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Blicke zu den Peripherien

Posted on 20. Februar 2018 by Elisabeth Müller und Irine Beridze
Wie im vorigen Jahr sind im Rahmen des studentischen Projekts „Filmkritisches Schreiben“ Studierende der Universität Potsdam zum Cottbuser FilmFestival für mittel- und osteuropäisches Kino im November 2017 gefahren. Der Bericht gibt einen Überblick über das Programm der letzten Edition des Festivals. Einzelne Rezensionen, auf die wir verlinken, werfen einen tieferen Blick auf die Hauptsektion „Wettbewerb Spielfilm“.

Das 27. FilmFestival für mittel- und osteuropäisches Kino in Cottbus

 

Wie im vorigen Jahr sind im Rahmen des studentischen Projekts „Filmkritisches Schreiben“ Studierende der Universität Potsdam zum Cottbuser FilmFestival für mittel- und osteuropäisches Kino im November 2017 gefahren. Der Bericht gibt einen Überblick über das Programm der letzten Edition des Festivals. Einzelne Rezensionen, auf die wir verlinken, werfen einen tieferen Blick auf die Hauptsektion „Wettbewerb Spielfilm“.

 

Auf dem 27. FilmFestival Cottbus wurden fast zweihundert Filme aus zweiundvierzig Ländern gezeigt. Darunter waren fünfundzwanzig Welt- und fünfundachtzig Deutschlandpremieren. Die thematische Bandbreite umfasste nicht nur für den osteuropäischen Film typische Genres wie das Sozialdrama, historische Filme oder Filme, die sich mit dem Gegensatz Peripherie/Zentrum auseinandersetzen, sondern auch eher weniger charakteristische Formen wie Thriller und Science-Fiction. Aus den zwölf Festivalsektionen wurden in drei Reihen Preise durch die internationale Festivaljury verliehen. Das aktuelle polnische Kino dominierte dabei nicht nur quantitativ im Filmprogramm, sondern überzeugte auch qualitativ und räumte daher zugleich fast alle Preise ab. Der Film der polnischen Regisseurin Anna Jadowska Dzikie Róże (Wilde Rosen, 2017) gewann den Hauptpreis für den besten Film, und seine Hauptdarstellerin Marta Nieradkiewicz den Preis für die beste weibliche Rolle. Weiterhin konnte sich der Regisseur Maciej Pieprzyca mit seinem Film Jestem Mordercą (I’m a Killer, 2016) über den Preis Beste Regie freuen – und der Hauptdarsteller dieses Films, Mirosław Haniszewski, über die Auszeichnung als beste männliche Rolle.

Neben vielen polnischen Produktionen war vor allem Belarus – bisher eher unterrepräsentiert – dieses Jahr stark vertreten. Die Sektion „Specials“ widmete sich gezielt belarussischen Filmen, die ganz unterschiedlicher Art und Thematik waren und somit einen interessanten Einblick in das aktuelle Leben, aber auch in das vom Staat unabhängige Kino gaben. Einen weiteren Schwerpunkt stellte das russische Kino dar, welches in der Sektion „Ruskij Den’“ kritische Themen wie Perm, Religion oder Vereinsamung behandelte und durch hochkarätige Produktionen wie Neljubov’ (Loveless, 2017) von Adrej Zvjagintsev und Aritmija (Arrhythmia, 2017) von Boris Chlebnikov vertreten war.

 

Sektion Wettbewerb: zoom in

Die Hauptsektion des Festivals versammelte dieses Jahr eine breite Palette an filmischen Projekten aus den mittel- und osteuropäischen Ländern. In der Cottbusser Stadthalle wurde der georgische Festivalbeitrag Khibula (Vor dem Frühling, 2016) von Giorgi Ovashvili ausgestrahlt. Der Film behandelt eine politisch hochbrisante Geschichte um den ersten Staatspräsidenten des unabhängigen Georgiens, Zviad Gamsachurdia. Georgiens Nachbarland Aserbaidschan war dieses Jahr gleich im Wettbewerb vertreten: Der Film Nar Baği (Der Granatapfelgarten, 2017) von Ilgar Najaf inszeniert vor der Kulisse eines paradiesischen Gartens ein hartes Familiendrama in einem aserbaidschanischen Dorf. Die Granatäpfel und die leeren, aber beeindruckenden Landschaftsbilder deuten metaphorisch auf die bevorstehende familiäre Tragödie hin. Eine Tragödie, die auf den ersten Blick vom tschechowschen Kirschgarten inspiriert zu sein scheint, aber zugleich eine eigene Geschichte und Filmsprache entwickelt. Die albanisch-griechische Koproduktion Dita zë fill (Tagesanbruch, 2016) von Gentian Koçi zeigt die Lebenswirklichkeit einer mittellosen, alleinerziehenden Mutter, deren einzige Hoffnung eine alte im Sterben liegende Frau ist – ein Sozialdrama erster Klasse. Der bereits erwähnte Film Jestem Mordercą (I’m a Killer, 2016) von Maciej Pieprzyca greift eine wahre Geschichte um den „Vampir aus Oberschlesien“ auf. Der Regisseur hat vor zwanzig Jahren einen Dokumentarfilm über den Massenmörder gedreht und sich nun im Spielfilm mit der bis heute mit vielen Mythen und Legenden umwobenen Geschichte neu beschäftigt.

Der diesjährige Wettbewerbsbeitrag aus der Ukraine mit dem Titel Riven Chornogo (Black Level, 2017) von Valentin Vasjanovich war ein besonderes Filmerlebnis. Der mit dokumentarischer Filmtechnik angehauchte Film ist dieses Jahr für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Mit einem limitierten Budget, ohne Drehbuch, ohne Dialoge und fast ohne professionelle schauspielerische Unterstützung hat der Regisseur ein Experiment gewagt, das definitiv gelungen ist. Im Film begleitet er seinen befreundeten Fotografen bei der Arbeit und schöpft aus dessen alltäglicher Routine eine unkonventionelle Geschichte. Der Film stellt eine bittere Ohrfeige an das Mainstreamkino und die Filmindustrie dar und ist mit Sicherheit die stärkste und innovativste Filmproduktion des Jahres.

Der bulgarische Beitrag Vezdesashtiat (Omnipräsent, 2017) von Ilian Djevelekov führt den Zuschauern vor Augen, wie zerstörerisch sich die totale Überwachung durch Kameras auf das Leben eines Menschen auswirken kann. Auswirkungen anderer Art zeigte die slowenisch-serbische Coproduktion Družinica (Die Familie, 2017) von Jan Cvitković, die die Geschichte einer jungen Familie in einer schweren finanziellen Krise präsentiert, während der russische Beitrag Golova. Dva Ucha (Ein Kopf. Zwei Ohren, 2017) von Vitalij Suslin den Haupthelden des Films, Ivan, auf ein unerwartetes Abenteuer in die Großstadt schickt. Auch hier spielt Geld eine zentrale Rolle. Iulia Rugină war mit ihrem rumänischen Filmbeitrag Breaking News (Breaking News, 2016) die zweite Regisseurin im diesjährigen männerdominierten Wettbewerb und präsentierte eine sehr eindrückliche Geschichte rund um den Journalisten Alex, der für brisante Geschichten seine moralischen Grenzen herausfinden muss. György Kristófs Roadmovie OUT (OUT, 2017) und Peter Bebjaks Mafiakrimi Čiara (Die Linie, 2017) beschäftigen sich mit den Nachbarländern Ukraine und Slowakei in unterschiedlichen Genres und wurden an den letzten Festivaltagen gezeigt.

Anna Jadowskas Dzikie Róże (Wilde Rosen, 2017) war dieses Jahr neben dem ukrainischen Beitrag ohne Zweifel sowohl technisch als auch im Hinblick auf die schauspielerische Leistung die herausragendste Produktion. Ewa – eine junge Mutter in der polnischen Provinz – wagt die Dogmen der patriarchalischen Dorfgesellschaft aufzubrechen und kämpft für ihr privates Glück. Eine fesselnde Geschichte mit einer starken Frauenfigur im Mittelpunkt.

 

„Unerwartetes aus Belarus“

In der Sektion „Specials/Belarus“ wurden vor allem Kurzfilme präsentiert, nur ein Langspielfilm war im Programm. Was aber keinesfalls ein Nachteil war, da so eine größere Vielfalt und ein besserer Einblick in aktuelle Themen, die Land und Leute beschäftigen, geboten werden konnte. Die Dreierreihe Vostrau Malaka (Die Milchinsel, 2016) / Druya (Druja, 2016) / Myazaha Narvilishak (Die Grenze von Norviliskes, 2014) setzte sich mit dem Leben an der EU-Außengrenze auseinander und zeigte eindrucksvoll, welche Probleme mit dieser Lage einhergehen, welche historischen Ursachen sie haben und wie unterschiedlich sich die Grenzstädte entwickeln. Die Reihe Unerwartetes aus Belarus (2015-2017) griff hingegen ganz unterschiedliche Themen auf. Das Spektrum reichte von der urkomischen, satirischen Geschichte über die ‚freie‘ Wahl eines neuen Hauswarts, bei der nur ein Kandidat zur ,Auswahl‘ steht, über experimentelle Arbeiten und bitterernste, aber zugleich ästhetische Dokumentationen zu häuslicher Gewalt oder über junge, krebskranke Menschen, bis hin zum Verlernen echter Kommunikation in Zeiten der sozialen Netzwerke. So war dann einiges gar nicht so unerwartet wie der Titel suggeriert.

Eher ungewöhnlich war dafür das Projekt Chronotop (Chronotopos, 2015), das der Regisseur Andreij Kudinenko bereits 2014 initiiert hatte. Im Rahmen des Projekts hatten verschiedene FilmemacherInnen die Möglichkeit, sich frei mit dem Thema Mythologie auseinanderzusetzen. In den daraus entstandenen Kurzfilmen liegen dann sprechende Fische, die drei Wünsche erfüllen, im Kofferraum, verführen Waldgeister ahnungslose Männer oder jagen Dämonen einem Antiquitätenjäger gehörige Angst ein. Der Bezug zur Mythologie ist mal stärker, mal schwächer gegeben. Trotz der unterschiedlichen Perspektiven und Darstellungen war aber dennoch der gemeinsame Nenner erkennbar und zeigte zugleich, wie verschiedenartig das belarussische Kino sein kann. Das bestätigen auch die weiteren Filme in der Reihe „Specials/Belarus“, die Themen wie Umweltverschmutzung, Regime-Kritik oder Alkoholismus und das hoffnungslose Leben auf dem Land aufgriffen.

Die Entscheidung der Festivalleitung, einen großen Teil der Sektion „Specials“ den belarussischen Filmen zu widmen, war daher mehr als lohnenswert und nicht zuletzt auch ein wichtiger Beitrag dazu, das belarussische Kino nicht im Schatten großer mittel- und osteuropäischer Filmnationen wie Polen oder Russland untergehen zu lassen.

 

Russischer Tag

Der erste Festivaltag stand ganz im Zeichen des aktuellen russischen Kinos. Die Sektion „Russkij Den’“ versammelte fünf Spielfilme aus den letzten zwei Jahren und sechs Kurzfilme aus der ältesten Filmhochschule der Welt: der Moskauer VGIK. Thematisch griffen die Filme in erster Linie sozialkritische Problematiken auf, sei es der religiöse Fanatismus oder Alkoholismus, mangelnde medizinische Betreuung und polizeiliche Ignoranz. Besonders ragten aus dem Programm das Liebesdrama Aritmija (Arrhythmia, 2017) von Boris Chlebnikov und die dramatische Familiengeschichte Neljubov’ (Loveless, 2017) von Adrej Zvjagintsev hervor. Während Chlebnikov in seinem Film das Leben eines jungen verheirateten Ärztepaars in einer kritischen Lebensphase beleuchtet und die Kraft der Liebe betont, kreist der Film des renommierten russischen Regisseurs Zvjagintsev um eine Familie, in der die Liebe schon längst verschwunden ist und die Protagonisten dafür hart büßen müssen.

Auch Jazyčniki (Heiden, RU 2017) von Lera Surkova spielt in dieser Dimension: Eine kleine Familie aus Vater, Mutter und Tochter hat sich völlig auseinandergelebt, keine/r weiß vom anderen, was er/sie eigentlich wirklich macht. Da taucht eines Tages die tiefgläubige Großmutter väterlicherseits auf und versucht die Differenzen innerhalb der Kleinfamilie durch die Religion zu kitten. Was anfänglich zu funktionieren scheint, eskaliert letztendlich im Sturz der Tochter vom Balkon – und zwar an Ostern. Erst jetzt, als die Tochter in Lebensgefahr schwebt, setzt bei den Eltern ein Prozess des Umdenkens ein und somit steht das religiöse Fest symbolisch für den Neuanfang in der Familie – ganz ohne Religion.

 

Festivalresümee

Insgesamt hat das 27. FilmFestival Cottbus – wie bereits letztes Jahr – wieder sehr viel Abwechslung und interessante Beiträge geboten. Dass dabei einige Länder und Kategorien mehr im Vordergrund standen als andere, ist durchaus positiv zu bewerten. Insbesondere der aserbaidschanische Wettbewerbsbeitrag, die Konzentration auf Belarus in der Sektion „Specials“ oder der Fokus auf das ehemals kommunistische Vietnam in der gleichnamigen Sektion zeugten von einem wichtigen Perspektivwechsel. Durch die stärkere Konzentration auf neue Bereiche ist aber die Sektion „Polskie Horyzonty“ zu kurz gekommen und war, trotz der an sich starken Präsenz polnischer Produktionen, unterrepräsentiert. Es gab nur eine kleine Film-Auswahl innerhalb dieser bereits traditionellen Reihe. In den anderen Sektionen waren aber viele polnische Filme zu finden. So hatte z.B. die Sektion „Nationale Hits“ Filme wie Wołyń (Wolhynien, PL 2016) und Sztuka Kochania (Die Kunst der Liebe, PL 2017) zu bieten. Diese Sektion umfasste aber natürlich auch Produktionen aus anderen Ländern wie z.B. Jan Sveraks Beitrag Po Strnisti Bos (Barfuß, CZ 2017), der den diesjährigen Publikumspreis gewann.

Ebenfalls sehr gut wurde vom Publikum der erste Teil Der langen Nacht der kurzen Filme angenommen, die trotz der genrebedingten Kürze und den ernsten Themen einen erheiternden Abend bot. Der übervolle Saal reagierte sehr lebendig auf einzelne filmische Beiträge und nach jedem Film gab es ein kurzes Gespräch mit den RegisseurInnen, die einen tieferen Einblick in den Produktionsprozess der jeweiligen Kurzfilme geben konnten. Die Komödie Lalay-Balalay (Karussell, RU 2017) von Ruslan Bratov konnte sich dabei den Spezialpreis im Wettbewerb Kurzspielfilm sichern; das Drama Atlantida, 2003 (Atlantis, 2003, SK/CZ 2017) von Michal Blasko, das im zweiten Teil Der langen Nacht der kurzen Filme lief, erhielt den Hauptpreis.

Es bleibt abzuwarten, welche Schwerpunkte und Themen für das 28. FilmFestival in Cottbus vorgesehen sind. Eine große Bandbreite ist erfahrungsgemäß zu erwarten und allein das lässt schon Vorfreude auf das nächste Jahr aufkommen.

 

Rezensionen zu einzelnen Filmen, vor allem aus der Sektion „Wettbewerb Spielfilm“, sind bei unserem Kooperationspartner Read Ost erschienen:

Der gute Mensch in einer schlechten Welt von Julia Kling
Suslins Tragikomödie Golova. Dva Ucha (Ein Kopf. Zwei Ohren, 2017) beruht auf einer wahren Begebenheit, in der Ivan Lašin sich selber spielt und dabei das traurige Schicksal des russischen Gegenwartsmenschen verkörpert. mehr

Im Zweifel für den Angeklagten? von Lea Seitz
Manch einer mag meinen, Dokumentarfilme und Krimis lägen um Welten auseinander. Nun, weit gefehlt: Regisseur Maciej Pieprzyca beschäftigt sich nach seiner Dokumentation aus dem Jahre 1998 erneut mit der Thematik des „schlesischen Vampirs“. Gelungen ist ihm mit Jestem modercą (I'm a killer) ein hochspannender Thriller mit grandioser Charakterentwicklung, der überdies beim Filmfestival Cottbus ausgezeichnet wurde. mehr

Die nackte Wahrheit über unsere Gesellschaft von Arvid Thamm
Der russische Filmregisseur Andrej Zvjagintsev gewann in seiner noch jungen Karriere schon einige Preise für seine Werke. Spätestens mit seinem Russland kritischen Film Leviathan (2014) beeindruckte er nicht nur russisches Publikum und erhielt eine Reihe hochkarätiger internationaler Auszeichnungen. Mit seinem aktuellen Film Neljubov’ (Loveless, 2017) liefert er wieder ein Werk auf internationalem Topniveau, welches nicht ohne Grund für einen Oscar, Golden Globe und Independent Award nominiert ist und zwei Titel beim europäischen Filmpreis 2017 gewann. mehr

Totalitäre Überwachung - Big Brother is watching you? von Ann Milz
Das packende Drama Vezdesashtiat (Omnipräsent) von Regisseur Ilian Djevelekov zeigt die zunehmende Besessenheit eines glücklichen Familienvaters, permanent Familie, Freunde und Kollegen mit versteckten Kameras auszuspähen. Was als unschuldiges Hobby begann, endet schon bald in einer Katastrophe... mehr

Bereit für eine neue gemeinsame Zukunft? von Olga Pokrzywniak
Es ist ein Film, der auf einer wahren, brutalen und blutigen Geschichte basiert. Wojciech Smarzowski stellt in seinem neuesten Film Wołyń (Wolhynien) den Konflikt zwischen Polen und den Ukrainern tiefgründig und schonungslos dar. mehr

Blicke zu den Peripherien – novinki
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Blicke zu den Peripherien

Das 27. Film­Fes­tival für mittel- und ost­eu­ro­päi­sches Kino in Cottbus

 

Wie im vorigen Jahr sind im Rahmen des stu­den­ti­schen Pro­jekts „Film­kri­ti­sches Schreiben“ Stu­die­rende der Uni­ver­sität Potsdam zum Cott­buser Film­Fes­tival für mittel- und ost­eu­ro­päi­sches Kino im November 2017 gefahren. Der Bericht gibt einen Über­blick über das Pro­gramm der letzten Edi­tion des Fes­ti­vals. Ein­zelne Rezen­sionen, auf die wir ver­linken, werfen einen tie­feren Blick auf die Haupt­sek­tion „Wett­be­werb Spielfilm“.

 

Auf dem 27. Film­Fes­tival Cottbus wurden fast zwei­hun­dert Filme aus zwei­und­vierzig Län­dern gezeigt. Dar­unter waren fünf­und­zwanzig Welt- und fünf­und­achtzig Deutsch­land­pre­mieren. Die the­ma­ti­sche Band­breite umfasste nicht nur für den ost­eu­ro­päi­schen Film typi­sche Genres wie das Sozi­al­drama, his­to­ri­sche Filme oder Filme, die sich mit dem Gegen­satz Peripherie/Zentrum aus­ein­an­der­setzen, son­dern auch eher weniger cha­rak­te­ris­ti­sche Formen wie Thriller und Sci­ence-Fic­tion. Aus den zwölf Fes­ti­val­sek­tionen wurden in drei Reihen Preise durch die inter­na­tio­nale Fes­ti­val­jury ver­liehen. Das aktu­elle pol­ni­sche Kino domi­nierte dabei nicht nur quan­ti­tativ im Film­pro­gramm, son­dern über­zeugte auch qua­li­tativ und räumte daher zugleich fast alle Preise ab. Der Film der pol­ni­schen Regis­seurin Anna Jadowska Dzikie Róże (Wilde Rosen, 2017) gewann den Haupt­preis für den besten Film, und seine Haupt­dar­stel­lerin Marta Nier­ad­kie­wicz den Preis für die beste weib­liche Rolle. Wei­terhin konnte sich der Regis­seur Maciej Pie­przyca mit seinem Film Jestem Mor­dercą (I’m a Killer, 2016) über den Preis Beste Regie freuen – und der Haupt­dar­steller dieses Films, Mirosław Hani­szewski, über die Aus­zeich­nung als beste männ­liche Rolle.

Neben vielen pol­ni­schen Pro­duk­tionen war vor allem Belarus – bisher eher unter­re­prä­sen­tiert – dieses Jahr stark ver­treten. Die Sek­tion „Spe­cials“ wid­mete sich gezielt bela­rus­si­schen Filmen, die ganz unter­schied­li­cher Art und The­matik waren und somit einen inter­es­santen Ein­blick in das aktu­elle Leben, aber auch in das vom Staat unab­hän­gige Kino gaben. Einen wei­teren Schwer­punkt stellte das rus­si­sche Kino dar, wel­ches in der Sek­tion „Ruskij Den’“ kri­ti­sche Themen wie Perm, Reli­gion oder Ver­ein­sa­mung behan­delte und durch hoch­ka­rä­tige Pro­duk­tionen wie Nel­jubov’ (Lov­eless, 2017) von Adrej Zvjag­intsev und Arit­mija (Arrhythmia, 2017) von Boris Chleb­nikov ver­treten war.

 

Sek­tion Wett­be­werb: zoom in

Die Haupt­sek­tion des Fes­ti­vals ver­sam­melte dieses Jahr eine breite Palette an fil­mi­schen Pro­jekten aus den mittel- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern. In der Cott­busser Stadt­halle wurde der geor­gi­sche Fes­ti­val­bei­trag Khi­bula (Vor dem Früh­ling, 2016) von Giorgi Ovash­vili aus­ge­strahlt. Der Film behan­delt eine poli­tisch hoch­bri­sante Geschichte um den ersten Staats­prä­si­denten des unab­hän­gigen Geor­giens, Zviad Gam­sachurdia. Geor­giens Nach­bar­land Aser­bai­dschan war dieses Jahr gleich im Wett­be­werb ver­treten: Der Film Nar Baği (Der Gra­nat­ap­fel­garten, 2017) von Ilgar Najaf insze­niert vor der Kulisse eines para­die­si­schen Gar­tens ein hartes Fami­li­en­drama in einem aser­bai­dscha­ni­schen Dorf. Die Gra­nat­äpfel und die leeren, aber beein­dru­ckenden Land­schafts­bilder deuten meta­pho­risch auf die bevor­ste­hende fami­liäre Tra­gödie hin. Eine Tra­gödie, die auf den ersten Blick vom tsche­chow­schen Kirsch­garten inspi­riert zu sein scheint, aber zugleich eine eigene Geschichte und Film­sprache ent­wi­ckelt. Die alba­nisch-grie­chi­sche Kopro­duk­tion Dita zë fill (Tages­an­bruch, 2016) von Gen­tian Koçi zeigt die Lebens­wirk­lich­keit einer mit­tel­losen, allein­er­zie­henden Mutter, deren ein­zige Hoff­nung eine alte im Sterben lie­gende Frau ist – ein Sozi­al­drama erster Klasse. Der bereits erwähnte Film Jestem Mor­dercą (I’m a Killer, 2016) von Maciej Pie­przyca greift eine wahre Geschichte um den „Vampir aus Ober­schle­sien“ auf. Der Regis­seur hat vor zwanzig Jahren einen Doku­men­tar­film über den Mas­sen­mörder gedreht und sich nun im Spiel­film mit der bis heute mit vielen Mythen und Legenden umwo­benen Geschichte neu beschäftigt.

Der dies­jäh­rige Wett­be­werbs­bei­trag aus der Ukraine mit dem Titel Riven Chor­nogo (Black Level, 2017) von Valentin Vas­ja­no­vich war ein beson­deres Film­erlebnis. Der mit doku­men­ta­ri­scher Film­technik ange­hauchte Film ist dieses Jahr für den Oscar als bester aus­län­di­scher Film nomi­niert. Mit einem limi­tierten Budget, ohne Dreh­buch, ohne Dia­loge und fast ohne pro­fes­sio­nelle schau­spie­le­ri­sche Unter­stüt­zung hat der Regis­seur ein Expe­ri­ment gewagt, das defi­nitiv gelungen ist. Im Film begleitet er seinen befreun­deten Foto­grafen bei der Arbeit und schöpft aus dessen all­täg­li­cher Rou­tine eine unkon­ven­tio­nelle Geschichte. Der Film stellt eine bit­tere Ohr­feige an das Main­stream­kino und die Film­in­dus­trie dar und ist mit Sicher­heit die stärkste und inno­va­tivste Film­pro­duk­tion des Jahres.

Der bul­ga­ri­sche Bei­trag Vez­de­sash­tiat (Omni­prä­sent, 2017) von Ilian Dje­ve­lekov führt den Zuschauern vor Augen, wie zer­stö­re­risch sich die totale Über­wa­chung durch Kameras auf das Leben eines Men­schen aus­wirken kann. Aus­wir­kungen anderer Art zeigte die slo­we­nisch-ser­bi­sche Copro­duk­tion Druži­nica (Die Familie, 2017) von Jan Cvit­ković, die die Geschichte einer jungen Familie in einer schweren finan­zi­ellen Krise prä­sen­tiert, wäh­rend der rus­si­sche Bei­trag Golova. Dva Ucha (Ein Kopf. Zwei Ohren, 2017) von Vitalij Suslin den Haupt­helden des Films, Ivan, auf ein uner­war­tetes Aben­teuer in die Groß­stadt schickt. Auch hier spielt Geld eine zen­trale Rolle. Iulia Rugină war mit ihrem rumä­ni­schen Film­bei­trag Brea­king News (Brea­king News, 2016) die zweite Regis­seurin im dies­jäh­rigen män­ner­do­mi­nierten Wett­be­werb und prä­sen­tierte eine sehr ein­drück­liche Geschichte rund um den Jour­na­listen Alex, der für bri­sante Geschichten seine mora­li­schen Grenzen her­aus­finden muss. György Kris­tófs Road­movie OUT (OUT, 2017) und Peter Beb­jaks Mafia­krimi Čiara (Die Linie, 2017) beschäf­tigen sich mit den Nach­bar­län­dern Ukraine und Slo­wakei in unter­schied­li­chen Genres und wurden an den letzten Fes­ti­val­tagen gezeigt.

Anna Jadowskas Dzikie Róże (Wilde Rosen, 2017) war dieses Jahr neben dem ukrai­ni­schen Bei­trag ohne Zweifel sowohl tech­nisch als auch im Hin­blick auf die schau­spie­le­ri­sche Leis­tung die her­aus­ra­gendste Pro­duk­tion. Ewa – eine junge Mutter in der pol­ni­schen Pro­vinz – wagt die Dogmen der patri­ar­cha­li­schen Dorf­ge­sell­schaft auf­zu­bre­chen und kämpft für ihr pri­vates Glück. Eine fes­selnde Geschichte mit einer starken Frau­en­figur im Mittelpunkt.

 

„Uner­war­tetes aus Belarus“

In der Sek­tion „Specials/Belarus“ wurden vor allem Kurz­filme prä­sen­tiert, nur ein Lang­spiel­film war im Pro­gramm. Was aber kei­nes­falls ein Nach­teil war, da so eine grö­ßere Viel­falt und ein bes­serer Ein­blick in aktu­elle Themen, die Land und Leute beschäf­tigen, geboten werden konnte. Die Drei­er­reihe Vostrau Malaka (Die Mil­ch­insel, 2016) / Druya (Druja, 2016) / Mya­zaha Nar­vi­lishak (Die Grenze von Nor­vi­liskes, 2014) setzte sich mit dem Leben an der EU-Außen­grenze aus­ein­ander und zeigte ein­drucks­voll, welche Pro­bleme mit dieser Lage ein­her­gehen, welche his­to­ri­schen Ursa­chen sie haben und wie unter­schied­lich sich die Grenz­städte ent­wi­ckeln. Die Reihe Uner­war­tetes aus Belarus (2015–2017) griff hin­gegen ganz unter­schied­liche Themen auf. Das Spek­trum reichte von der urko­mi­schen, sati­ri­schen Geschichte über die ‚freie‘ Wahl eines neuen Haus­warts, bei der nur ein Kan­didat zur ‚Aus­wahl‘ steht, über expe­ri­men­telle Arbeiten und bit­ter­ernste, aber zugleich ästhe­ti­sche Doku­men­ta­tionen zu häus­li­cher Gewalt oder über junge, krebs­kranke Men­schen, bis hin zum Ver­lernen echter Kom­mu­ni­ka­tion in Zeiten der sozialen Netz­werke. So war dann einiges gar nicht so uner­wartet wie der Titel suggeriert.

Eher unge­wöhn­lich war dafür das Pro­jekt Chro­notop (Chro­no­t­opos, 2015), das der Regis­seur And­reij Kudi­nenko bereits 2014 initi­iert hatte. Im Rahmen des Pro­jekts hatten ver­schie­dene Fil­me­ma­che­rInnen die Mög­lich­keit, sich frei mit dem Thema Mytho­logie aus­ein­an­der­zu­setzen. In den daraus ent­stan­denen Kurz­filmen liegen dann spre­chende Fische, die drei Wün­sche erfüllen, im Kof­fer­raum, ver­führen Wald­geister ahnungs­lose Männer oder jagen Dämonen einem Anti­qui­tä­ten­jäger gehö­rige Angst ein. Der Bezug zur Mytho­logie ist mal stärker, mal schwä­cher gegeben. Trotz der unter­schied­li­chen Per­spek­tiven und Dar­stel­lungen war aber den­noch der gemein­same Nenner erkennbar und zeigte zugleich, wie ver­schie­den­artig das bela­rus­si­sche Kino sein kann. Das bestä­tigen auch die wei­teren Filme in der Reihe „Specials/Belarus“, die Themen wie Umwelt­ver­schmut­zung, Regime-Kritik oder Alko­ho­lismus und das hoff­nungs­lose Leben auf dem Land aufgriffen.

Die Ent­schei­dung der Fes­ti­val­lei­tung, einen großen Teil der Sek­tion „Spe­cials“ den bela­rus­si­schen Filmen zu widmen, war daher mehr als loh­nens­wert und nicht zuletzt auch ein wich­tiger Bei­trag dazu, das bela­rus­si­sche Kino nicht im Schatten großer mittel- und ost­eu­ro­päi­scher Film­na­tionen wie Polen oder Russ­land unter­gehen zu lassen.

 

Rus­si­scher Tag

Der erste Fes­ti­valtag stand ganz im Zei­chen des aktu­ellen rus­si­schen Kinos. Die Sek­tion „Russkij Den’“ ver­sam­melte fünf Spiel­filme aus den letzten zwei Jahren und sechs Kurz­filme aus der ältesten Film­hoch­schule der Welt: der Mos­kauer VGIK. The­ma­tisch griffen die Filme in erster Linie sozi­al­kri­ti­sche Pro­ble­ma­tiken auf, sei es der reli­giöse Fana­tismus oder Alko­ho­lismus, man­gelnde medi­zi­ni­sche Betreuung und poli­zei­liche Igno­ranz. Beson­ders ragten aus dem Pro­gramm das Lie­bes­drama Arit­mija (Arrhythmia, 2017) von Boris Chleb­nikov und die dra­ma­ti­sche Fami­li­en­ge­schichte Nel­jubov’ (Lov­eless, 2017) von Adrej Zvjag­intsev hervor. Wäh­rend Chleb­nikov in seinem Film das Leben eines jungen ver­hei­ra­teten Ärz­te­paars in einer kri­ti­schen Lebens­phase beleuchtet und die Kraft der Liebe betont, kreist der Film des renom­mierten rus­si­schen Regis­seurs Zvjag­intsev um eine Familie, in der die Liebe schon längst ver­schwunden ist und die Prot­ago­nisten dafür hart büßen müssen.

Auch Jazyč­niki (Heiden, RU 2017) von Lera Sur­kova spielt in dieser Dimen­sion: Eine kleine Familie aus Vater, Mutter und Tochter hat sich völlig aus­ein­an­der­ge­lebt, keine/r weiß vom anderen, was er/sie eigent­lich wirk­lich macht. Da taucht eines Tages die tief­gläu­bige Groß­mutter väter­li­cher­seits auf und ver­sucht die Dif­fe­renzen inner­halb der Klein­fa­milie durch die Reli­gion zu kitten. Was anfäng­lich zu funk­tio­nieren scheint, eska­liert letzt­end­lich im Sturz der Tochter vom Balkon – und zwar an Ostern. Erst jetzt, als die Tochter in Lebens­ge­fahr schwebt, setzt bei den Eltern ein Pro­zess des Umden­kens ein und somit steht das reli­giöse Fest sym­bo­lisch für den Neu­an­fang in der Familie – ganz ohne Religion.

 

Fes­ti­val­re­sümee

Ins­ge­samt hat das 27. Film­Fes­tival Cottbus – wie bereits letztes Jahr – wieder sehr viel Abwechs­lung und inter­es­sante Bei­träge geboten. Dass dabei einige Länder und Kate­go­rien mehr im Vor­der­grund standen als andere, ist durchaus positiv zu bewerten. Ins­be­son­dere der aser­bai­dscha­ni­sche Wett­be­werbs­bei­trag, die Kon­zen­tra­tion auf Belarus in der Sek­tion „Spe­cials“ oder der Fokus auf das ehe­mals kom­mu­nis­ti­sche Vietnam in der gleich­na­migen Sek­tion zeugten von einem wich­tigen Per­spek­tiv­wechsel. Durch die stär­kere Kon­zen­tra­tion auf neue Bereiche ist aber die Sek­tion „Pol­skie Hory­zonty“ zu kurz gekommen und war, trotz der an sich starken Prä­senz pol­ni­scher Pro­duk­tionen, unter­re­prä­sen­tiert. Es gab nur eine kleine Film-Aus­wahl inner­halb dieser bereits tra­di­tio­nellen Reihe. In den anderen Sek­tionen waren aber viele pol­ni­sche Filme zu finden. So hatte z.B. die Sek­tion „Natio­nale Hits“ Filme wie Wołyń (Wol­hy­nien, PL 2016) und Sztuka Kochania (Die Kunst der Liebe, PL 2017) zu bieten. Diese Sek­tion umfasste aber natür­lich auch Pro­duk­tionen aus anderen Län­dern wie z.B. Jan Sveraks Bei­trag Po Str­nisti Bos (Barfuß, CZ 2017), der den dies­jäh­rigen Publi­kums­preis gewann.

Eben­falls sehr gut wurde vom Publikum der erste Teil Der langen Nacht der kurzen Filme ange­nommen, die trotz der gen­re­bedingten Kürze und den ernsten Themen einen erhei­ternden Abend bot. Der über­volle Saal reagierte sehr lebendig auf ein­zelne fil­mi­sche Bei­träge und nach jedem Film gab es ein kurzes Gespräch mit den Regis­seu­rInnen, die einen tie­feren Ein­blick in den Pro­duk­ti­ons­pro­zess der jewei­ligen Kurz­filme geben konnten. Die Komödie Lalay-Bal­alay (Karus­sell, RU 2017) von Ruslan Bratov konnte sich dabei den Spe­zi­al­preis im Wett­be­werb Kurz­spiel­film sichern; das Drama Atlan­tida, 2003 (Atlantis, 2003, SK/CZ 2017) von Michal Blasko, das im zweiten Teil Der langen Nacht der kurzen Filme lief, erhielt den Hauptpreis.

Es bleibt abzu­warten, welche Schwer­punkte und Themen für das 28. Film­Fes­tival in Cottbus vor­ge­sehen sind. Eine große Band­breite ist erfah­rungs­gemäß zu erwarten und allein das lässt schon Vor­freude auf das nächste Jahr aufkommen.

 

Rezen­sionen zu ein­zelnen Filmen, vor allem aus der Sek­tion „Wett­be­werb Spiel­film“, sind bei unserem Koope­ra­ti­ons­partner Read Ost erschienen:

Der gute Mensch in einer schlechten Welt von Julia Kling
Sus­lins Tra­gi­ko­mödie Golova. Dva Ucha (Ein Kopf. Zwei Ohren, 2017) beruht auf einer wahren Bege­ben­heit, in der Ivan Lašin sich selber spielt und dabei das trau­rige Schicksal des rus­si­schen Gegen­warts­men­schen ver­kör­pert. mehr

Im Zweifel für den Ange­klagten? von Lea Seitz
Manch einer mag meinen, Doku­men­tar­filme und Krimis lägen um Welten aus­ein­ander. Nun, weit gefehlt: Regis­seur Maciej Pie­przyca beschäf­tigt sich nach seiner Doku­men­ta­tion aus dem Jahre 1998 erneut mit der The­matik des „schle­si­schen Vam­pirs“. Gelungen ist ihm mit Jestem modercą (I’m a killer) ein hoch­span­nender Thriller mit gran­dioser Cha­rak­ter­ent­wick­lung, der über­dies beim Film­fes­tival Cottbus aus­ge­zeichnet wurde. mehr

Die nackte Wahr­heit über unsere Gesell­schaft von Arvid Thamm
Der rus­si­sche Film­re­gis­seur Andrej Zvjag­intsev gewann in seiner noch jungen Kar­riere schon einige Preise für seine Werke. Spä­tes­tens mit seinem Russ­land kri­ti­schen Film Levia­than (2014) beein­druckte er nicht nur rus­si­sches Publikum und erhielt eine Reihe hoch­ka­rä­tiger inter­na­tio­naler Aus­zeich­nungen. Mit seinem aktu­ellen Film Nel­jubov’ (Lov­eless, 2017) lie­fert er wieder ein Werk auf inter­na­tio­nalem Top­ni­veau, wel­ches nicht ohne Grund für einen Oscar, Golden Globe und Inde­pen­dent Award nomi­niert ist und zwei Titel beim euro­päi­schen Film­preis 2017 gewann. mehr

Tota­li­täre Über­wa­chung – Big Bro­ther is watching you? von Ann Milz
Das packende Drama Vez­de­sash­tiat (Omni­prä­sent) von Regis­seur Ilian Dje­ve­lekov zeigt die zuneh­mende Beses­sen­heit eines glück­li­chen Fami­li­en­va­ters, per­ma­nent Familie, Freunde und Kol­legen mit ver­steckten Kameras aus­zu­spähen. Was als unschul­diges Hobby begann, endet schon bald in einer Kata­strophe… mehr

Bereit für eine neue gemein­same Zukunft? von Olga Pokrzywniak
Es ist ein Film, der auf einer wahren, bru­talen und blu­tigen Geschichte basiert. Wojciech Smar­zowski stellt in seinem neu­esten Film Wołyń (Wol­hy­nien) den Kon­flikt zwi­schen Polen und den Ukrai­nern tief­gründig und scho­nungslos dar. mehr