texte, die heute ver­fasst werden und sich ohne jede Hem­mung der Nazi-Sprache bedienen. Vor ein paar Jahren habe ich eine Dis­kus­sion dar­über in den Medien ange­stoßen, indem ich über eine bekannte Firma schrieb, die damit viel Geld machte – es wurde ein Skandal daraus. Die Inter­net­händler ver­suchten sich zu recht­fer­tigen, es handle sich um ein Miss­ver­ständnis. Es seien His­to­riker, die diese his­to­risch wich­tigen Auf­nahmen kauften. Ich kenne keine his­to­ri­sche Insti­tu­tion, die bereit wäre, so viel Geld für Foto­gra­fien zu zahlen, bei denen keiner weiß, wo und von wem sie auf­ge­nommen wurden. Ein krank­haftes Busi­ness und Mas­sen­phä­nomen, höchst bedenk­lich, so ist leider unsere Gesell­schaft.

 

n.: Ihre Bücher stellen häufig unvor­stell­bare Kriegs­ver­bre­chen dar. Wie suchen Sie nach dem rich­tigen Ton in der Beschrei­bung von Gewalt und Bar­barei?

 

M.P.: Ich bin dafür, diese Geschichten mög­lichst ruhig und eher distan­ziert zu erzählen, und nach Mög­lich­keit nicht ins Dra­ma­ti­sieren oder in einen pathe­ti­schen Ton zu ver­fallen. Die Geschichten sind tra­gisch und erschüt­ternd genug, vor allem wenn sie einen selbst betreffen, wie das bei mir oft der Fall ist. Ich über­lege mir bei jeder Geschichte den rich­tigen Ton, in dem ich sie anlege. Meines Erach­tens ist man immer gut beraten, die Sprache ein biss­chen zurück­zu­schrauben, her­un­ter­zu­drehen und das Thema mög­lichst ruhig anzu­gehen.
Als ich am Buch Der Tote im Bunker arbei­tete, wählte ich eine sach­liche und distan­zierte Sprache. Als Sohn war es für mich sehr schwierig, die Geschichte meines Vaters zu schreiben, danach zu fragen und dann dar­über zu erzählen. Es war die Hölle. Ich bin kein Richter, ich wollte meinen Vater nicht anklagen, konnte und wollte jedoch auch nicht ver­schweigen, was ich her­aus­ge­funden hatte. So war es auch mit der Geschichte über meinen Groß­vater, das­selbe betraf meine Groß­mutter, mit der ich auf eine so rück­sichts­lose Weise brach, dass ich mich noch heute dafür schäme. Als ich in War­schau stu­dierte, schrieb ich ihr einen bös­ar­tigen, kate­go­ri­schen Abschieds­brief. Die alte Dame hatte mir in Briefen zu ver­stehen gegeben, dass sie die Befürch­tung hege, ich könnte eine Polin oder, noch schlimmer, eine pol­ni­sche Jüdin hei­raten. Ich hatte die Nase voll von sol­chen Rat­schlägen und schrieb ihr: „Ich möchte nichts mehr von euch wissen.“ Heute tut mir das unend­lich leid, ich hätte das anders erle­digen können. Es blieb bei der Tren­nung, bis zum Tod der Groß­mutter. Ich kann mich noch erin­nern, dass mir mein Onkel, als sie auf dem Ster­be­bett lag, schrieb, ich solle sofort kommen, sie wolle mich noch einmal sehen. Als ich im Zug saß, dachte ich dar­über nach, was ich ihr sagen könnte. Das einzig Rich­tige wäre gewesen: „Ich liebe dich sehr, liebe Oma! Alles Andere ist Quatsch, ver­zeih mit bitte.“ Leider war es dafür zu spät, als ich ankam, war sie schon tot. Als mein Onkel die Tür öff­nete, waren seine ersten Worte, sie sei gestorben „wie eine deut­sche Frau“. Da wusste ich, in dieser Familie wird sich nie etwas ändern…

 

Gespräch mit Martin Pollack in Lublin. Foto: Paweł Jusyn.

 

n.: Ihre Texte balan­cieren auf der Grenze zwi­schen auto­bio­gra­phi­schem Schreiben, his­to­ri­schem Essay und Repor­tage. Die letzte Gat­tung scheint für Sie eine wich­tige Rolle zu spielen, Sie berufen sich häufig auf die Repor­tagen aus Polen. Was ist an pol­ni­schen Repor­tagen so beson­ders?

 

M.P.: Es gibt wun­der­bare ame­ri­ka­ni­sche und deut­sche Repor­tagen, aber die Repor­tagen aus Polen – und ich ver­stehe mich ein wenig als Bot­schafter der pol­ni­schen Repor­tage – errei­chen das höchste Niveau. Rys­zard Kapuściński, Hanna Krall, Mał­gorzata Sze­j­nert, um nur ein paar bekannte Namen zu nennen. Natür­lich gab es auch im deutsch­spra­chigen Raum in der Vor­kriegs­zeit wun­der­bare lite­ra­ri­sche Repor­tagen, z. B. von Joseph Roth. Heute sind sie leider rar. In Polen ist die Situa­tion besser und das ist kein Zufall. Hier gibt es so etwas wie Duży Format, das Repor­tage-Magazin der größten pol­ni­schen Tages­zei­tung Gazeta Wyborcza. Und es gibt in Polen nicht nur die Schule des Repor­tage-Schrei­bens, son­dern auch des Repor­tage-Lesens. Die Polen sind groß­ar­tige Repor­tage-Leser. Dazu muss man die Leser erziehen. Wenn man bei uns mit einem Text von über zehn Manu­skript­seiten zu einer Zei­tung kommt, schüt­teln die ver­ant­wort­li­chen Redak­teure nur den Kopf: Wer soll das bitte lesen? Es gibt immer weniger Mög­lich­keiten, län­gere Texte irgendwo unter­zu­bringen. In Polen funk­tio­niert es noch immer, Gott sei Dank. Ich habe 2006 eine Antho­logie mit pol­ni­schen Repor­tagen her­aus­ge­geben, Von Minsk nach Man­hattan, mit einigem Erfolg. Ja, die pol­ni­sche Repor­tage ist eine Welt­marke und ein Export­pro­dukt, auf das man stolz sein kann.

 

n.: Sie sind vor allem als Über­setzer von Kapuściński bekannt, haben aber auch andere Autorinnen und Autoren aus dem Pol­ni­schen ins Deut­sche über­tragen. Welche Bücher sind Ihnen wichtig?

 

M.P.: Ich habe unter anderem das Buch Die da oben: Pol­ni­sche Sta­li­nisten zum Spre­chen gebracht von Teresa Tor­ańska (1987) und Henryk Gryn­bergs Dro­ho­bycz, Dro­ho­bycz: Zwölf Lebens­bilder (2000) über­setzt. Beide Bücher waren für mich wichtig und ich musste die Ver­leger von ihnen über­zeugen, das gehört auch zur Arbeit der Über­setzer. Ich weiß noch, dass es bei­nahe ein Kampf war. Ich wies darauf hin, wie wichtig Tor­ańskas Buch ist, um zu ver­stehen, was in Polen geschehen ist. Ein wirk­lich her­vor­ra­gendes Buch, das auch zeigt, wie meis­ter­lich man es in Polen ver­steht, Inter­views zu führen. Manchmal unter­richte ich crea­tive wri­ting an der Uni­ver­sität Graz, dann sage ich meinen Stu­denten immer: „Wenn Sie gute Reporter sein wollen, sollten Sie pol­ni­sche Repor­tagen lesen.“ Gryn­berg ist eine andere Geschichte – keine Jour­na­listik, aber ein gutes Bei­spiel, wie man von der ver­lo­renen Welt erzählen kann. Für mich war das gewis­ser­maßen eine Rück­kehr nach Gali­zien, diese Welt war mir aus unter­schied­li­chen Gründen sehr nah.
Gerade eben habe ich das Buch Die Pfef­fer­fäl­scher: Geschichte einer Familie von Monika Sznaj­derman, meiner pol­ni­schen Ver­le­gerin (Czarne), über­setzt. Es ist eine pol­nisch-jüdi­sche Fami­li­en­ge­schichte, von einer Person erzählt, die dazu sehr berufen ist – eben­falls ein unge­mein wich­tiges Buch, das im Früh­jahr 2018 im Jüdi­schen Verlag erscheinen wird.

 


Agnieszka Hudzik im Gespräch mit Martin Pollack in Lublin (Pol­nisch)

 

n.: In Ihren letzten Essays taucht ein neues Thema auf – die Erin­ne­rung im Kon­text der Migra­tion und der sich ver­än­dernden Gesell­schaft. Was inter­es­siert Sie daran?

 

M.P.: Unsere Gesell­schaft ver­än­dert sich. Zu uns kommen Men­schen, für die unsere Erin­ne­rungen nichts bedeuten, weil sie andere Geschichten mit­bringen. Geschichten, die wir in vielen Fällen nicht kennen. Einmal, nach einer Lesung in einer Schule vor Schü­lern mit so genanntem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, hat mir ein junger Mann über eine Hun­gersnot in seinem Her­kunfts­land erzählt, von der ich zum ersten Mal hörte. Meine Ehe­frau ist im Ruhe­stand, arbeitet aber seit vielen Jahren ehren­amt­lich und unter­richtet Flücht­linge. Manchmal kommt sie erschöpft nach Hause und berichtet, was ihr die Schüler erzählt haben. Wir haben keine Ahnung von den Gräu­el­taten, die die Men­schen durch­lebt haben, die zu uns kommen. Wir sollten uns bewusst sein, dass viele von ihnen hier bleiben werden. Es gibt keine Wunder, wir können nicht so tun, als ob sie zurück­kehren würden. Als der Krieg in Bos­nien und Jugo­sla­wien war, dachten die meisten Öster­rei­cher auch, dass die Kriegs­flücht­linge wieder zurück­gehen würden. Viele sind bis heute geblieben und das ist auch gut so. Es ist infantil, zu denken, dass man nur die Tür zuma­chen muss, und die Pro­bleme ver­schwinden. Wir müssen unser Denken ändern und die Men­schen fragen: Woher bist du? Was ist in deiner Familie pas­siert? Was hat dir deine Oma erzählt? Das ist unsere Auf­gabe, eine große Her­aus­for­de­rung für die Gesell­schaft.

 

Martin Pollack in Lublin. Foto: Paweł Jusyn.

 

n.: Es ist kaum mög­lich, nicht auf die Ereig­nisse vom Früh­ling 2016 ein­zu­gehen. In der Zei­tung Der Stan­dard haben Sie von nega­tiven Kom­men­taren berichtet, mit denen Sie in Polen kon­fron­tiert wurden, nachdem Sie im Burg­theater ein Gespräch mit Adam Michnik, dem Chef­re­dak­teur der links­li­be­ralen Zei­tung “Gazeta Wyborcza”, mode­riert und sich kri­tisch über die jet­zige natio­nal­kon­ser­va­tive PiS-Regie­rung geäu­ßert hatten. Es lohnt sich nicht, sol­chen Äuße­rungen Beach­tung zu schenken. Jedoch spre­chen Sie in diesem Artikel iro­nisch von einem dunklen Fleck in Ihrem Lebens­lauf: Im Jahr 1967 wäh­rend des Sechs­ta­ge­kriegs reisten Sie für ein paar Monate nach Israel. Woher der Mut zum mora­li­schen und gesell­schaft­li­chen Enga­ge­ment?

 

M.P.: In den regie­rungs­nahen pol­ni­schen Zei­tungen wurde ich 2016 wieder als Sohn eines Nazi-Ver­bre­chers bezeichnet, gerade so, als ob ich ver­sucht hätte, das mein ganzes Leben lang zu ver­schweigen. Vor­sichts­halber habe ich also gleich auf den zweiten wunden Punkt auf­merksam gemacht, damit nie­mand mehr suchen muss. 1967, als der Sechs­ta­ge­krieg aus­brach, fuhr ich als Frei­wil­liger nach Israel. Dafür brauchte es nicht viel Mut. Ich war jung, ich war links, ein Trotz­kist. Ich hatte einen guten Freund jüdi­scher Her­kunft in Wien, der mir sagte, Israel sei in Gefahr, wir müssten dem Land helfen. Dafür war ich gleich zu haben, also machten wir uns auf zu einer Orga­ni­sa­tion jüdi­scher Stu­denten, die Frei­wil­lige rekru­tierte. Die Schlange war nicht beson­ders lang, auf einmal meinte dieser Freund, er müsse nach Hause, um seine Eltern zu benach­rich­tigen. Ich blieb stehen. Er kam nicht wieder. Ich war vier Monate in Israel, im Kibbuz, ich habe dort keine beson­deren Aben­teuer erlebt. Natür­lich habe ich auch unan­ge­nehme Dinge gesehen. Nach dem Israel-Auf­ent­halt bin ich gleich nach Polen gefahren, da ich dafür ein Sti­pen­dium hatte. Vorher habe ich mir einen neuen Rei­se­pass besorgt, ich wusste schon, dass mir das israe­li­sche Visum Pro­bleme bereiten kann. Ich war ver­mut­lich der ein­zige Aus­länder an der Uni­ver­sität War­schau, der als Frei­wil­liger im Sechs­ta­ge­krieg war. Und die Spitzel haben das nicht her­aus­ge­funden!

 

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Martin Pollack in Potsdam. Foto: Piotr Mordel.

 

n.: Zum Schluss noch kurz: Warum der Tee­löffel am Revers Ihres Sakkos?

 

M.P.: Der Tee­löffel hat ein wenig mit Israel zu tun, er geht auf eine Geschichte von Amos Oz zurück, die ich beson­ders mag. Oz sagt, dass es, wenn irgendwo ein großes Feuer aus­bricht, drei Optionen gibt: Man kann davon­laufen und die Leute im Haus ver­brennen lassen, man kann einen Brief an die Behörden schreiben und ver­langen, dass sie etwas gegen das Feuer unter­nehmen sollen, oder, dritte Option, man kann einen Eimer nehmen und beginnen, das Feuer selber zu löschen. Und wenn man keinen Eimer zur Hand hat, dann kann man ein Glas nehmen. Und wenn es weit und breit auch kein Glas gibt, dann kann man einen Tee­löffel nehmen und damit ver­su­chen, das Feuer zu löschen. Und jeder von uns, so Amos Oz, besitzt einen Tee­löffel, und wenn wir alle zusam­men­stehen, dann wird es gelingen, damit die Kata­strophe ein­zu­dämmen. Ein Aufruf, nicht untätig zuzu­schauen, son­dern zu han­deln. Den Tee­löffel hat mir ein schwe­di­scher Freund ver­liehen – in Schweden wurde der Orden des Tee­löf­fels nach der Idee von Amos Oz ins Leben gerufen.
Ich glaube auch an die Wir­kungs­kraft des Erzäh­lens. Vor allem im Kon­text der Erin­ne­rung. Die Öster­rei­cher haben lange geschwiegen. Es ist ihnen – wie ein alter Witz von Billy Wilder besagt – gelungen, aus Beet­hoven einen Öster­rei­cher und aus Hitler einen Deut­schen zu machen. Ich bin in Amstetten und in Linz groß geworden. Mein Stief­vater ging zusammen mit Hitler in die Schule, die später auch Eich­mann besuchte. Auch Ernst Kal­ten­brunner, der spä­tere Leiter des Reichs­si­cher­heits­haupt­amtes, war eng mit Linz ver­bunden. Ich kann nicht sagen, ich bin aus Linz und diese Geschichte geht mich nicht an. Es betrifft mich, das ist meine Geschichte, die Geschichte meiner Familie. Natür­lich bin ich nicht schuldig, dazu bin ich zu jung, aber ich fühle so etwas wie Ver­ant­wor­tung – viel­leicht ein zu großes Wort –, aber ich spüre, dass ich dar­über spre­chen muss.

Das Inter­view wurde von Agnieszka Hudzik am 12. April 2017 im Zen­trum Brama Grodzka – Teatr NN in Lublin und am 11. November 2017 anläss­lich der Ver­lei­hung des DIALOG-Preises an der Uni­ver­sität Potsdam geführt.

 

Statt einer Lese­probe:
Witold Dąbrowski liest Aus­züge aus Martin Poll­acks Essay­band Topo­grafie der Erin­ne­rung in der pol­ni­schen Über­set­zung von Karo­lina Nie­den­thal (erschienen unter dem Titel Topo­grafia pamięci) – am 12. April 2017 im Zen­trum Brama Grodzka – Teatr NN in Lublin.

 

 

 

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