Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Rea­lität und Erlösung

Zwei Insze­nie­rungen von Jan Klata

 

Titelbild_Klata2„Nie biorę – jestem wolny od nar­ko­tyków“ („Nein danke! – Ich bin frei von Drogen“) war das Motto der abend­li­chen Jugend­be­geg­nung mit Bene­dykt XVI. auf den Błonia, der größten Wiese in Krakau. Kein Wunder also, dass ange­sichts dieser Kon­kur­renz­ver­an­stal­tung mit meh­reren hun­dert­tau­send Teil­neh­menden am Samstag, den 27. Mai die Ränge des Kra­kauer Stary Teatr deut­liche Lücken auf­wiesen. Trzy styg­maty Pal­mera Eld­ritcha  (Die Drei Stig­mata des Palmer Eld­ritch) wurde gegeben, und es mag wohl keinen pas­sen­deren Kon­tra­punkt zum tra­di­ti­ons­rei­chen, alko­hol­freien und, bis auf Kir­chen­lieder und rhyth­mi­sche „Be – ne – detto“-Gesänge fast stillen, kurzum: von einer eigen­ar­tigen, beson­deren Stim­mung erfüllten Krakau des Papst­wo­chen­endes geben als die von Jan Klata insze­nierte Sci­ence-Fic­tion-Welt Philip K. Dicks. Eine Welt, in der Drogen all­ge­gen­wärtig sind, in der Frei­heit zur Illu­sion und Wirk­lich­keit und Wahn unun­ter­scheidbar werden. Eine thea­tra­li­sche Gegen­welt, deren Sze­nerie sich erst nach und nach abzeichnet. Wir befinden uns im bedrohten Reich des Minia­tur­waren ver­trei­benden Uni­ver­sal­kon­zerns Perky Pat und seiner Droge Can‑D, die den zwangs­ver­pflich­teten Sied­lern der Außen­ko­lo­nien auf dem Mars eine Erin­ne­rung an alte Erden-Zeiten zu ver­schaffen pflegt. Auf der Erde ist die schüt­zende Ozon­schicht schon lange Ver­gan­gen­heit, die inter­stel­lare Kom­mu­ni­ka­tion erfolgt über Video­schirme und in der ter­res­tri­schen Zen­trale von Perky Pat spüren Hell­seher den Ver­kaufs­er­folgen der Zukunft nach. Unter ihnen Barney May­erson – wenn man so will, der Held einer Geschichte, die alles andere als eine Hel­den­ge­schichte ist – und Roni Fugate, seine auf­stre­bende Kol­legin und Bett­ge­fährtin. Nacktes Pro­fit­streben und kapi­ta­lis­ti­sche Kälte herr­schen vor. Von Liebe, Gefühlen, mensch­li­cher Wärme, Hunger oder Schön­heit keine Spur. Es ist eine Welt, in der die Men­schen letzt­lich Gefan­gene sind, wie selbst Perky Pat-Chef Leo Bulero noch erfahren wird, gefangen in den kli­ma­ti­sierten Räumen, die vor der uner­träg­li­chen Hitze draußen schützen, gefangen aber auch in der eigenen, kalten Angst. Und so fernab vom leicht feuchten pol­ni­schen Mai­en­abend diese Welt mit ihren zwei­di­men­sio­nalen, gefühllos agie­renden Auto­maten-Men­schen auch liegen mag, so erscheint doch irgendwo in einem ent­fernten Gedanken-Winkel die Frage: Sollte dies unsere Zukunft sein?

Sze­nen­wechsel: Ange­kaute Zwie­bel­ringe und fet­tige Fleisch­stück­chen fliegen ins Publikum, als Sylwek, seines Zei­chens ‚Mexiko-Macho’ und erfolg­rei­cher kri­mi­neller Klein­un­ter­nehmer sich einen Döner in den Mund stopft und mit vollem Mund seinem weniger erfolg­rei­chen Inva­liden-Schul­freund, dem Wach­mann Agent 0,0000007, jovial erklärt, wie man es im Leben richtig macht. Der sich im ange­sagten War­schauer Teatr Roz­mai­tości anbah­nende Ekel ist ange­bracht: Weź, prze­stań! (Nimm und hör auf!) ist der Titel des neuen Stücks von Jan Klata. Es ist die all­täg­liche, allzu bekannte Welt des prze­jście pod­ziemne (Unter­füh­rung), in der wir uns befinden. War­schau, Wars­zawa Cen­tralna, Cen­trum, irgendwo im Unter­grund. Täg­lich durch­quert, nie ange­halten an der nach Urin stin­kenden Ecke gleich hinter den Kiosks, wo die Trinker lagern und die Frauen Schnür­senkel ver­kaufen, wo Agent 0,0000007 sich die Beine in den Bauch steht und eine graue Gedenk­tafel an ver­gos­senes Blut pol­ni­scher Helden erin­nert. Es ist ein prze­jście: ein Durch-/ Unter-/ Über­gang; eine Pas­sage. Auf jeden Fall aber kein Ort zum Bleiben. Für die meisten jeden­falls. Immer wieder neu flutet im Rhythmus der Vor­ort­züge und im Takt der Metro lawi­nen­artig der Strom der Pendler und Tages­mi­granten über die Bühne. Wer sich hier auf­hält, ist gestrandet. Wie Bonus, der Sekt­glas-Yuppie im blas­stür­kisen Anzug, ein noto­ri­sches Groß­maul – „Jestem Bonus. Za wszystko inne trzeba płacić!“ („Ich bin Bonus, alles andere kostet extra!“) – der anfangs noch mit seinen Kum­pels aus der Welt der Sport­wagen und heißen Frauen so tut, als sei er im prze­jście pod­ziemne nur auf Armuts-Safari. Bonus, der doch eigent­lich auf der Flucht vor seinem leeren Leben ist. In Klatas radikal gegen­wär­tiger Sze­nerie gibt es keine Helden. Nur Men­schen, die in keinem Tele­fon­buch erscheinen. Men­schen, die scheinbar am Rande stehen und doch vor aller Augen mitten unter uns sind. Men­schen, die erfolglos nach Sinn suchen. Men­schen, die leiden, streiten, hoffen und ver­zwei­feln. Klata legt mit seiner Dar­stel­lung des prze­jście pod­ziemne als einem sozialen Knoten- und Brenn­punkt den Finger in die Wunde der Gesell­schaft. Ob die leicht humo­reske Insze­nie­rung im Teatr Roz­mai­tości ein erfolg­rei­cher Bei­trag zur Behand­lung ist? „Dowcip leczy“ – „Humor heilt“, heißt es an einer Stelle.

 

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Zwei völlig unter­schied­liche Theater-Welten scheinen sich hier gegen­über zu stehen. Die kalte, sich über meh­rere Pla­neten erstre­ckende futu­ris­ti­sche Welt der „Trzy styg­maty…“ scheint mit der auf den immer glei­chen War­schauer prze­jście pod­ziemne beschränkten schlichten und doch leb­haften Sze­nerie von Weź, prze­stań! auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben. Was im einen Fall Teil einer fernen, fremden Welt der Zukunft voller Spe­zi­al­ef­fekte ist, ist im anderen Fall nur eine Ellen­bo­gen­weite abseits des ganz all­täg­li­chen Wegs durch die pol­ni­sche Haupt­stadt, fremd, aber auch allzu ver­traut. Und doch: Es ist zweimal Theater à la Jan Klata. Zweimal Theater, in dem Men­schen nicht Herr ihres eigenen Schick­sals sind. Zweimal Theater ohne wirk­liche Helden. Beim erneuten Blick wird deut­lich, dass sich beide Sze­na­rien kei­nes­wegs so dia­me­tral gegen­über stehen, wie es zunächst scheint. Viel eher wirken sie zeit­lich ver­bunden, bilden e i n e Welt, bilden Gegen­wart und Zukunft: Es ist die zukünf­tige Welt der „Trzy styg­maty…“, auf die die gesichts- und namen­lose Masse der rastlos Vor­bei­ei­lenden im War­schauer Unter­grund der Gegen­wart zusteuert, eine kalte Welt des Kapi­ta­lismus, in der nur Erfolg und Wei­ter­kommen zählen und das Gesetz des Stär­keren gilt: „gruba ryba łyka małą rybę” (Großer Fisch frisst kleinen Fisch). Die­je­nigen, die am Rande des Men­schen­stroms stehen, bekommen den Ver­lust des sozialen Zusam­men­halts, den Ver­lust von Sinn und Reli­gion zu spüren. Unter ihnen herrscht die Sprache der Ver­ach­tung vor. Ras­sismus sowie frauen- und schwu­len­feind­liche Sprüche sind all­ge­gen­wärtig. „Der Mensch ist ein Bazillus des Pla­neten Erde“, meint der Mann vom Bücher­stand. Und doch zeigt das Schlag­licht, das auf die Men­schen des prze­jście pod­ziemne geworfen wird, dass zwar die Umstände alles andere als gut sind, dass es sich aber den­noch leben lässt, irgendwie. Leben! Da steht die Schnor­rerin immer wieder aufs Neue im Strom der Vor­über­ei­lenden und sagt ihren Spruch auf, erfolglos meist und den­noch, als Bin­de­glied zwi­schen dem Strom und den Men­schen am Rand, nicht völlig ver­ge­bens. Da ist der wun­der­same Hund Gryźli, der einem für 5 Złoty jede Krebs­vor­sor­ge­un­ter­su­chung ersetzt, und durch instink­tives Beschnup­pern anzeigt, wer krank und wer gesund ist. Und da ist der erwähnte Wach­mann Agent 0,0000007, der in all seiner Nai­vität und Harm­lo­sig­keit wohl der ein­zige ist, der im prze­jście pod­ziemne mit seiner Schnür­senkel ver­kau­fenden Mutter noch eine Art inter­es­sen­lose Soli­da­rität ver­kör­pert. Was alle ver­bindet, ist man­ches Mal die Klage – „W tym kraju się nie da!“ („In diesem Land kommt man nicht weit!“) – doch weit häu­figer jene kleine Hoff­nung, die im prze­jście pod­ziemne alle teilen: den beschei­denen Traum von einem anderen Leben. Als der Hund stirbt, bekannt­lich der ‚beste Freund des Men­schen’, tritt die Fra­gi­lität des ‚Lebens an der Schwelle’, wie es der ita­lie­ni­sche Phi­lo­soph Giorgio Agamben wohl nennen würde, deut­lich zu Tage. Mit seinem Tod stürzt auch die mühsam durch Hoff­nung, Illu­sion und Glauben zusam­men­ge­hal­tene Lebens­welt am Rande der Unter­füh­rung in sich zusammen. Es ist der joviale Ganove Sylwek, der den Hund mit einem Schuß in den Kopf zu Boden streckt, nachdem dieser bei ihm Krebs im fort­ge­schrit­tenen Sta­dium dia­gnos­ti­ziert hat. Sylwek, der ein­zige, der sich im prze­jście pod­ziemne vor­be­haltlos wohl fühlt, der ein­zige, der hier Erfolg hat, der ein­zige, der keine Hoff­nung braucht. Sylwek, der Prag­ma­tiker, der sich wie ein Fisch im Wasser der Wirk­lich­keit bewegt, der sich auch durch den natür­li­chen Instinkt eines Hundes beim Erkennen von Zivi­li­sa­ti­ons­krank­heiten nicht beirren lässt, für den jede enge Moral nur hin­der­lich wäre. Was folgt? Die Schnor­rerin ver­liert ihre bisher uner­schüt­ter­liche Con­ten­ance und kann ange­sichts der taub vor­bei­has­tenden Men­schen nur noch flu­chend eine „Pierrrdo­lona znie­c­zu­lica!“ („Ver­fickte Gefühl­s­lo­sig­keit!“) kon­sta­tieren. Przy­ruch, einer der Penner, schlägt die Schnür­sen­kel­ver­käu­ferin tot, weil sie sich über seine dre­ckigen Witze beklagt. Ihr Sohn, Wach­mann Agent 0,0000007 stürzt herbei, bekommt einen Herz­an­fall und begibt sich eben­falls auf die Reise ins Jen­seits. Für sein übli­ches „ej, ej, prze­stańcie” („Ey, ey, hört auf!“) ist es schon lange zu spät. Die Zeit der Haie hat begonnen.

Doch zurück in die Zukunft: In der Welt der „Trzy styg­maty…“ leben die Gestran­deten auf dem Mars von der­ar­tigen Tur­bu­lenzen völlig unbe­rührt. Eine Ver­än­de­rung der Lage in den Außen­ko­lo­nien ist auch völlig aus­ge­schlossen, Hoff­nung ist nicht nötig. Und schließ­lich gibt es ja immer noch Can‑D, das die tem­po­räre Flucht in die nost­al­gi­sche Kunst­welt der Erden-Ver­gan­gen­heit ermög­licht… Aber gerade im Bereich der die dröge Rea­lität erträg­lich machenden Drogen bahnt sich eine Revo­lu­tion an. Ein neu­ar­tiges Pro­dukt namens Chew‑Z erscheint und ver­spricht den Mars­be­woh­nern kein begrenztes Ein­tau­chen in eine Welt der Nost­algie mehr, son­dern nicht weniger als das ewige Leben. Kein Wunder, dass sich Perky Pat-Chef Leo Bulero ange­sichts dieser Kon­kur­renz Sorgen um seinen Absatz macht. Hinter dem neuen, angeb­lich aus Flechten gewon­nenen Nar­ko­tikum steckt ein großer Unbe­kannter: Palmer Eld­ritch, der einst in den Welt­raum auf­brach, um Gott zu finden. Nun ist er wieder da. Ohne Gott, dafür mit dem Erlö­sungs­mittel Chew‑Z. „Gott ver­spricht das ewige Leben. Wir lie­fern es frei Haus“, ver­kündet er wer­be­wirksam. Wäh­rend Can‑D noch den Zugang zu einer Spiel­zeug­welt ver­mit­telte, in der es das höchste der Gefühle bedeu­tete, als Barbie oder Ken ein Wunsch­bild der eigenen Ver­gan­gen­heit nach­zu­spielen – und genau das wollen alle, die sich in der vor­ge­fer­tigten Perky Pat-Welt wieder treffen – ist mit Chew‑Z jeg­liche Gemein­schaft am Ende, gibt es nicht einmal mehr eine Gemein­schaft des Begeh­rens. Mit Chew‑Z schafft sich jeder seine eigene Welt. Indi­vi­duell, schran­kenlos, gren­zenlos! Frei­heit pur.
Alle Ver­suche Leo Buleros, Palmer Eld­ritch zu stellen, sind kläg­lich zum Schei­tern ver­ur­teilt. Statt­dessen muss Bulero, als er in Eld­ritchs Gewalt gerät, selbst die Erfah­rung der Unun­ter­scheid­bar­keit von eigener Vor­stel­lung und Wirk­lich­keit machen, die mit der neuen Super-Droge Chew‑Z Einzug hält. In Philip K. Dicks Roman aus dem Jahr 1964 findet sich in Palmer Eld­ritch am Ende eine letzt­lich uner­gründ­liche Lebens­form ver­kör­pert, die sämt­liche Vor­stel­lungs-Welten kolo­ni­siert, um ihr Über­leben zu sichern. Es sind die drei Stig­mata des Palmer Eld­ritch: die pupil­len­losen High-Tech-Weit­win­kelaugen, der künst­liche rechte Arm sowie die stäh­lernen Zähne, die sich schließ­lich ver­breitet durch­setzen. Es sind Zei­chen einer Welt nach dem Sün­den­fall der Ent­mensch­li­chung. Palmer Eld­ritch ist überall. In der Kra­kauer Insze­nie­rung Jan Klatas ist es die Evo­lu­ti­ons­the­rapie des unheim­li­chen Dr. Denkmal, die die über­stei­gerte Welt der Ent­mensch­li­chung auf­zeigen soll.

Doch kehren wir noch einmal zurück in den prze­jście pod­ziemne, wo der Tod des Hundes die posi­tive Kraft des Lebens im Keim ver­siegen lässt und die Rea­lität schließ­lich durch keine Hoff­nung mehr gehemmt wird.
Es ist Bonus, der am Ende den Schluss­strich zieht. Es ist Bonus, der nicht mit seinen Yuppie-Kol­legen schon bald wieder das Weite sucht, son­dern strandet. Es ist Bonus, der sein Geld nicht halten kann. Es ist Bonus, der an der Zivi­li­sa­ti­ons­krank­heit Krebs leidet. Es ist schließ­lich Bonus, der seine kind­liche Angst ein­ge­steht, die Erlö­sung durch Christus zu ver­passen. In Klatas War­schauer Insze­nie­rung sucht Bonus im kleinen Häus­chen des Wach­mannes Schutz, bevor er schließ­lich ent­flieht. Nie­mand bückt sich, um die umher flie­genden Bank­noten auf­zu­sam­meln. Ob er sich in die Luft sprengt, wie es der Dra­men­text vor­sieht? Seine letzten Worte stehen für das Bedürfnis nach einem direkten Draht ins Jen­seits, für das Bedürfnis nach Erlö­sung: „I wanna taxi!“. Wo es keinen Bonus gibt, der mehr wäre als eine kos­ten­lose Drein­gabe, der die Frage auf­wirft, was wohl wichtig und was gut (=bonus) ist im Leben.

Und doch wird Bonus viel­leicht wei­ter­leben, so wie die Übrig­ge­blie­benen aus dem prze­jście pod­ziemne eben irgendwie weiter leben werden. Das Leben im prze­jście kennt keinen Anfang und kein Ende. Die Sym­pa­thie Klatas für die ein­fa­chen und häufig doch tra­gi­schen Gestalten, die Sym­pa­thie für das Leben, schim­mert immer wieder durch, und so mag es nicht ver­wun­dern, dass Klata seinen eigenen Dra­ma­text „Weź, prze­stań!“ nicht allzu ernst genommen hat: „Humor heilt“, heißt es schließ­lich darin. Doch viel­leicht sind es ja auch gar nicht so sehr die im Über­gang Gestran­deten, die uns zu denken geben sollten, son­dern viel­mehr die vielen Vor­über­ge­henden, jene, die keine Zeit, keine Kraft oder keinen Mut haben, um im prze­jście inne zu halten. All jene, die sich unauf­hör­lich auf die Perky Pat‑, auf die Can-D‑, auf die Chew-Z-Welt zu bewegen. Dorthin, wo es am Ende nur noch eine schein­bare Wahl zwi­schen unun­ter­scheid­baren Welten und Wirk­lich­keiten gibt.

Es mag kaum ver­wun­dern, dass nach Ende der Vor­stel­lung am 27.Mai 2006 unter den Besu­che­rinnen und Besu­chern im Stary Teatr zunächst ein etwas rat­loses Schweigen herrschte und sich dann alle doch recht schnell ver­liefen. Mich ein­ge­schlossen. Zurück in der Gegen­wart des päpst­li­chen Krakau, ver­kün­deten nach wenigen Metern die Türme der Mari­en­kirche: „Trwa­jcie mocni w wierze!“ (Bleibt fest im Glauben!) Ja doch! Nur wel­cher Glaube nochmal? Der an Can‑D oder Chew‑Z? Oder viel­leicht doch jener an christ­liche Erlö­sung? An Liebe? Wirk­lich­keit? Auf den Kra­kauer Błonia dau­erte die Jugend­be­geg­nung mit Papst Bene­dikt und dem fried­vollen Wachen und Singen im Anschluß noch die ganze Nacht. Es gab wohl nur wenige, die sich nach dem Theater noch den sin­genden Christen-Men­schen anschlossen, um am nächsten Morgen  bei der sonn­täg­li­chen großen Papst­messe dabei zu sein. Eine Mil­lion und der Papst. „Bóg obie­cuje życie wie­czne!“ – „Gott ver­spricht das ewige Leben.“ Alles ohne Drogen. Ob Jan Klata auch dabei war?

 

 

Trzy styg­maty Pal­mera Eld­ritcha. Nach einem Roman von Philip K. Dick. Text und Regie: Jan Klata. Bühne: Jus­tyna Łagowska. Stary Teatr. Krakau. Pre­miere: 14. Januar 2006.
Rezen­sionen unter: www.teatry.art.pl/!recenzje/trzyspe_kla/index.htm

Weź, prze­stań! Text und Regie: Jan Klata. Bühne: Jus­tyna Łagowska. Cho­reo­grafie: Maćko Prusak. Teatr Roz­mai­tości. War­schau. Pre­miere: 21. April 2006.
Rezen­sionen unter: www.teatry.art.pl/!recenzje/wezp_kla/index.htm

Agamben, Giorgio: Homo Sacer. Die sou­ve­räne Macht und das nackte Leben. Frankfurt/ M. 2002.

Dick, Philip K.: The Three Stig­mata of Palmer Eld­ritch. London 2003 (zuerst 1964), dt. Aus­gabe Die drei Stig­mata des Palmer Eld­ritch. Mün­chen 2002.

Klata, Jan: Weź, prze­stań!. In: Echa, repliki, fan­taz­maty. Anto­logia nowego dra­matu pol­skiego. Kraków 2005. S. 67–97.

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