Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Sla­wistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Her­ba­rien aus Zel­lu­loid

„Gesam­melte“ Werke der Peters­burger Künst­lerin Inna Pozina

 

inna19_4„A‑l-ja-ger – Kolomja-ger!“ –  Erst ver­stand ich den Aus­spruch nicht, mit dem mich Inna Pozina und ihr Vater Alek­sandr Pozin begrüßten. Dann aber begriff ich: Mit Kolom­jager sind die Bewohner des kleinen ein­stö­ckigen Holz­hauses gemeint, das sich im Bezirk Kolom­jagi  im Norden von Sankt Peters­burg befindet. Dorthin ist die Familie Pozin, wie auch andere Künstler, in den 80er Jahren gezogen – raus aus der Stadt in die Rand­be­zirke, wo die ehe­ma­ligen Dat­schen der Intel­li­gen­cija ideale Arbeits- und Wohn­räume boten. Hier, zwi­schen Holz­häu­sern und Gärten, Öfen, Brenn­holz­sta­peln und Plumpsklo wuchsen nicht nur Inna und ihre Schwester Katja, son­dern auch die Skulp­turen der Eltern und des Groß­va­ters.

Seit den 90er Jahren hat sich die Gegend stark ver­än­dert. Nur noch ver­ein­zelte Holz­häus­chen stehen da inmitten von Neu­bauten aus den 90er Jahren und Ein­fa­mi­li­en­häu­sern, die von Über­wa­chungs­ka­meras und Metall­zäunen abge­schirmt werden. In dieser selt­samen Mischung aus Neu­bauten- und Neu­rei­chen­sied­lung bildet das Haus der Pozins, umgeben von einem Skulp­tu­ren­garten, eine eigen­wil­lige Oase – und einen gefähr­deten Raum. Die Pozins rechnen damit, ihr Häus­chen bald ver­lassen und einem Neubau wei­chen zu müssen. Jeder Tag sei ein Kampf. Viele Leute könnten nicht ver­stehen, wes­halb es einen sol­chen Bereich braucht, der Künst­lern und Skulp­turen Raum bietet, mit dem kein Geld ver­dient werden kann. Nach wei­terer Erläu­te­rung ver­stand ich auch den ersten Teil des Aus­spruchs. Das komme aus dem Fran­zö­si­schen. Also: „à la guerre – Kolom­jager!“

 

skulptur-hausWenn man hinter dem Haus steht, befinden sich die Neu­bauten im Rücken. Unge­stört kann der Blick des Betrach­ters durch den Garten schweifen, in dem sich ein Brun­nen­be­cken, ein Stein­tisch mit Bänken und die Werk­stätten befinden. Und  die Skulp­turen von drei Genera­tionen: von Lev Smorgon, dem Groß­vater von Inna, von Alek­sandr Pozin und Marina Spivak, ihren Eltern, und ihre eigenen Werke. Bei­nahe unge­stört: Von der kürz­lich eröff­ne­ten­Au­to­wasch­an­lage auf dem benach­barten Grund­stück, dröhnen die neusten rus­si­schen Schlager her­über.

Im Haus selbst ist nichts zu merken von dieser raum­grei­fenden Gefähr­dung. Das ein­fache Holz­haus, in dem die 26jährige Inna jetzt alleine mit Hund und Katze lebt, dient zugleich als Ate­lier und Wohn­raum. Die Eltern sind vor einiger Zeit zwei Strassen wei­ter­ge­zogen, nutzen aber noch die Werk­statt im Garten. Das Haus ist lie­be­voll ein­ge­richtet. Jeder Gegen­stand ist ein kleines Kunst­werk.

 

fensterAn den Wänden hängen Bilder, die Türen sind bemalt, in den Nischen stehen kleine Holz­skulp­turen. Den großen höl­zernen Ess­tisch hat Inna zusammen mit ihrem Vater gezim­mert. Im Winter, wenn es zu kalt ist, um draußen im Garten an Skulp­turen zu arbeiten, bleibt Zeit, sich anderen Gegen­ständen zuzu­wenden. Man merkt, hier wird Formen, Farben und Mate­ria­lien eine beson­dere Beach­tung geschenkt. Der Ess­tisch setzt sich aus unter­schied­li­chen Platten zusammen, die sich über­la­gern. Im Tisch steckt ein glatt geschlif­fener läng­li­cher Stein, den man her­aus­ziehen kann. In die Platten gebohrte Löcher und läng­liche Ver­tie­fungen ver­zieren den Tisch, so dass beim Essen Brot­krümel durch die Muster auf den Boden fallen können. Da, unter dem Tisch, liegt meis­tens der Hund Čen, der Begleiter und Wächter des Hauses. Im leise vor sich hin­sum­menden Kühl­schrank neben dem Ess­tisch werden sowohl Film­rollen als auch Nah­rungs­mittel auf­be­wahrt. Dar­unter befinden sich auch Tomaten und Kar­tof­feln, die nicht für den Ver­zehr gedacht sind. Inna Pozina hat sie vor einigen Tagen auf dem Markt von einer babuška gekauft. Und das nur auf­grund der beson­deren Formen. Zusammen mit ihrem Vater stu­diert sie auf­merksam die selt­samen Run­dungen der Kar­tof­feln und Tomaten.

Laut Inna funk­tio­niert der Künstler wie ein Spiegel. Er fängt ein Bild ein und gibt es dann als Abbild weiter. Das Mittel und die Art der Abbil­dung wählt jeder selber aus. Inna wurde in eine Künst­ler­fa­milie hin­ein­ge­boren. Das hat sie geprägt: „Wenn du daran gewöhnt bist, das, was dich umgibt genau zu beob­achten und in Kunst umzu­setzen, ent­steht letzt­lich eine innere Not­wen­dig­keit, darauf zu reagieren, was du siehst.“ Sie habe ihren Beruf nicht eigent­lich gewählt. Sie konnte sich ein­fach nicht vor­stellen, etwas anderes als Kunst zu machen.

 

hand1Inna Pozina stützt die Ell­bogen auf dem Tisch auf. Die junge Künst­lerin arbeitet mit unter­schied­li­chen Mate­ria­lien. Wäh­rend des Gesprächs zieht sie den läng­li­chen Stein aus dem Loch im Tisch und spielt mit ihm. Als aus­ge­bil­dete Bild­hauerin mag sie Stein, aber auch Holz, Tuch und Papier. Čen kommt unter dem Tisch her­vor­ge­kro­chen. Und auch den Hund mag sie. Vor allem aber mag sie Licht und Schatten.Es fas­zi­niert sie, wie sich far­bige  Stoffe ver­än­dern, wenn sie auf unter­schied­liche Art beleuchtet werden. Zu diesem Thema sind einige Bilder und Instal­la­tionen ent­standen. Das Inter­esse an Ver­än­de­rungen hat die junge Künst­lerin – wie die Film­rollen im Kühl­schrank ver­muten lassen – zum Film geführt. Auf Zel­lu­loid kann der Wandel des Lichts und der Farbe direkt fest­ge­halten werden. Vor zwei Jahren hat Inna Kolom­jažs­kaja uto­pija (Kolom­jager Utopie) gedreht, einen ihrer ersten Filme, der auf der doku­mentART 2004 aus­ge­zeichnet wurde. Auch darin spielen Ver­än­de­rungen eine große Rolle: zum einen der Wandel von Farbe und Licht, zum anderen der Per­spek­ti­ven­wechsel, die Fenster mal von innen, mal von außen zu zeigen. Auch auf inhalt­li­cher Ebene geht es im Film um Wandel: um die Ver­än­de­rung der Land­schaft ihrer Kind­heit und Jugend im Bezirk  Kolom­jagi. „Zunächst ver­schwanden die Men­schen und hin­ter­ließen mit Bret­tern zuge­na­gelte Fenster. Dann ver­schwanden Fenster, Türen, Zäune. Löcher blieben zurück. Neu­bauten wuchsen an ihrer Stelle.“ Im Film bezeichnet sie diesen Ort als Utopie, als Ort, den es nicht (mehr) gibt. „Viele Häuser, die im Film auf­tau­chen, stehen schon nicht mehr. Ich wollte diese Situa­tion fest­halten, wie sie früher war.“ Filmen ermög­liche es, Erin­ne­rungen ein­zu­fangen und zu bewahren. Sie ein­zu­sam­meln in einer Weise, wie Her­ba­rien gemacht werden, um sie dann im Winter anzu­schauen. Und sich an den Sommer zu erin­nern, meint Inna. Der Film also als Mög­lich­keit, Wandel und Ver­än­de­rung zu doku­men­tieren und dadurch eine Kon­stante zu schaffen inmitten von Umbrü­chen?

 

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buch1 „Wir wuchsen in einer Zeit auf, in der ständig etwas zusam­men­brach oder sich ver­än­derte.“ Sich und ihre Alters­ge­nossen sieht Inna als ver­lo­rene Genera­tion, an der unter­schied­liche Expe­ri­mente durch­ge­führt wurden. Als Inna in den 90er Jahren Bild­hauerei stu­dierte, konnten viele nicht ver­stehen, wozu das nütz­lich sein sollte. „Das war eine Zeit des Ver­lo­renseins, des völ­ligen Sinn­ver­lusts, des Ver­lusts der Moti­va­tion. Das war kein per­sön­li­ches Gefühl, son­dern eine all­ge­meine Ten­denz und es war schwierig, seinen Platz darin suchen und finden zu können.“

 

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In ihrem neusten Film hat sich Inna auf die Suche gemacht. V pois­kach sčast´ja (Auf der Suche nach dem Glück) von 2006  war zunächst als Doku­men­ta­ti­ons­film über die Peters­burger Band Ner­ven­klinik gedacht. Diese plante eine Reise nach Deutsch­land, um dort ihr Glück zu ver­su­chen. Die Tournee schei­terte und die „Suche“ erfuhr eine Wen­dung. Inna ging es darum, das zu zeigen, was ein Künstler durch­macht. Kunst ist für Inna nicht der Pro­zess, schöne Sachen her­zu­stellen, son­dern eine Sinn­suche. „Plötz­lich siehst du den Sinn, nimmst ihn, machst etwas daraus und zeigst ihn. Manchmal ist man alleine auf der Suche und weiß über­haupt nicht, wohin es gehen soll.“ Das sei die wahre Kunst des Künst­lers, wei­ter­gehen zu können, ohne zu wissen, ob sich etwas daraus ergibt.

Viele von Innas Freunden, die lange Zeit im Aus­land gelebt haben, vor allem in Berlin, kehren nach Piter zurück. Dort ver­muten sie mehr Frei­räume und Mög­lich­keiten, künst­le­risch tätig zu sein, obwohl der Kunst­markt in Russ­land schlecht funk­tio­niere und sich weniger Leute pro­fes­sio­nell mit Kunst beschäf­tigten. Viele Leute seien zu sehr mit dem eigenen Über­leben beschäf­tigt, als dass sie sich für Kunst inter­es­sieren könnten. Inna lacht: Kunst sei etwas für Reiche oder für Kranke, die ohne sie nicht leben können.
Immer wieder kor­ri­giert sie sich wäh­rend des Gesprächs und rela­ti­viert ihre Ein­schät­zungen. Sie wolle nicht sagen, dass in Russ­land alles schlecht sei. Es sehe nicht so düster aus, wie sie das schil­dere. Es komme ihr vor, als ob die Zeit des Still­stands vorbei sei, als ob etwas Neues ent­stehen würde. Es gäbe einige inter­es­sante Pro­jekte und Aus­stel­lungen.

 

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Im Sep­tember wurden im Muzej gorodskoj skulp­tury, Sankt-Peter­burg (Städ­ti­sches Skulp­tu­ren­mu­seum, Sankt Peters­burg) in der  Aus­stel­lung Sessja molo­dogo iskusstva (Aus­stel­lung junger Kunst) Werke von unge­fähr vierzig jungen, meist unbe­kannten  Künst­lern gezeigt, dar­unter auch zwei Arbeiten von Inna Pozina. So etwas habe es bisher in einem staat­li­chen Museum noch nie gegeben. Da habe sie gemerkt, dass es auch andere Men­schen gebe, die sich mit ver­gleich­baren Fragen beschäf­tigen. „Und das nicht um Geld zu ver­dienen, son­dern weil sie ein­fach auch darauf reagieren müssen, was sie sehen.  Für wen das nütz­lich sein soll, das ist eine andere Frage.“ Die bunt gemischte Aus­stel­lung war in zwei Räumen und außerdem im Hin­terhof unter freiem Himmel unter­ge­bracht. Ein ein­heit­li­ches Thema war nicht vor­ge­geben. Trotzdem tauchten auf­fällig oft ver­spielte Kind­heits­mo­tive auf. Bei­spiels­weise Glas­ma­le­reien in Form von Mäd­chen­klei­dern, in deren Taschen sich alte Bus­fahr­karten und gepresste Blumen befinden.

Ihre eigenen Werke und die­je­nigen anderer junger Künstler sieht Inna als Ant­wort auf den Kon­zep­tua­lismus. Dem künst­le­ri­schen Hand­werk werde wieder mehr Beach­tung geschenkt. Wäh­rend eine Zeit lang sich die Kunst vom Gegen­stand ent­fernte und gezeigt wurde, dass Kunst aus belie­bigen Mate­ria­lien geschaffen werden könne, so sei heut­zu­tage eine Rück­kehr zum Mate­rial und zum Hand­werk aus­zu­ma­chen.

Innas Aus­stel­lungs­bei­trag war an ein Pro­jekt geknüpft, das sie in einer Psych­ia­trie mit Pati­enten durch­ge­führt hatte. Im Rahmen ihrer dor­tigen Tätig­keit als Mal­the­ra­peutin hat sie Farb­stift­zeich­nungen der Pati­enten zuZei­chen­trick­filmen zusammen geschnitten und mit Musik unter­legt. In den kurzen Sequenzen ver­strickt sich bei­spiels­weise eine Katze immer mehr mit einem Woll­knäuel, bis sie ganz darin ver­schwindet. Oder ein Hund fängt plötz­lich an, mit der Sonne zu tanzen.
Zweimal in der Woche unter­richtet Inna ihre Pati­enten und malt und bas­telt mit ihnen. Diese  Arbeit ver­steht Inna eben­falls als Sinn­suche. „Wenn du Künstler bist, dreht sich oft alles um dich selbst. Durch diese Arbeit kann ich den Zugang zu Leuten finden. Diese wie­derum können den Zugang zur Kunst finden.“

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Von der Kunst kann Inna Pozina nicht leben. Neben ihrer Tätig­keit im Kran­ken­haus muss sie oft Auf­trags­ar­beiten über­nehmen. Sie macht bei Design-Pro­jekten mit. Für einen  Kin­der­garten hat sie eine Plüsch­spiel­ecke und über­große Haus­schuhe ent­worfen, in die nicht bloß ein Kin­derfuß, son­dern ein ganzes Kind passt. Ab und zu erhält sie, wie auch ihre Eltern, Auf­träge von Neu­rei­chen, die bei­spiels­weise rie­sige Löwen aus Marmor für ihr Anwesen anfer­tigen lassen. Häufig muss sie Hoch­zeits- oder Kin­der­feste auf Video auf­nehmen. Die auf­wän­digen Hoch­zeits­feiern mag sie nicht. Sie ist froh, wenn sie sich hinter der Kamera ver­ste­cken kann und so eine Außen­ste­hende bleibt, die das Geschehen auf dem kleinen Dis­play der Digi­tal­ka­mera mit­ver­folgt. Und sie ist froh, wenn sie wieder in ihr Haus zurück­kehren kann, wo sie die Erin­ne­rungs­filme zusammen schneidet und mit pas­sender Musik unter­legt. Es bedeutet für sie eine Her­aus­for­de­rung aus dem Gefilmten etwas Kunst­volles zu schaffen.

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Wie Inna und ihre Familie leben auch andere Künstler in der Sied­lung. In den benach­barten Orten Kolom­jagi – Ozerki – Šuvalovo befinden sich wei­tere Holz­häuser, deren Bewohner sich zur künst­le­ri­schen Ver­ei­ni­gung Ozerki zusam­men­ge­schlossen haben. Außerdem ent­stand Anfang 2001 das Pro­jekt Derev­nija chu­dož­nikov (Künst­ler­dörfer), das die Häuser und Werk­stätten als kul­tu­relle Zen­tren jen­seits von Museen und Gale­rien ver­ei­nigt. In den alten Häu­sern wird neue Kunst geschaffen: Maler, Schrift­steller, Foto­grafen, Fil­me­ma­cher, Bild­hauer, Iko­nen­maler, Töp­ferer, Mode­de­si­gner arbeiten in den unter­schied­li­chen Ate­liers. Einige ver­einen meh­rere Kunst­gat­tungen. So ist gerade der Erzähl­band Razgovor c Repinym (Gespräch mit Repin) von Lev Smorgon erschienen, Innas Gross­vater. Im Sep­tember fand in der Novosel’skaja ulica 16, unweit von Innas Zuhause, eine Lesung des lite­ra­risch-künst­le­ri­schen Gemein­schafts­werks Leti-leti, lepestok! (Flieg-flieg, Blü­ten­blatt!) von Elena Garaeva und Ol’ga Soro­kina statt. Dem Band sind Illus­tra­ti­ons­karten von Gavril Lubin bei­gelegt. Im Haus in der Novosel’skaja ulica, umgeben von selt­samen Sied­lungen, die an deut­sche Vor­orte erin­nern, befindet sich die nicht­kom­mer­zi­elle Galerie Sel´skaja žizn´ (Dorf­leben) mit einer gleich­na­migen lite­ra­risch-künst­le­ri­schen Zeit­schrift und ein kleiner Kino­saal für expe­ri­men­telle Filme. Hier wurden auch Innas Filme gezeigt und einige ihrer Objekte aus­ge­stellt. Man hilft und unter­stützt sich gegen­seitig.

Nicht ein ein­heit­li­cher Stil oder eine gemein­same Ideo­logie ver­bindet die Künstler des Künst­ler­dorfes, son­dern viel­mehr die geo­gra­phi­sche Nähe sowie die Vor­liebe, die unmit­tel­bare Umge­bung als Aus­stel­lungs­raum zu nutzen. Die lan­dšaft wird zum Kri­te­rium, an dem die Kunst gemessen werden soll. Für die Künstler ist das wichtig, da durch die häu­fige Arbeit am Com­puter und vor Fern­seh­bild­schirmen das räum­liche Denken ver­loren gehe. Des­wegen hat die Gruppe zusammen mit der Peters­burger Kunst­aka­demie Semi­nare für Stu­denten aus­ge­ar­beitet. Außerdem finden regel­mäßig Sym­po­sien, Aktionen, Aus­stel­lungen und Feste unter freiem Himmel statt. Zur Som­mer­son­nen­wende bei­spiels­weise ver­wan­deln sich die Suzdal´skie ozera  (Suz­daler Seen) und ihre Ufer in einen Aus­stel­lungs­raum. Aus den geschlos­senen Sälen der Gale­rien und Museen her­aus­ge­holt, werden den Zuschauern die Objekte auf Booten und Flossen prä­sen­tiert. Auch in der Aus­stel­lung Mimi­krija von 2004 wurde die Natur direkt für die Prä­sen­ta­tion der Expo­nate genutzt. Künstler mussten ihre Arbeiten dem Prinzip der Mimikry ent­spre­chend aus­stellen. Auf­gabe des Zuschauers war es, die Objekte auf Bäumen, in Blu­men­töpfen, neben Holz­sta­peln zu finden und zu ent­scheiden, ob es sich dabei um Kunst han­delt oder nicht. Es ist ein beson­deres Anliegen des „Künst­ler­dorfes“ auch die Anwohner aus den Neu­bau­ten­sied­lungen in die Akti­vi­täten ein­zu­be­ziehen. Wäh­rend des Fes­tival´ mas­ter­s­kich (Werk­stät­ten­fes­tival) werden eine Woche lang die Werk­stätten für Freunde, Gäste und Nach­barn geöffnet.

 

tuereWenn man von Inna Pozinas Zuhause mit dem Bus 40 durch zurück zur Metro­sta­tion fährt, merkt man, wie sehr ihr cha­rak­te­ris­ti­sches Haus die Mono­tonie des Rand­be­zirks durch­bricht. Man wird sich bewusst, wie wichtig solche Orte und ihre Bewohner sind, die durch ihr Enga­ge­ment jen­seits von Ermitaž und Russkij Muzej Kunst und Leben in die tristen Sied­lungen bringen und diese dadurch mensch­li­cher machen. Und wer weiß, viel­leicht sitzen in den benach­barten Häu­sern die zukünf­tigen Auf­trag­geber, die nicht nur rie­sige Mar­mor­löwen anfer­tigen lassen, son­dern sich auch dafür inter­es­sieren, was die Künstler bisher leider oft nur für sich oder fürs Aus­land schaffen. Und bis dahin gilt: „A‑lja-ger – Kolom­jager!“

 

 

Garaeva, Elena/ Marina, Olg’a: Leti-leti, lepestok! Sankt-Peter­burg 2006.

Larina, Tat’jana (Hg.): Sde­lano v Kolom­ja­kach. Pozin. Spivak. Raboty razniych let. Sankt-Peter­burg 2004.  [Aus­stel­lungs­ka­talog zur Aus­stel­lung in der Manež.]

Niko­la­enko T./ Baev E.: Derev­nija chu­dož­nikov. Sankt-Peter­burg 2006. [In dem Katalog werden die ein­zelnen Häuser und Künstler des Derev­nija chu­dož­nikov vorgestellt.]

Smorgon, Lev: Razgovor s Repinym. Sankt-Peter­burg 2006.

www.ozerki.spb.ru

 

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