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Ein Ort, kein Raum und ein Zimmer. Tamta Melaschwili am Zürichsee

Posted on 7. Mai 2015 by Nina Seiler & Stefanie Heine
Die georgische Schrifstellerin Tamta Melaschwili weilt derzeit als "Writer in Residence" in Zürich. Bei der Sendung "ctrl. x" von Litradio Zürich sprach sie mit Nina Seiler und Stefanie Heine über ihre Orte des Schreibens, das Verschwinden des Raums im Krieg und Frauen im literarischen Raum.

Das vorliegende Gespräch mit Tamta Melaschwili entstand im Rahmen eines Pilotprojekts von Litradio Zürich. Das Format "ctrl. x" widmet sich den halbjährlich in Zürich weilenden "Writers in Residence" und bittet sie darum, einen literarischen Schnappschuss zu einem Ort in der Gaststadt zu erstellen. Das darauf aufbauende Gespräch findet am ausgewählten Ort statt. Tamta Melaschwili berichtet am Zürichsee über ihre Orte des Schreibens, das Verschwinden des Raums im Krieg und von den Frauen im literarischen Raum.

 

Tamta Melaschwili wurde 1979 in Ambrolauri, Georgien geboren. Nach dem Schulabschluss zog sie in die georgische Hauptstadt Tbilissi und begann, Internationale Beziehungen zu studieren. Sie brach das Studium ab und lebte daraufhin ein Jahr in Deutschland, wo sie zu schreiben anfing. 2008 schloss sie das Studium der Gender Studies an der Central European University in Budapest ab. Gegenwärtig lebt Tamta Melaschwili in Georgien und engagiert sich für Frauenrechte und Genderfragen. Sie forschte zu weiblicher Migration und veröffentlichte u.a. Georgian Women in Germany – Empowerment through Migration? Empowering Aspects of Female Migration (Saarbrücken 2009). Ihre ersten Erzählungen publizierte Melaschwili in einem Literaturportal, wovon einige in Anthologien aufgenommen wurden. Ihr Romandebüt Abzählen wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 ausgezeichnet. Von Anfang Dezember 2014 bis Ende Mai 2015 ist Tamta Melaschwili Writer in Residence am Literaturhaus Zürich, wo sie an ihrem zweiten Roman arbeitet.

 

Auf novinki ist im April 2013 bereits ein Interview mit Tamta Melaschwili erschienen, das auf politische Aspekte und die Situation in Georgien fokussiert. Ausserdem findet man auf novinki eine Rezension ihres Erstlings Abzählen.

 

Tamta Melaschwili | Zürichsee
Aus dem Englischen von Nina Seiler.

Ich starte an der Bushaltestelle Bürkliplatz und überquere die Kreuzung bei grünem Licht. Jetzt bin ich auf der anderen Seite, der Seeseite.
Ich gehe an der Zürcher Blumenuhr vorbei, passiere die kleine Brücke und gehe durch die Allee, durch die Bäume. Ich erinnere mich an die Bäume. Sind sie grösser geworden?
Ich sehe die Bänke unter den Bäumen. Eine, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht. Sind sie schon hier gewesen, damals? Höchstwahrscheinlich. Sieben davon sind leer, verlassen. Ein Radfahrer mit seinem Fahrrad besetzt die eine Bank. Ich schaue auf seinen Rücken, sein Blick ist auf den See gerichtet. Höchstwahrscheinlich.
Ich bleibe stehen. Ich sehe den Brunnen, und dann ein rotes Backsteinhaus, das Rote Schloss. Ich erinnere mich an das Haus. All die konfus-verschwommenen Bilder von den Städten und Orten, an denen ich jemals war, sind plötzlich – weg. Sie sind verschwunden.
Mit einem leichten Beschämen erkenne ich den Ort. Nach zehn Jahren bin ich wieder hier, aber ohne ihn. Er, mein Zürichseegefährte, war ein unvermittelter Gast in meinem Leben. Und ich war dasselbe für ihn. Unsere Wege haben sich gekreuzt, um sich wieder zu verlieren.
Jetzt unter diesen Bäumen ist sein Gesicht viel weiter weg, und mein Blick ist auf den See gerichtet.
In diesen zehn Jahren haben wir nie versucht, uns zu erreichen. Und wir werden es nie tun.
Höchstwahrscheinlich.

 

rotesschloss1 

novinki: Tamta Melaschwili, du bist als Writer in Residence zurück nach Zürich gekommen und beschreibst einen Ort, den du von deinem letzten Aufenthalt in Zürich vor zehn Jahren erinnerst. Im Moment sitzen wir im Kongresshaus direkt neben dem Roten Schloss. Aus dem Fenster sieht man den See und die Bäume.
Im literarischen Schnappschuss, den du uns vorlegst, eröffnen der Platz am Seeufer und das Rote Schloss einem Erinnerungsraum. Wie würdest du das Verhältnis von Ort und Erinnerung beschreiben?

 

Tamta Melaschwili: Nun, ich denke, dass Orte und Erinnerung sehr stark miteinander verbunden sind, zumindest für mich. Einige Erinnerungen sind an Orte gekoppelt, wie in dem Beispiel, von dem ich geschrieben habe. Ich war vor zehn Jahren hier, aber es war damals viel wärmer. Ich glaube, es war Juni. Als ich vor einem Monat wieder hier vorbeikam, hatte ich das seltsame Gefühl, dass ich mich an den Ort erinnere. Dann erst erkannte ich das Rote Schloss. Ich erinnerte mich an das Haus, es ist sehr schön. Und danach kamen die Erinnerungen.

 

n.: Haben Orte, die Erinnerungen hervorrufen, etwas Spezielles an sich? Ist es ein Zufall – etwa wie die flüchtige Bekanntschaft, die du beschreibst –, dass gerade das Rote Schloss und die Bank am Seeufer deine Erinnerung stimulieren? Oder gibt es hier etwas, das den Ort besonders tief in dein Gedächtnis einschreibt?

 

T.M.: In diesem Fall war es wohl der Ort selbst. Als wir vor zehn Jahren in Zürich waren, haben wir auch andere Orte besucht, aber an sie kann ich mich nicht erinnern.

 

n.: Was könnte der Grund dafür sein?

 

T.M.: Wahrscheinlich, weil ich den Ort so schön fand. Allgemein denke ich aber, dass Orte oder der Raum selbst nicht für sich existieren. Es ist vielmehr deine Wahrnehmung des Raums, die sich in die Erinnerung gräbt.

 

n.: Du beschreibst den Ort aus deiner jetzigen Perspektive, während du dich in der Erinnerung zehn Jahre zurückversetzt. Ist es immer noch derselbe Ort für dich, oder hat sich die Stadt verändert?

 

T.M.: Der Ort ist derselbe geblieben, abgesehen von den Bäumen – ich glaube, sie sind grösser geworden. Irgendwo habe ich noch ein Foto, auf dem ich auf einem Ast sitze. Ich habe mir die Bäume jetzt angeschaut und gedacht, dass das unmöglich ist. (lacht) Aber ich habe Zürich so schön wiedergefunden, wie es vor zehn Jahren war.

 

n.: Was sind die Schreibszenarien, die für deine aktuelle Arbeit fruchtbar sind? Wie beeinflussen die konkreten Orte, an denen du arbeitest und lebst, dein Schreiben? Was kannst du aus dieser Perspektive über Zürich sagen im Vergleich zu anderen Orten, an denen du gelebt hast?

 

T.M.: Ich glaube, dass für mich dieser Ort hier der beste ist, um zu schreiben. Ich bin eine Writer in Residence und arbeite an meinem zweiten Roman. Der Prozess des Schreibens ist ein ganz anderer als bei Abzählen. Abzählen habe ich vor vier Jahren geschrieben, im Sommer. Dieser Text war mein Protest gegen Krieg und Gewalt. Es war ein sehr starker Ausdruck meiner Gefühle, meiner Wut, die ich damals hatte. Und irgendwie lief der Schreibprozess teilweise unbewusst ab. Heute bin ich ruhiger, bewusster. Deshalb scheint mir hier der richtige Ort zum Schreiben zu sein.

 

n.: Also denkst du, dass verschiedene Bücher unterschiedliche Orte haben, an denen sie entstehen, oder wo sie geschrieben werden sollten?

 

T.M.: Vielleicht. Ich denke vor allem, dass Kreativität verschiedene Modi einnehmen kann.

 

n.: Hast du denn mit deinem zweiten Roman bereits angefangen, bevor du nach Zürich kamst?

 

T.M.: Nein. Ich habe alle Notizen erstellt, bevor ich herkam. Dann bin ich am 8. Dezember hier angekommen und am 10. habe ich angefangen zu schreiben. (lacht) Ein solches Vorgehen ist sehr ungewöhnlich für mich, aber es ist auch für mich selbst spannend zu sehen, wie ich das mache. Es ist eine interessante Schreiberfahrung.

 

n.: Du schreibst also einfach jeden Tag, oder hast du einen genauen Plan, wann du was schreiben willst?

 

T.M.: Ich habe keinen konkreten Plan, aber ich schreibe jeden Morgen. Ich beginne bei meinem Morgenkaffee zu schreiben. Ich bin sehr produktiv am Morgen, wie sich herausgestellt hat. (lacht)

 

n.: Im Nachwort zu Abzählen erwähnst du zwei Schreibsituationen, die auf dein literarisches Schaffen Einfluss nahmen. Die erste ist ein sehr restriktives Szenario, in dem beinahe kein Raum zum Schreiben besteht: Während des Kriegs in Georgien, in deinen Teenagerjahren, durftest du kein Papier und keine Stifte verschwenden, weshalb du schliesslich in die gebrauchten Physikhefte deines Onkels schriebst, zwischen Formeln und Übungen. Analog dazu nennst du die verlassene Wohnung, wo du Abzählen schriebst, eine „Schreibzelle“, einen eingegrenzten und limitierten Raum. Den Ort, wo du wieder zu schreiben begonnen hast, nachdem du es während des Studiums zwischenzeitlich aufgegeben hattest, nennst du im Gegensatz dazu einen Raum der Freiheit – ein ruhiges und fremdes Städtchen zwischen Deutschland und der Schweiz. Dass offene Räume kreatives Schaffen fördern, hört man oft, aber was ist mit den limitierten Räumen? Gibt es noch eingegrenzte Räume, die dein Schaffen beeinflussen?

 

T.M.: Es war der eingegrenzte Raum, der während des Schreibens von Abzählen auf mich gewirkt hat. Du erwähnst die „Schreibzelle“. Ich glaube, für dieses Buch war die „Schreibzelle“ der richtige Ort zum Schreiben. Denn es handelt von einer Konfliktzone, vom Leben der Teenager in dieser Konfliktzone; es geht um Krieg. Der Krieg selbst schränkt den Raum der Menschen auf eine sehr dramatische Weise ein.

 

n.: In diesem Umfeld, wo der Krieg – physisch und psychologisch – den kompletten Raum einnimmt, scheinen aber die Protagonistinnen in Abzählen ihre eigenen Räume zu erschaffen. Sie tanzen in verlassenen Häusern, rauchen dort Zigaretten und führen Gespräche übers Erwachsenwerden. Für Zknapi aber schlägt der kriegsdurchzogene Raum fatal zurück, als sie mit gestohlener Babynahrung für ihren Bruder über ein Minenfeld zu entkommen versucht.
Welche Rolle spielen verschiedene Ausprägungen des Raums in Abzählen?

 

T.M.: Es gibt nur einen Raum, und der wird vom Krieg verschlungen. Ich habe das persönlich durchgemacht. 2008, während des Augustkriegs, war ich mit meiner Schwester in unserer Heimatstadt. Ihr Sohn war damals etwa drei Monate alt. Als der Krieg begann, wurden nahe gelegene Ortschaften bombardiert, wir konnten die Explosionen hören. Wir waren zu Hause, als plötzlich dieses Militärflugzeug über uns hinwegflog. Wir brachen in Panik aus. Wir rannten vom Haus weg, durch den Garten und zu einem anderen Gebäude, um uns dort im Untergeschoss zu verstecken. Es war dieselbe Distanz, derselbe Raum wie damals, als ich hier aufwuchs. Ich hatte die ersten sechzehn Jahre meines Lebens hier verbracht. Der Garten war derselbe, die Bäume waren dieselben, die Gebäude ebenso. Aber plötzlich, während des Rennens, fühlte ich, dass es überhaupt keinen Raum mehr gab, keinen Ort. Deshalb war mein Roman auch ein Protest dagegen, keinen Raum zu haben, gegen das, was die Menschen während eines Kriegs durchleben.

 

n.: Die Struktur von Abzählen dreht sich stets im Kreis, von Mittwoch über Donnerstag zu Freitag, bis der tödliche Freitagabend der Kriegsgeschichte ein Ende setzt. Diese zerstückelte Zeitstruktur, ebenfalls ein eigentliches Abzählen, scheint die Tage aufzulösen. Sie reisst den chronologischen Ablauf unwiederbringlich auseinander. Die Handlungen können nicht mehr stimmig zusammengefügt werden. Wie bist du auf dieses zyklische Erzählen gekommen, und welchen Effekt hattest du dabei im Sinn?

 

T.M.: Als ich den Text schrieb, habe ich nicht darauf geachtet. Jetzt denke ich, dass ich auch damit den eingegrenzten Raum des Kriegs zeigen wollte, indem ich mich auf diese drei Tage beschränkte. Auch die Sätze sind ziemlich kurz, was wiederum auf die Gefühle der Menschen verweist, auf ihre Anspannung, und wie sie unter solchen Umständen traumatisiert werden. Du empfindest die Dinge ganz anders als normalerweise. Es war die schlimmste Erfahrung, die ich je gemacht habe.

 

n.: Ninzo und Zknapi, die beiden jugendlichen Protagonistinnen in Abzählen, verbindet eine enge Freundschaft und gleichzeitig eine Rivalität in Bezug auf ihre jeweilige physische Entwicklung. Ihr ungleicher Wettlauf dahin, endlich eine erwachsene Frau zu werden, scheint aber irgendwie in der Luft zu schweben: Es gibt keinen Platz mehr in der kriegsversehrten Gegend für junge Frauen. Gerade die Attraktivität der frühreifen Ninzo in den Augen der ,anderen' Soldaten befördert sie ins soziale Niemandsland zwischen den Fronten. Dennoch scheint dieser Wettstreit der beiden Mädchen um die Geschlechternorm ihre letzte Verbindung zu einer vom Krieg verschonten, normalen Gesellschaft zu sein.

 

T.M.: Auch in einer Konfliktzone sind Mädchen immer noch Mädchen. Frauen sind immer noch Frauen. Wenn sie in einer friedlichen Gegend wohnen würden, wäre es dasselbe. Ninzo wäre für die Männer sogar noch attraktiver. Der Geschlechteraspekt ist aber auch im Krieg immer noch vorhanden. Ich wurde bereits mehrere Male gefragt, warum ich ausgerechnet Jugendliche als Protagonistinnen wählte. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass ich selbst ein prä-Teenager war, als der Bürgerkrieg anfing; ich war elf Jahre alt.

 

n.: Virginia Woolf schreibt, dass „ein Zimmer für sich selbst“ zu haben, also wörtlich und bildlich gesprochen über Raum zum Arbeiten zu verfügen, eines der essentiellsten Erfordernisse für Schriftstellerinnen ihrer Zeit war, als der literarische Kanon und die Schriftstellerei noch stark männlich geprägt waren. Gibt es heute noch ein Bedürfnis nach eigenen Räumen für Frauen in der literarischen Welt? Wenn ja, wie würden diese aussehen? Welche Art von Frauenräumen schwebt dir vor?

 

T.M.: Ja, ich glaube, es gibt noch immer ein Bedürfnis nach einem eigenen Raum. Es hat sich aber vieles im positiven Sinne verändert. Woolf schrieb ihren Text ja vor fast hundert Jahren, und mittlerweile sind Frauen in einer besseren Position. In Georgien etwa, um ein einfaches Beispiel zu geben, gibt es ein Verlagshaus, das jährlich die fünfzehn besten Kurzgeschichten publiziert. Vor acht oder zehn Jahren waren vielleicht zwölf Männer und drei Frauen vertreten. Heute hat sich die Statistik verändert, weibliche und männliche Autor_innen sind gleichermassen präsent. In Georgien haben Frauen nun tatsächlich ihre eigene Stimme, es gibt viele gute Dichterinnen, und einige junge Frauen, die zu schreiben angefangen haben, sind wirklich vielversprechend. Deshalb bin ich sehr optimistisch, sogar im Fall von Georgien. (lacht) Natürlich hat sich auf globaler Ebene einiges getan, aber es gibt immer noch regionale Unterschiede.

 

n.: Hast du spezifische Erfahrungen als Frau in der literarischen Welt, innerhalb des Literaturbetriebs gemacht? Gab es irgendwelche Ereignisse, bei denen du dachtest, das wäre nun anders für einen männlichen Autor?

 

T.M.: Ich hatte ein Erlebnis als feministische Autorin. Das war ziemlich lustig. Als Abzählen veröffentlicht wurde, erhielt ich viel positives Feedback. Es gibt einen einflussreichen Literaturkritiker in Georgien, der das Buch mochte und mich dafür sehr lobte. Doch dann erwähnte ich in einem Interview, dass es ein feministisches Buch sei und ich selbst eine feministische Autorin. Daraufhin wurde er richtig aggressiv, weil er etwas gelobt hatte, das sich als feministisch herausstellte.

 

n.: Er fühlte sich in die falsche Ecke gedrängt?

 

T.M.: Genau. Er versuchte zu polemisieren, worin genau der Roman feministisch sei. Man teilte ihm mit, dass die Autorin es selbst gesagt habe.

 

n.: Tamta Melaschwili, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen weiterhin gutes Schaffen in Zürich!

 

Das Interview führten Stefanie Heine und Nina Seiler für Litradio.
Gekürzt und übersetzt aus dem Englischen von Nina Seiler.
Fotos von Stefanie Heine.

 

Audiobeitrag: ctrl. x: Zürichsee | Rotes Schloss auf litradio.net

Ein Ort, kein Raum und ein Zimmer. Tamta Melaschwili am Zürichsee – novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Ein Ort, kein Raum und ein Zimmer. Tamta Melaschwili am Zürichsee

Das vor­lie­gende Gespräch mit Tamta Melaschwili ent­stand im Rahmen eines Pilot­pro­jekts von Lit­radio Zürich. Das Format “ctrl. x” widmet sich den halb­jähr­lich in Zürich wei­lenden “Wri­ters in Resi­dence” und bittet sie darum, einen lite­ra­ri­schen Schnapp­schuss zu einem Ort in der Gast­stadt zu erstellen. Das darauf auf­bau­ende Gespräch findet am aus­ge­wählten Ort statt. Tamta Melaschwili berichtet am Zürichsee über ihre Orte des Schrei­bens, das Ver­schwinden des Raums im Krieg und von den Frauen im lite­ra­ri­schen Raum.

 

Tamta Melaschwili wurde 1979 in Amb­ro­lauri, Geor­gien geboren. Nach dem Schul­ab­schluss zog sie in die geor­gi­sche Haupt­stadt Tbi­lissi und begann, Inter­na­tio­nale Bezie­hungen zu stu­dieren. Sie brach das Stu­dium ab und lebte dar­aufhin ein Jahr in Deutsch­land, wo sie zu schreiben anfing. 2008 schloss sie das Stu­dium der Gender Stu­dies an der Cen­tral Euro­pean Uni­ver­sity in Buda­pest ab. Gegen­wärtig lebt Tamta Melaschwili in Geor­gien und enga­giert sich für Frau­en­rechte und Gen­der­fragen. Sie forschte zu weib­li­cher Migra­tion und ver­öf­fent­lichte u.a. Geor­gian Women in Ger­many – Empower­ment through Migra­tion? Empowe­ring Aspects of Female Migra­tion (Saar­brü­cken 2009). Ihre ersten Erzäh­lungen publi­zierte Melaschwili in einem Lite­ra­tur­portal, wovon einige in Antho­lo­gien auf­ge­nommen wurden. Ihr Roman­debüt Abzählen wurde mit dem Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2013 aus­ge­zeichnet. Von Anfang Dezember 2014 bis Ende Mai 2015 ist Tamta Melaschwili Writer in Resi­dence am Lite­ra­tur­haus Zürich, wo sie an ihrem zweiten Roman arbeitet.

 

Auf novinki ist im April 2013 bereits ein Inter­view mit Tamta Melaschwili erschienen, das auf poli­ti­sche Aspekte und die Situa­tion in Geor­gien fokus­siert. Aus­serdem findet man auf novinki eine Rezen­sion ihres Erst­lings Abzählen.

 

Tamta Melaschwili | Zürichsee
Aus dem Eng­li­schen von Nina Seiler.

Ich starte an der Bus­hal­te­stelle Bür­kli­platz und über­quere die Kreu­zung bei grünem Licht. Jetzt bin ich auf der anderen Seite, der Seeseite.
Ich gehe an der Zür­cher Blu­menuhr vorbei, pas­siere die kleine Brücke und gehe durch die Allee, durch die Bäume. Ich erin­nere mich an die Bäume. Sind sie grösser geworden?
Ich sehe die Bänke unter den Bäumen. Eine, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht. Sind sie schon hier gewesen, damals? Höchst­wahr­schein­lich. Sieben davon sind leer, ver­lassen. Ein Rad­fahrer mit seinem Fahrrad besetzt die eine Bank. Ich schaue auf seinen Rücken, sein Blick ist auf den See gerichtet. Höchstwahrscheinlich.
Ich bleibe stehen. Ich sehe den Brunnen, und dann ein rotes Back­stein­haus, das Rote Schloss. Ich erin­nere mich an das Haus. All die konfus-ver­schwom­menen Bilder von den Städten und Orten, an denen ich jemals war, sind plötz­lich – weg. Sie sind verschwunden.
Mit einem leichten Beschämen erkenne ich den Ort. Nach zehn Jahren bin ich wieder hier, aber ohne ihn. Er, mein Zürich­see­ge­fährte, war ein unver­mit­telter Gast in meinem Leben. Und ich war das­selbe für ihn. Unsere Wege haben sich gekreuzt, um sich wieder zu verlieren.
Jetzt unter diesen Bäumen ist sein Gesicht viel weiter weg, und mein Blick ist auf den See gerichtet.
In diesen zehn Jahren haben wir nie ver­sucht, uns zu errei­chen. Und wir werden es nie tun.
Höchstwahrscheinlich.

 

rotesschloss1

 

novinki: Tamta Melaschwili, du bist als Writer in Resi­dence zurück nach Zürich gekommen und beschreibst einen Ort, den du von deinem letzten Auf­ent­halt in Zürich vor zehn Jahren erin­nerst. Im Moment sitzen wir im Kon­gress­haus direkt neben dem Roten Schloss. Aus dem Fenster sieht man den See und die Bäume.
Im lite­ra­ri­schen Schnapp­schuss, den du uns vor­legst, eröffnen der Platz am See­ufer und das Rote Schloss einem Erin­ne­rungs­raum. Wie wür­dest du das Ver­hältnis von Ort und Erin­ne­rung beschreiben?

 

Tamta Melaschwili: Nun, ich denke, dass Orte und Erin­ne­rung sehr stark mit­ein­ander ver­bunden sind, zumin­dest für mich. Einige Erin­ne­rungen sind an Orte gekop­pelt, wie in dem Bei­spiel, von dem ich geschrieben habe. Ich war vor zehn Jahren hier, aber es war damals viel wärmer. Ich glaube, es war Juni. Als ich vor einem Monat wieder hier vor­beikam, hatte ich das selt­same Gefühl, dass ich mich an den Ort erin­nere. Dann erst erkannte ich das Rote Schloss. Ich erin­nerte mich an das Haus, es ist sehr schön. Und danach kamen die Erinnerungen.

 

n.: Haben Orte, die Erin­ne­rungen her­vor­rufen, etwas Spe­zi­elles an sich? Ist es ein Zufall – etwa wie die flüch­tige Bekannt­schaft, die du beschreibst –, dass gerade das Rote Schloss und die Bank am See­ufer deine Erin­ne­rung sti­mu­lieren? Oder gibt es hier etwas, das den Ort beson­ders tief in dein Gedächtnis einschreibt?

 

T.M.: In diesem Fall war es wohl der Ort selbst. Als wir vor zehn Jahren in Zürich waren, haben wir auch andere Orte besucht, aber an sie kann ich mich nicht erinnern.

 

n.: Was könnte der Grund dafür sein?

 

T.M.: Wahr­schein­lich, weil ich den Ort so schön fand. All­ge­mein denke ich aber, dass Orte oder der Raum selbst nicht für sich exis­tieren. Es ist viel­mehr deine Wahr­neh­mung des Raums, die sich in die Erin­ne­rung gräbt.

 

n.: Du beschreibst den Ort aus deiner jet­zigen Per­spek­tive, wäh­rend du dich in der Erin­ne­rung zehn Jahre zurück­ver­setzt. Ist es immer noch der­selbe Ort für dich, oder hat sich die Stadt verändert?

 

T.M.: Der Ort ist der­selbe geblieben, abge­sehen von den Bäumen – ich glaube, sie sind grösser geworden. Irgendwo habe ich noch ein Foto, auf dem ich auf einem Ast sitze. Ich habe mir die Bäume jetzt angeschaut und gedacht, dass das unmög­lich ist. (lacht) Aber ich habe Zürich so schön wie­der­ge­funden, wie es vor zehn Jahren war.

 

n.: Was sind die Schreib­sze­na­rien, die für deine aktu­elle Arbeit fruchtbar sind? Wie beein­flussen die kon­kreten Orte, an denen du arbei­test und lebst, dein Schreiben? Was kannst du aus dieser Per­spek­tive über Zürich sagen im Ver­gleich zu anderen Orten, an denen du gelebt hast?

 

T.M.: Ich glaube, dass für mich dieser Ort hier der beste ist, um zu schreiben. Ich bin eine Writer in Resi­dence und arbeite an meinem zweiten Roman. Der Pro­zess des Schrei­bens ist ein ganz anderer als bei Abzählen. Abzählen habe ich vor vier Jahren geschrieben, im Sommer. Dieser Text war mein Pro­test gegen Krieg und Gewalt. Es war ein sehr starker Aus­druck meiner Gefühle, meiner Wut, die ich damals hatte. Und irgendwie lief der Schreib­pro­zess teil­weise unbe­wusst ab. Heute bin ich ruhiger, bewusster. Des­halb scheint mir hier der rich­tige Ort zum Schreiben zu sein.

 

n.: Also denkst du, dass ver­schie­dene Bücher unter­schied­liche Orte haben, an denen sie ent­stehen, oder wo sie geschrieben werden sollten?

 

T.M.: Viel­leicht. Ich denke vor allem, dass Krea­ti­vität ver­schie­dene Modi ein­nehmen kann.

 

n.: Hast du denn mit deinem zweiten Roman bereits ange­fangen, bevor du nach Zürich kamst?

 

T.M.: Nein. Ich habe alle Notizen erstellt, bevor ich herkam. Dann bin ich am 8. Dezember hier ange­kommen und am 10. habe ich ange­fangen zu schreiben. (lacht) Ein sol­ches Vor­gehen ist sehr unge­wöhn­lich für mich, aber es ist auch für mich selbst span­nend zu sehen, wie ich das mache. Es ist eine inter­es­sante Schreiberfahrung.

 

n.: Du schreibst also ein­fach jeden Tag, oder hast du einen genauen Plan, wann du was schreiben willst?

 

T.M.: Ich habe keinen kon­kreten Plan, aber ich schreibe jeden Morgen. Ich beginne bei meinem Mor­gen­kaffee zu schreiben. Ich bin sehr pro­duktiv am Morgen, wie sich her­aus­ge­stellt hat. (lacht)

 

n.: Im Nach­wort zu Abzählen erwähnst du zwei Schreib­situa­tionen, die auf dein lite­ra­ri­sches Schaffen Ein­fluss nahmen. Die erste ist ein sehr restrik­tives Sze­nario, in dem bei­nahe kein Raum zum Schreiben besteht: Wäh­rend des Kriegs in Geor­gien, in deinen Teen­ager­jahren, durf­test du kein Papier und keine Stifte ver­schwenden, wes­halb du schliess­lich in die gebrauchten Phy­sik­hefte deines Onkels schriebst, zwi­schen For­meln und Übungen. Analog dazu nennst du die ver­las­sene Woh­nung, wo du Abzählen schriebst, eine „Schreib­zelle“, einen ein­ge­grenzten und limi­tierten Raum. Den Ort, wo du wieder zu schreiben begonnen hast, nachdem du es wäh­rend des Stu­diums zwi­schen­zeit­lich auf­ge­geben hat­test, nennst du im Gegen­satz dazu einen Raum der Frei­heit – ein ruhiges und fremdes Städt­chen zwi­schen Deutsch­land und der Schweiz. Dass offene Räume krea­tives Schaffen för­dern, hört man oft, aber was ist mit den limi­tierten Räumen? Gibt es noch ein­ge­grenzte Räume, die dein Schaffen beeinflussen?

 

T.M.: Es war der ein­ge­grenzte Raum, der wäh­rend des Schrei­bens von Abzählen auf mich gewirkt hat. Du erwähnst die „Schreib­zelle“. Ich glaube, für dieses Buch war die „Schreib­zelle“ der rich­tige Ort zum Schreiben. Denn es han­delt von einer Kon­flikt­zone, vom Leben der Teen­ager in dieser Kon­flikt­zone; es geht um Krieg. Der Krieg selbst schränkt den Raum der Men­schen auf eine sehr dra­ma­ti­sche Weise ein.

 

n.: In diesem Umfeld, wo der Krieg – phy­sisch und psy­cho­lo­gisch – den kom­pletten Raum ein­nimmt, scheinen aber die Prot­ago­nis­tinnen in Abzählen ihre eigenen Räume zu erschaffen. Sie tanzen in ver­las­senen Häu­sern, rau­chen dort Ziga­retten und führen Gespräche übers Erwach­sen­werden. Für Zknapi aber schlägt der kriegs­durch­zo­gene Raum fatal zurück, als sie mit gestoh­lener Baby­nah­rung für ihren Bruder über ein Minen­feld zu ent­kommen versucht.
Welche Rolle spielen ver­schie­dene Aus­prä­gungen des Raums in Abzählen?

 

T.M.: Es gibt nur einen Raum, und der wird vom Krieg ver­schlungen. Ich habe das per­sön­lich durch­ge­macht. 2008, wäh­rend des August­kriegs, war ich mit meiner Schwester in unserer Hei­mat­stadt. Ihr Sohn war damals etwa drei Monate alt. Als der Krieg begann, wurden nahe gele­gene Ort­schaften bom­bar­diert, wir konnten die Explo­sionen hören. Wir waren zu Hause, als plötz­lich dieses Mili­tär­flug­zeug über uns hin­weg­flog. Wir bra­chen in Panik aus. Wir rannten vom Haus weg, durch den Garten und zu einem anderen Gebäude, um uns dort im Unter­ge­schoss zu ver­ste­cken. Es war die­selbe Distanz, der­selbe Raum wie damals, als ich hier auf­wuchs. Ich hatte die ersten sech­zehn Jahre meines Lebens hier ver­bracht. Der Garten war der­selbe, die Bäume waren die­selben, die Gebäude ebenso. Aber plötz­lich, wäh­rend des Ren­nens, fühlte ich, dass es über­haupt keinen Raum mehr gab, keinen Ort. Des­halb war mein Roman auch ein Pro­test dagegen, keinen Raum zu haben, gegen das, was die Men­schen wäh­rend eines Kriegs durchleben.

 

n.: Die Struktur von Abzählen dreht sich stets im Kreis, von Mitt­woch über Don­nerstag zu Freitag, bis der töd­liche Frei­tag­abend der Kriegs­ge­schichte ein Ende setzt. Diese zer­stü­ckelte Zeit­struktur, eben­falls ein eigent­li­ches Abzählen, scheint die Tage auf­zu­lösen. Sie reisst den chro­no­lo­gi­schen Ablauf unwie­der­bring­lich aus­ein­ander. Die Hand­lungen können nicht mehr stimmig zusam­men­ge­fügt werden. Wie bist du auf dieses zykli­sche Erzählen gekommen, und wel­chen Effekt hat­test du dabei im Sinn?

 

T.M.: Als ich den Text schrieb, habe ich nicht darauf geachtet. Jetzt denke ich, dass ich auch damit den ein­ge­grenzten Raum des Kriegs zeigen wollte, indem ich mich auf diese drei Tage beschränkte. Auch die Sätze sind ziem­lich kurz, was wie­derum auf die Gefühle der Men­schen ver­weist, auf ihre Anspan­nung, und wie sie unter sol­chen Umständen trau­ma­ti­siert werden. Du emp­fin­dest die Dinge ganz anders als nor­ma­ler­weise. Es war die schlimmste Erfah­rung, die ich je gemacht habe.

 

n.: Ninzo und Zknapi, die beiden jugend­li­chen Prot­ago­nis­tinnen in Abzählen, ver­bindet eine enge Freund­schaft und gleich­zeitig eine Riva­lität in Bezug auf ihre jewei­lige phy­si­sche Ent­wick­lung. Ihr unglei­cher Wett­lauf dahin, end­lich eine erwach­sene Frau zu werden, scheint aber irgendwie in der Luft zu schweben: Es gibt keinen Platz mehr in der kriegs­ver­sehrten Gegend für junge Frauen. Gerade die Attrak­ti­vität der früh­reifen Ninzo in den Augen der ‚anderen’ Sol­daten beför­dert sie ins soziale Nie­mands­land zwi­schen den Fronten. Den­noch scheint dieser Wett­streit der beiden Mäd­chen um die Geschlech­ter­norm ihre letzte Ver­bin­dung zu einer vom Krieg ver­schonten, nor­malen Gesell­schaft zu sein.

 

T.M.: Auch in einer Kon­flikt­zone sind Mäd­chen immer noch Mäd­chen. Frauen sind immer noch Frauen. Wenn sie in einer fried­li­chen Gegend wohnen würden, wäre es das­selbe. Ninzo wäre für die Männer sogar noch attrak­tiver. Der Geschlech­ter­aspekt ist aber auch im Krieg immer noch vor­handen. Ich wurde bereits meh­rere Male gefragt, warum ich aus­ge­rechnet Jugend­liche als Prot­ago­nis­tinnen wählte. Wahr­schein­lich hängt es damit zusammen, dass ich selbst ein prä-Teen­ager war, als der Bür­ger­krieg anfing; ich war elf Jahre alt.

 

n.: Vir­ginia Woolf schreibt, dass „ein Zimmer für sich selbst“ zu haben, also wört­lich und bild­lich gespro­chen über Raum zum Arbeiten zu ver­fügen, eines der essen­ti­ellsten Erfor­der­nisse für Schrift­stel­le­rinnen ihrer Zeit war, als der lite­ra­ri­sche Kanon und die Schrift­stel­lerei noch stark männ­lich geprägt waren. Gibt es heute noch ein Bedürfnis nach eigenen Räumen für Frauen in der lite­ra­ri­schen Welt? Wenn ja, wie würden diese aus­sehen? Welche Art von Frau­en­räumen schwebt dir vor?

 

T.M.: Ja, ich glaube, es gibt noch immer ein Bedürfnis nach einem eigenen Raum. Es hat sich aber vieles im posi­tiven Sinne ver­än­dert. Woolf schrieb ihren Text ja vor fast hun­dert Jahren, und mitt­ler­weile sind Frauen in einer bes­seren Posi­tion. In Geor­gien etwa, um ein ein­fa­ches Bei­spiel zu geben, gibt es ein Ver­lags­haus, das jähr­lich die fünf­zehn besten Kurz­ge­schichten publi­ziert. Vor acht oder zehn Jahren waren viel­leicht zwölf Männer und drei Frauen ver­treten. Heute hat sich die Sta­tistik ver­än­dert, weib­liche und männ­liche Autor_innen sind glei­cher­massen prä­sent. In Geor­gien haben Frauen nun tat­säch­lich ihre eigene Stimme, es gibt viele gute Dich­te­rinnen, und einige junge Frauen, die zu schreiben ange­fangen haben, sind wirk­lich viel­ver­spre­chend. Des­halb bin ich sehr opti­mis­tisch, sogar im Fall von Geor­gien. (lacht) Natür­lich hat sich auf glo­baler Ebene einiges getan, aber es gibt immer noch regio­nale Unterschiede.

 

n.: Hast du spe­zi­fi­sche Erfah­rungen als Frau in der lite­ra­ri­schen Welt, inner­halb des Lite­ra­tur­be­triebs gemacht? Gab es irgend­welche Ereig­nisse, bei denen du dach­test, das wäre nun anders für einen männ­li­chen Autor?

 

T.M.: Ich hatte ein Erlebnis als femi­nis­ti­sche Autorin. Das war ziem­lich lustig. Als Abzählen ver­öf­fent­licht wurde, erhielt ich viel posi­tives Feed­back. Es gibt einen ein­fluss­rei­chen Lite­ra­tur­kri­tiker in Geor­gien, der das Buch mochte und mich dafür sehr lobte. Doch dann erwähnte ich in einem Inter­view, dass es ein femi­nis­ti­sches Buch sei und ich selbst eine femi­nis­ti­sche Autorin. Dar­aufhin wurde er richtig aggressiv, weil er etwas gelobt hatte, das sich als femi­nis­tisch herausstellte.

 

n.: Er fühlte sich in die fal­sche Ecke gedrängt?

 

T.M.: Genau. Er ver­suchte zu pole­mi­sieren, worin genau der Roman femi­nis­tisch sei. Man teilte ihm mit, dass die Autorin es selbst gesagt habe.

 

n.: Tamta Melaschwili, vielen Dank für das Gespräch. Wir wün­schen wei­terhin gutes Schaffen in Zürich!

 

Das Inter­view führten Ste­fanie Heine und Nina Seiler für Litradio.
Gekürzt und über­setzt aus dem Eng­li­schen von Nina Seiler.
Fotos von Ste­fanie Heine.

 

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